Pupillenmessung könnte Erholung des Bewusstseins nach Hirnverletzung vorhersagen25. August 2026 Die Latenz der späten Light-off Response könnte künftig ein einfach zu erhebender, prognostischer Marker bei Intensivpatienten mit schweren Hirnverletzungen darstellen. Symbolbild.©Chinamon-stock.adobe.com Ein einfache Pupillenmessung am Krankenbett könnte Auskunft darüber geben, ob Patienten mit schweren Hirnverletzungen das Bewusstsein wiedererlangen werden. Neue Forschungsergebnisse, die auf dem Kongress der European Academy of Neurology 2026 vorgestellt wurden, liefern Hinweise auf einen möglichen prognostischen Marker. Eine in Dänemark durchgeführte Studie zeigte, dass eine bestimmte Phase der Pupillenreaktion auf Licht – die sogenannte späte Light-off Response (LOR) – bei Patienten mit akuter Hirnverletzung eine Verbesserung des Bewusstseinszustands sieben Tage später vorhersagen konnte. Pupillenmessung dauert nur 13 Sekunden pro Auge Vorherzusagen, ob ein Patient nach einer schweren Hirnverletzung das Bewusstsein wiedererlangen wird, gehört zu den größten Herausforderungen der Intensivmedizin. Die LOR wird mit einem tragbaren automatisierten Pupillometer gemessen, ganz ähnlich wie die derzeit üblichen Pupillenmessungen. Die gesamte Untersuchung dauert nach Angabe der Forschenden nur 13 Sekunden pro Auge. Die in der Intensivmedizin bislang erfassten Messparameter konzentrieren sich vor allem auf die unmittelbare Pupillenreaktion auf Licht. Für die Einschätzung der längerfristigen Erholungsaussichten liefern sie jedoch nur begrenzte Informationen. In einer prospektiven Studie wurden 250 Personen mit Bewusstseinsstörungen nach traumatischer oder nicht traumatischer Hirnverletzung untersucht. Als Kontrollgruppe dienten 30 nach Alter und Geschlecht gematchte gesunde Personen. Bei den Patienten wurden während ihres Aufenthalts auf der Intensivstation bis zu 20 Tage lang täglich eine automatisierte Pupillometrie und neurologische Untersuchungen durchgeführt. Latenz der späten LOR in der Pupillenmessung war ein unabhängiger Prädiktor Die Untersuchung zeigte, dass die Latenz der späten LOR (T50-Dilatation), die ≥ 3 Sekunden nach Ende des Lichtreizes auftritt, unabhängig eine Verbesserung des Bewusstseinszustands sieben Tage später vorhersagen konnte. Dies galt auch nach Berücksichtigung des neurologischen Ausgangszustandes, der vergangenen Zeit nach und Art der Hirnverletzung sowie der Sedierung. Dagegen erwiesen sich etablierte Pupillenparameter wie der Neurological Pupil Index und die Latenz des Pupillenlichtreflexes als nicht prädiktiv für eine spätere Verbesserung des Bewusstseins. Explorative Analysen ergaben, dass dieser Zusammenhang bei Patienten ohne sedierende Medikamente sowie mit anoxisch-ischämischer Hirnverletzung am stärksten ausgeprägt war. Pupillenmessung erfasst Erholungspotenzial Die Studienautoren heben insbesondere hervor, dass der Messwert nicht mit dem Grad der Reaktionsfähigkeit des Patienten am selben Tag assoziiert war. Dies deute darauf hin, dass er ein Erholungspotenzial erfassen könnte, das bei der routinemäßigen Untersuchung am Krankenbett nicht erkennbar ist. Dr. Poul Laigaard vom Rigshospitalet, einem Klinikum der Universität Kopenhagen, ist Erstautor der Studie. In einer Pressemitteilung erklärt er: „Die derzeit üblichen Untersuchungen der Pupillenfunktion zeigen, wie das Gehirn im jeweiligen Moment reagiert. Die späte Light-off Response könnte dagegen Hinweise auf das Erholungspotenzial des Gehirns liefern. Dies könnte dabei helfen, besser einzuschätzen, bei welchen Patienten in den kommenden Tagen mit einer Besserung zu rechnen ist.“ (nec/BIERMANN)
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