Resilienzprogramm für CED-Patienten reduziert Hospitalisierungen27. Oktober 2020 Grafik: © medistock/Adobe Stock Ein personalisiertes Programm zur Erhöhung der Resilienz bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED) kann die Zahl von Krankenhausaufenthalten und Konsultationen in Notaufnahmen erheblich reduzieren, berichteten Forscher vom Mount Sinai Health System anlässlich der wissenschaftlichen Jahrestagung des American College of Gastroenterology (ACG). CED stellen eine erhebliche soziale und wirtschaftliche Belastung für Patienten, deren Arbeitgeber und das gesamte Gesundheitssystem dar. Bei CED-Patienten mit einer Verhaltenskomorbidität wie Depressionen oder Angstzuständen besteht das Risiko, dass sie aufgrund der Kosten für ungeplante Besuche in der Notaufnahme und Krankenhauseinweisungen das Gesundheitssystem drei- bis fünfmal so viel kosten wie andere Patienten. Die Forscher unter der Leitung von Dr. Laurie Keefer, Professorin für Medizin (Gastroenterologie) und Psychiatrie an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital und Entwicklerin der GRITT-Methode (Resilience Through Transitions), erklären, dass das Programm auf der Prinzipien der positiven Psychologie beruhe. Diese wiederum konzentriert sich darauf, wie Menschen unterstütz werden können, um sechs wichtige Ergebnisse zu erzielen: Optimismus, Akzeptanz ihrer Erkrankung, Fähigkeit zur Selbstregulierung, Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung und Resilienz. In einer früheren Studie, die im Juli in „Inflammatory Bowel Disease“ veröffentlicht wurde, berichtete Keefers Team seinen Angaben zufolge erstmals, dass ein geringes Maß an Resilienz mit schlechtereren CED-Outcomes verbunden ist. Genannt wurden dabei eine geringe Lebensqualität, eine stärkere Krankheitsaktivität und höheren Raten für chirurgische Eingriffe bei Patienten mit Morbus Crohn. Die aktuelle Studie umfasste 336 Patienten, die anhand ihres GRITT-Score ausgewählt wurden. Dieser Algorithmus umfasst die Belastbarkeit in verschiedenen Bereichen, darunter Fähigkeiten zum Krankheitsmanagement, soziale Unterstützung, Erfahrung mit körperlichen und psychischen Symptomen und den Ernährungsstatus. Von der Studiengruppe absolvierten 126 Patienten das Programm, die übrigen 210 Patienten dienten als Kontrollen. Die Absolventen des Programms verzeichneten eine Reduzierung der Besuche in der Notaufnahme um 90 Prozent und eine Senkung der Anzahl von Hospitalisierungen um 88 Prozent nach einem Jahr. In der Kontrollgruppe hingegen wurde keine signifikant verringerte Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung beobachtet. Die GRITT-Werte der Patienten, die an dem Programm teilnahmen, stiegen um durchschnittlich 33 Punkte, was eine verbesserte Resilienz zeigt. „Bei GRITT geht es darum, eine in hohem Maße koordinierte Expertenbetreuung anzubieten, die sowohl ganzheitlich als auch personalisiert ist. Eine chronische Erkrankung wie Morbus Crohn kann allumfassend und für den Patienten äußerst belastend sein, wenn er alleine zurechtkommen muss. Die GRITT-Philosophie basiert auf der Idee von Verknüpfung und Koordination, um den Patienten auf jedem Schritt des Weges zu unterstützen“, erläutert Keefer. Der GRITT-Ansatz bietet Patienten mit geringer Resilienz ein personalisiertes „Manuskript“. Implementiert wird es von Sozialarbeitern, Ernährungsberatern, Apothekern und Pflegefachkräften. Patienten gelten als erfolgreiche Absolventen des Programms, wenn sie eine Reihe festgelegter Resilienzziele erreicht haben. „Wir überwachen unsere Patienten ständig, insbesondere im Hinblick auf Lebensveränderungen, die sich auf das Selbstmanagement auswirken können, z. B. der Gang aufs College, eine Schwangerschaft oder ein Jobwechsel. Die Pandemie hat einen beispiellosen Tribut von den Patienten gefordert und zu einem Anstieg von Stress, Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen geführt. Wir waren dankbar, dass GRITT in einer ungewöhnlich schwierigen und unsicheren Zeit als Unterstützungsquelle zur Verfügung stand“, erklärte Keefer im Rahmen des ACG-Kongresses. „Die Studienergebnisse, die wir präsentieren, unterstreichen, was wir jeden Tag in der Klinik des Feinstein IBD Clinical Center sehen: die außergewöhnlichen Auswirkungen eines auf Resilienz ausgerichteten Pflegekoordinierungsprogramms auf das Leben unserer Patienten. Es ist topaktuell, evidenzbasiert und äußerst patientenfreundlich“, berichtete Koautorin Dr. Marla Dubinsky, eine der Leiterinnen des Susan and Leonard Feinstein IBD Clinical Center am Mount Sinai Hospital und Professorin für Pädiatrie (Pädiatrische Gastroenterologie). und Medizin (Gastroenterologie) an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital.
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