Rettungsdienst und Notfallversorgung durch Reformen stärken11. Februar 2025 Bild: Tom-Baur – stock.adobe.com Anlässlich des Europäischen Tages des Notrufes am 11. Februar haben verschiedene Organisationen auf die Bedeutung der Rettung hingewiesen, aber auch Reformen von der Politik angemahnt. Zum Tag des Notrufs 112 hat der ASB-Bundesverband eine umfassende Reform des Rettungsdienstes gefordert, „die die Einsatzkräfte entlastet und die Finanzierung auf eine neue Grundlage stellt“. „Ein zielgerichtetes Patientenleitsystem und die Anerkennung der Qualifikation der Mitarbeitenden können strukturell für spürbare Entlastung sorgen“, sagte Knut Fleckenstein, Bundesvorsitzender des ASB. Der Rettungsdienst in Deutschland, der sowohl die Notfallrettung als auch den qualifizierten Krankentransport umfasst, sei ein essenzieller Bestandteil der medizinischen Versorgung. „Während die Zuständigkeit auf Landesebene durch Rettungsdienstgesetze geregelt ist, bleibt die bundesweite rechtliche Verankerung bislang unzureichend“, moniert der ASB. Rettungsdienstleistungen über das SGB V finanzieren „Hinzu kommt eine dringend notwendige Reform der Finanzierung, z.B. durch die Aufnahme der Rettungsdienstleistungen in das SGB V sowie eine konsequente Strafverfolgung nach Angriffen“, so Fleckenstein weiter und beklagte eine mangelnde politische Wertschätzung der Mitarbeitenden von Rettungsdiensten. Laut ASB ist eine gesetzliche Verankerung des Rettungsdienstes als eigenständige medizinische Leistung im SGB V dringend erforderlich für eine faire Vergütung, die sich an der erbrachten medizinischen Leistung orientiert und nicht an der reinen Beförderung von Patienten. Zwar sei dies im Koalitionsvertrag von 2021 vorgesehen gewesen, wurde jedoch nicht umgesetzt. Rettungsdienst – „Ausgebremst durch veraltete Strukturen und gesetzliche Rahmenbedingungen“ Auch die Björn Steiger Stiftung, deren Gründer Ute und Siegfried Steiger das Land Baden-Württemberg und die Bundesrepublik Deutschland vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart auf die Einführung der Notrufnummer 110/112 eingeklagt hatten und in deren Folge die Nummern 1973 in Deutschland eingeführt wurden, forderte eine Verbesserung der Notfallversorgung in Deutschland, da das mehrschichtige Notfallversorgungssystem (ambulanter Bereitschaftsdienst, stationäre Notaufnahmen, Rettungsdienst), unzureichend vernetzt und koordiniert sei. „Obwohl Deutschland über hochqualifizierte Rettungskräfte und modernste Rettungsmittel verfügt, wird unsere Rettungseffizienz durch veraltete Strukturen und gesetzliche Rahmenbedingungen ausgebremst. Täglich sterben Menschen systembedingt, ohne dass ihre Angehörigen es erfahren“, erklärt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. Der Stiftung zufolge wird eine allgemein bekannte, funktionierende und akzeptierte 24/7-Anlaufstelle für Hilfesuchende benötigt. „Es bedarf daher einer effektiven Patientensteuerung in den Leitstellen. Nicht in jedem Fall ist ein Rettungswagen nötig. Eine digitale Vernetzung aller Ruf- und Notrufnummern könnte den Rettungsdienst erheblich entlasten“, so Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung. Zudem seien neue Konzepte für die Versorgung chronisch Kranker, Pflegebedürftiger und älterer Menschen dringend erforderlich. Eine fallabschließende Behandlung vor Ort durch Acute Community Nurses oder Gemeindenotfallhelfer könnte wiederholte Einweisungen deutlich reduzieren. Notfallkongress zeigt, wie interdisziplinäre Ansätze Leben retten Auch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) erinnerte an die Bedeutung der Notfallmedizin für die Rettung von Menschenleben und warnte vor den wachsenden Herausforderungen – „sei es durch Fachkräftemangel, die steigende Zahl von Rettungseinsätzen und die zunehmende Belastung der Notaufnahmen“. Laut DGAI ist eine effektive, interprofessionelle und interdisziplinäre Notfallversorgung von zentraler Bedeutung. Die Thematik werden daher in den Mittelpunkt des Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongresses (DINK) gestellt, der vom 20. bis 21. März 2025 in Koblenz stattfindet. „Der Notruf 112 stellt die erste und entscheidende Verbindung zwischen einem Notfall und der lebensrettenden Hilfe dar. An dieser Schnittstelle setzt der DINK an, um durch interdisziplinäre Ansätze und Innovationen die Notfallversorgung zu optimieren“, erklärte Prof. Jörg Christian Brokmann, Mitglied des DINK-Organisationskomitees und zweiter Sprecher der Sektion Notfallmedizin in der DGAI. Der Kongress bietet eine Plattform, auf der Expertinnen und Experten aktuelle Herausforderungen analysieren, sich über Lösungen austauschen und innovative Konzepte für eine zukunftsorientierte, patientenzentrierte Notfallmedizin entwickeln. (hr)
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