Real-World-Daten zum HCC: irAE-Inzidenz unter Immuntherapie-Kombination geringer als in klinischen Studien3. Juni 2025 Darstellung von Leberkrebs. (Abbildung: © Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com) Eine neue Studie liefert laut ihren Autoren wertvolle Einblicke in die Inzidenz und den Einfluss immunvermittelter unerwünschter Ereignisse (irAEs) bei Patienten mit nichtresektablem Hepatozellulären Karzinom, die eine Kombinationstherapie mit Atezolizumab und Bevacizumab erhalten. In der Studie einer Arbeitsgruppe unter der Leitung der Erstautoren Leonardo Gomes da Fenseca vom Hospital das Clinicas der Universität Sao Paulo (Brasilien) und Federico Piñero vom Universitätskrankenhaus Austral (Argentinien) wurde untersucht, wie Patienten mit fortgeschrittenem Leberkrebs in Lateinamerika auf eine weit verbreitete Immuntherapiekombination ansprechen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass unter der Behandlung mit Atezolizumab und Bevacizumab zwar eine Minderheit von Patienten irAEs entwickelte, dass diese Ereignisse aber das Gesamtüberleben nicht signifikant beeinflussten. Die Forschungsergebnisse unterstreichen nach Auffassung der Autoren, dass es wichtig ist, derartige Nebenwirkungen in der klinischen Praxis frühzeitig zu erkennen und umsichtig zu behandeln. Auftreten von irAEs beeinträchtigt Benefit der Therapie insgesamt nicht Das Forscherteam hatte Real-World-Daten zu 99 aus Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien ausgewertet. Bis dahin habe es nur wenige Daten zu solchen irAEs bei Patienten aus Lateinamerika gegeben, erklären die Autoren. Die meisten der für die Studie untersuchten Patienten litten an einer Zirrhose oder an einer zugrunde liegenden Lebererkrankung und erhielten für eine mediane Dauer von sechs Monaten einer Therapie mit Atezolizumab und Bevacizumab. Nur 18 Prozent der Studienteilnehmer entwickelten irAEs, die am häufigsten die Leber betrafen (Hepatitis) und die Schilddrüse (Thyroiditis). Die Mehrheit dieser Fälle fiel milde aus oder war mittelschwerer Ausprägung, und in der Hälfte der Fälle waren die irAEs innerhalb eines Monats vollständig verschwunden. Lediglich acht der Patienten mussten zur Kontrolle der Immunantwort mit Steroiden behandelt werden. Die Forschenden heben es als wichtig hervor, dass das Auftreten von irAEs keinen Einfluss darauf hatte, wie lange die betroffenen Patienten nach Beginn der Behandlung überlebten. Dies deute darauf hin, dass irAEs zwar eines sorgfältigen Managements bedürfen, dass sie aber offenbar den Gesamtnutzen einer Immuntherapie nicht mindern. Ein weiteres signifikantes Ergebnis der Studie ist, dass Patienten mit höheren Werten für Alpha-Fetoprotein (AFP) – ein Protein, dessen Werte bei Leberkrebs oftmals erhöht sind (400 ng/ml oder höher) – mit höherer Wahrscheinlichkeit irAEs aufwiesen. Diese Information könne dabei helfen, solche Betroffene zu identifizieren, die im Verlauf der Therapie engmaschiger und genauer beobachtet werden müssen. Diskrepanz zwischen klinischen Studien und Real-World-Daten Die Untersuchung deutet auch auf wichtige Unterschiede zwischen den Ergebnissen klinischer Studien und Real-World-Erfahrungen hin. Während aus klinischen Studien höhere Nebenwirkungsraten berichtet würden, zeigten die nun präsentierten Real-World-Daten eine niedrigere Inzidenz. Dies liege möglicherweise an einem weniger intensiven Monitoring oder an Unterschieden darin, wie Nebenwirkungen in der täglichen Praxis dokumentiert werden. Insgesamt, so betonen die Autoren der Studie, unterstreichen die Ergebnisse, dass bei der Behandlung von Leberkrebspatienten mit einer Immuntherapie eine laufende Kontrolle und individuelle Versorgung nötig sind. Die Publikation liefere wertvolle Informationen nicht nur für Mediziner in Lateinamerika, sondern auch in anderen Regionen mit ähnlichen Patientenpopulationen. Ziel sei eine Verbesserung der Outcomes bei gleichzeitiger Minimierung der Risiken.
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