Real-World-Daten bestätigen positive Effekte von Semaglutid und Tirzepatid auf die Herzgesundheit

Die Wirkung GLP-1-Rezeptoragonisten auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit ist immer wieder Gegenstand verschiedener Studien. (Symbolfoto: ©photoopus/stock.adobe.com)

Die Evidenz zur kardioprotektiven Wirkung der GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und Tirzepatid mehrt sich. Eine aktuelle Auswertung von US-Versicherungsdaten bestätigt Vorteile für die Herzgesundheit bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes.

GLP-1-Rezeptoragonisten können das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Menschen mit Typ-2-Diabetes reduzieren. Das haben Forschende der Technischen Universität München (TUM) und der Harvard Medical School (Boston, USA) jüngst mithilfe von Versichertendaten nachgewiesen. Semaglutid und Tirzepatid senken das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse demnach um bis zu 18 Prozent.

Für ihre im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie arbeiteten die Forschenden mit einem großen Satz an Patientendaten von US-amerikanischen Krankenversicherungen. Diese ermöglichen es, Patientinnen und Patienten zu untersuchen, die die Realität des klinischen Alltags widerspiegeln – im Gegensatz zu meist hochselektierten Teilnehmenden im randomisierten Experiment, wie Erstautor Dr. Nils Krüger erläutert. Krüger ist Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum.

Bereits zuvor hatten er und sein Team zeigen können, dass eine Behandlung mit Semaglutid oder Tirzepatid Gesundheitsrisiken für Menschen mit Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) um mehr als 40 Prozent reduzieren kann (wir berichteten). Eine Analyse der Studie SELECT – vor wenigen Wochen publiziert in „The Lancet“ – konnte ferner aufzeigen, dass der kardiovaskuläre Nutzen von Semaglutid bei übergewichtigen Herz-Kreislauf-Patienten ohne Diabetes unabhängig vom Gewichtsverlust ist (wir berichteten).

Beide Substanzen schützen das Herz

Die aktuelle Studie zeigt Vorteile für die Herzgesundheit von Risikopatientinnen und -patienten mit Typ-2-Diabetes. Im Vergleich mit Sitagliptin, einem Diabetesmedikament, das sich Studien zufolge nicht auf die Herzgesundheit auswirkt, reduziert Semaglutid das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten um 18 Prozent. Eine Behandlung mit Tirzepatid verringert das Risiko von Schlaganfällen, Herzinfarkten und Tod um 13 Prozent, vergleicht man sie mit einer Behandlung mit dem schon länger zugelassenen GLP-1-Medikament Dulaglutid.

„Beide Substanzen wirken kardioprotektiv. Unsere Daten zeigen zudem, dass diese Wirkung bereits früh einsetzt und somit über die Effekte einer reinen Gewichtsabnahme hinausgeht“, sagt Krüger. Die genauen Mechanismen hinter der Schutzfunktion sind bislang noch unbekannt.

Da die Wirkstoffe erst seit kurzer Zeit verfügbar sind, fehlten bislang Studien, die neben der Gewichtsabnahme eine herzschützende Wirkung belegen – insbesondere solche, die Tirzepatid und Semaglutid miteinander vergleichen. Um Risikopatientinnen und -patienten bestmöglich zu schützen, werden diese aus Sicht der Forschenden aber dringend benötigt. Die interdisziplinäre Forschungsgruppe um Krüger am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum, der Harvard Medical School und des Brigham and Women’s Hospital will diese Lücken schließen.

Kaum Unterschiede zwischen beiden Wirkstoffen

„Folgt man den Herstellerangaben, senkt jeweils das eigene Produkt Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich effektiver als das Konkurrenzpräparat“, sagt Prof. Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum. „Die aktuelle Studie zeigt jedoch in Bezug auf die Herzgesundheit der untersuchten Risikogruppen nur kleine Unterschiede zwischen Tirzepatid und Semaglutid.“

Krüger ergänzt: „Wir hoffen durch unsere Arbeit bei behandelnden Ärztinnen und Ärzten Klarheit schaffen zu können, wie diese neuen Medikamente in der klinischen Praxis wirken. Unser transparentes Studiendesign soll zudem einen offenen wissenschaftlichen Diskurs darüber ermöglichen, ob und wie moderne GLP-1-Medikamente künftig zum Bestandteil des therapeutischen Repertoires in der kardiovaskulären Medizin werden.“

(ah/BIERMANN)