Rauchen kann Gehirn bei Jugendlichen langfristig vernebeln22. November 2022 © Solid photos – stock.adobe.com (Symbolbild) Jugendliche, die anfällig für einen Konsum von E-Zigaretten und Tabakprodukten sind, sollten bei der Tabakprävention als vorrangige Bevölkerungsgruppe behandelt werden. Dies legen Studienergebnisse nahe, die auf eine verringerte kognitive Leistungsfähigkeit Betroffener hindeuten. Die Forschenden untersuchten die Längsschnitt-Assoziationen eines früh begonnenen Tabakkonsums mit der Neurokognition unter Verwendung von multivariaten linear gemischten Modellen. Kinder im Alter von 9–10 Jahren von 21 US-Standorten wurden in Welle 1 (01.10.2016–31.10.2018; n=11.729) und den 2-Jahres-Follow-up (01.08.2018–31.01.2021; n=10.081) der Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study aufgenommen. Die Forschenden bewerteten jeglichen Gebrauch (vs. keinen) von Tabakprodukten in Welle 1, einschließlich E-Zigaretten, Zigaretten, Zigarren, rauchlosem Tabak, Wasserpfeifen, Pfeifen und Nikotinersatz. Die Neurokognition ermittelte man mit der Toolbox Cognition Battery der National Health Institutes. Zudem erhoben die Wissenschaftler Daten zur Morphometrie der Gehirnstruktur und führten eine Analyse bestimmter Regionen des Kortex mit struktureller Magnetresonanztomographie durch. Von 11.729 Teilnehmern in Welle 1 (Durchschnittsalter 9,9 Jahre [Standardfehler (SE) 0,6]; 47,9% Mädchen und 52,1% Jungen; 20,3% Personen hispanischer Abstammung; 14,9% Schwarze nichthispanischer Abstammung; 52,1% nichthispanische Weiße) gaben 116 an, irgendwann einmal Tabakprodukte konsumiert zu haben oder zu konsumieren. Unter Berücksichtigung von Störfaktoren erzielten Tabakkonsumenten im Vergleich zu Nichtkonsumenten niedrigere Werte in den Picture Vocabulary Tests in Welle 1 (b=–2,9 [SE 0,6]; p<0,001) und beim 2-Jahres-Follow-up (b=–3,0 [SE 0,7]; p<0,001). Der Crystalized Cognition Composite Score war unter Tabakkonsumenten sowohl in Welle 1 (b=–2,4 [SE 0,5]; p<0,001) als auch bei der 2-Jahres-Nachbeobachtung (b=–2,7 [SE 0,8]; p=0,005) niedriger als bei Nichtkonsumenten. In der strukturellen Magnetresonanztomographie fielen die Ganzhirnmessungen im kortikalen Bereich und das Volumen bei Tabakkonsumenten signifikant geringer aus als bei Nichtkonsumenten, einschließlich des kortikalen Bereiches (b=–5014,8 mm2 [SE 1739,8]; p=0,004) bei Welle 1 und kortikales Volumen bei Welle 1 (b=–174.621,0 mm3 [SE 5857,7]; p=0,003) und Follow-up (b=–21.790,8 mm3 [SE 7043,9]; p=0,002). Eine weitere Analyse bestimmter Regionen ergab in beiden Wellen eine kleinere kortikale Fläche und ein geringeres Volumen in mehreren Regionen von Frontal-, Parietal- und Temporallappen. Fazit In der Kohortenstudie haben die Wissenschaftler einen bereits in der späten Kindheit beginnenden Tabakkonsum mit einer verringerten kognitiven Leistung und einer reduzierten Gehirnstruktur der Betroffenen in Verbindung gebracht. Dabei hielten sich die Effekte auch in einer Nachbeobachtung über einen Zeitraum von 2 Jahren. (ac) Autoren: Dai HD et al. Korrespondenz: Hongying Daisy Dai; [email protected] Studie: Longitudinal Assessments of Neurocognitive Performance and Brain Structure Associated With Initiation of Tobacco Use in Children, 2016 to 2021 Quelle: JAMA Netw Open 2022;5(8):e2225991. Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.25991
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