Report: Neue Migräne-Medikamente oft nicht zielgerichtet eingesetzt25. August 2020 Foto: ©goodluz – stock.adobe.com Immer mehr Migränepatienten bekommen die neuen CGRP-Antikörper zur Vorbeugung von Migräne verordnet. Das ist ein Ergebnis des Kopfschmerzreports der Techniker Krankenkasse (TK). Die Auswertungen machen auch deutlich: Die Medikamente werden nicht nur bei den Patienten angewendet, für die sie gedacht sind. Die Verordnungen sind nach der Zulassung des ersten CGRP-Antikörpers Ende 2018 kontinuierlich stark gestiegen. So bekamen gesetzlich Versicherte im Januar 2019 rund 200.000 Tagesdosen verschrieben, im Oktober 2019 waren es mit etwas mehr als 500.000 Tagesdosen mehr als doppelt so viele. Die Zahlen entsprechen in etwa einer Verordnung von 7500 Spritzen Anfang 2019 und knapp 13.000 im Oktober 2019. Die CGRP-Antikörper kommen bei Frauen deutlich häufiger zum Einsatz als bei Männern: 90 Prozent der Versicherten mit einer Verordnung waren weiblich. Die monatlichen Kosten sind stetig gestiegen und lagen im Oktober 2019 hochgerechnet auf die gesamte gesetzliche Krankenversicherung bei etwa 9,4 Millionen Euro. CGRP-Antikörper gezielter einsetzen Der Gemeinsame Bundesausschuss sah in der frühen Nutzenbewertung der Arzneimittel nur dann einen Zusatznutzen der CGRP-Antikörper, wenn keine der sechs verfügbaren Vortherapien wirkt. “Wir sehen in unseren Daten jedoch, dass diese neuen Medikamente nicht immer zielgerichtet eingesetzt werden und die Patienten deutlich weniger Vortherapien erhalten haben. Hier sehen wir Handlungs- und Aufklärungsbedarf”, sagte Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK. Der Auswertung nach hatten knapp 52 Prozent der Versicherten, die CGRP-Antikörper verordnet bekommen haben, gar keine Vortherapie erhalten, weitere 25 Prozent nur eine. Prof. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie, behandelt täglich Migränepatienten: “Die CGRP-Antikörper sind für Patienten mit monatlich mindestens vier Migränetagen gedacht, die auf bisherige zugelassene Medikamente zur Prophylaxe nicht ansprechen, sie nicht vertragen oder aufgrund anderer Krankheiten nicht einnehmen können. Diese Voraussetzungen müssen vor der Verordnung geklärt sein, da im Durchschnitt die Immuntherapie nicht wirksamer ist als bisherige Therapieverfahren. Nach meiner klinischen Erfahrung und wissenschaftlichen Studien wirken sie unter diesen Voraussetzungen bei etwa einem Drittel dieser Patientengruppe.” Der Experte macht auch klar, dass mit der Anwendung der neuen Präparate die Migräne nicht vollständig verschwindet: “Die Behandlungen helfen, einen Teil der Attacken zu reduzieren. Für Betroffene ist es darüber hinaus essenziell, ihr Verhalten und ihren Lebensstil an die genetisch verankerten Grundlagen der Migräne anzupassen.”
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