Reizdarmsyndrom nach infektiöser Enteritis11. Juli 2017 © Lifeking – fotolia.com In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit haben Forscher festgestellt, dass mehr als 10 % aller Patienten, die an einer infektiösen Enteritis leiden, später auch ein Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome [IBS]) entwickeln. Das IBS-Risiko sei in den analysierten Studien 4-mal höher als bei Personen ohne eine infektiöse Enteritis, erläutern die Wissenschaftler. Die Autoren der Metaanalyse hatten entsprechende Literaturdatenbanken nach Kohortenstudien durchsucht, die zwischen 1994 und Ende August 2015 publiziert worden waren und sich mit der Prävalenz eines IBS 3 Monate oder länger nach einer infektiösen Enteritis beschäftigten. In die Analyse gingen 45 Studien ein, die insgesamt 21.421 Patienten mit Enteritis umfassten. Diese wurden für einen Zeitraum zwischen 3 Monaten und 10 Jahren hinsichtlich der Entwicklung eines IBS nachbeobachtet. Die gepoolte IBS-Prävalenz lag 12 Monate nach einer Enteritis bei 10,1 % (95 %-Konfidenzintervall [KI] 7,2–14,1) und über 12 Monate hinaus bei 14,5 % (95 %-KI 7,7–25,5). Das Risiko für ein IBS war bei solchen Patienten, die in den vorgangegangenen 12 Monate an einer infektiösen Enteritis erkrankt waren, im Vergleich zu solchen ohne Enteritis um das 4,2-Fache erhöht (95 %-KI 3,1–5,7). Bei Patienten, bei denen eine Enteritis länger als 12 Monate zurücklag, war das IBS-Risiko um das 2,3-Fache erhöht (95 %-KI 1,8–3). Von den Patienten, deren Enteritis durch Protozoen oder Parasiten hervorgerufen worden war, entwickelten 41,9 % ein IBS, nach bakteriell bedingter Enteritis 13,8 %. Dabei war das IBS-Risiko bei Frauen signifikant erhöht (Odds Ratio [OR] 2,2; 95 %-KI 1,6–3,1), ebenso wie bei Patienten, die Antibiotika einnahmen (OR 1,7; 95 %-KI 1,2–2,4), solche mit Angst (OR 2; 95 %-KI 1,3–2,9), Depressionen (OR 1,5; 95 %-KI 1,2–1,9), Somatisierung (OR 4,1; 95 %-KI 2,7–6), Neurotizismus (OR 3,3; 95 %-KI 1,6–6,5) und klinischen Indikatoren für die Schwere der Enteritis. Allerdings räumt die für die Metaanalyse verantwortliche amerikanische Arbeitsgruppe auch ein, dass die herangezogenen Studien recht heterogen waren. (ac)I Autoren: Klem F et al. Korrespondenz: Madhusudan Grover, Division of Gastroenterology and Hepatology, Mayo Clinic, Rochester, MI, USA; [email protected] Studie: Prevalence, Risk Factors, and Outcomes of Irritable Bowel Syndrome After Infectious Enteritis: A Systematic Review and Meta-analysis Quelle: Gastroenterology 2017;152(5):1042–1054. Web: www.gastrojournal.org
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