Real-World-Daten zur Dauer einer Immuncheckpoint-Inhibition beim fortgeschrittenen NSCLC: Beendigung nach zwei Jahren unter bestimmten Bedingungen sinnvoll7. Juni 2023 Abbildung: © Dr_Microbe/stock.adobe.com Wie lange sollte bei einem Patienten mit fortgeschrittenem Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), der im Rahmen seiner Erstbehandlung eine Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren erhält, die Behandlung fortgesetzt werden? Antworten liefert eine gerade veröffentlichte retrospektive Kohortenstudie. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden kürzlich in „JAMA Oncology“ publiziert und auf der Jahrestagung 2023 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) von Forschenden des Abramson Cancer Center des University of Pennsylvania Health System (USA) präsentiert. Deren Resultate lassen die Schlussfolgerung zu, dass es sinnvoll ist, die Immuntherapie nach zwei Jahren zu beenden, wenn es in dieser Zeit keinen Progress der Krebserkrankung gegeben hat. Die Wissenschaftler fanden nach eigener Aussage keinen statistisch signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben zwischen Patienten, die die Behandlung nach zwei Jahren abbrachen, und solchen, bei denen die Therapie auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wurde. „Wir hoffen, dass diese Daten die Gewissheit geben, dass das Absetzen der Behandlung nach zwei Jahren eine valide Behandlungsstrategie darstellt, die das Gesamtüberleben nicht zu beeinträchtigen scheint“, erklärt Hauptautorin Dr. Lova Sun, Assistenzprofessorin für Hämatologie-Onkologie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania (USA). „In Ermangelung definitiver prospektiver Daten zur Dauer der Therapie – deren Sammlung Jahre dauern wird – bestand unser Ziel darin, reale Beobachtungsdaten zu nutzen, um eine Orientierungshilfe bei dieser bedeutsamen klinischen Frage zu geben.“ Die Frage nach der angemessenen Behandlungsdauer war bislang unbeantwortet geblieben, da Patienten in entscheidenden klinischen Studien unterschiedlich lang behandelt wurden. Zudem wird bei vielen Betroffenen, seit die Therapien zugelassen wurden und allgemein verfügbar geworden sind, die Behandlung über die in klinischen Studien getesteten ein bis zwei Jahre hinaus fortgesetzt. Bei einer längeren Therapie steigen jedoch nicht nur die Kosten, sondern auch das Risiko für immunbedingte Nebenwirkungen. In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler anonymisierte Daten aus einer nationalen elektronischen Datenbank, die Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC umfasste, die sowohl in akademischen als auch in kommunalen Einrichtungen behandelt wurden. Von den 1091 Patienten, die im Rahmen ihrer Ersttherapie (entweder in Monotherapie oder in Kombination mit einer Chemotherapie) einen Immuncheckpoint-Inhibitor erhielten und deren Tumor nicht weiter gewachsen war, beendete nur jeder Fünfte die Immuntherapie nach zwei Jahren, wurde somit in die Gruppe mit „fixer Behandlungsdauer“ in die Analyse aufgenommen. Die überwiegende Mehrheit der Behandelten, die ihre Therapie über zwei Jahre hinaus fortsetzten, wurde als Gruppe mit „unbestimmter Behandlungsdauer“ betrachtet. Das Forscherteam analysierte die Daten und stellte ähnliche Gesamtüberlebenswahrscheinlichkeiten in den beiden Gruppen fest: 79 Prozent bei fixer und 81 Prozent bei unbestimmte Behandlungsdauer. „Diese Studie liefert wichtige Daten, von denen wir hoffen, dass sie den Patienten helfen werden, sich weniger Sorgen über mögliche Risiken eines Therapieabbruchs zu machen und zuversichtlicher zu sein, wenn sie sich entscheiden, die Behandlung nach zwei Jahren abzubrechen“, verdeutlicht Seniorautor Dr. Charu Aggarwal, außerordentlicher Professor für Hämatologie-Onkologie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania.
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