Rheumatoide Arthritis: „Hit hard and early“ – Therapieren, bevor es zu spät ist10. September 2020 Martin Arbogast auf der virtuellen Pressekonferenz zum DGRh-Kongress (Foto: HR, Biermann Medizin) Bei der Rheumatoiden Arthritis (RA), hat sich die Prognose – sofern die Behandlung rechtzeitig erfolgt und die sich öffnenden therapeutischen Fenster genutzt werden – durch die immer mehr Wirkstoffe umfassende Biologikatherapie und neue OP-Methoden deutlich verbessert. Darauf wies Dr. Martin Arbogast, diesjähriger Kongresspräsident seitens der DGORh, anlässlich des virtuellen Deutschen Rheumakongresses hin. „Bei der Rheumatoide Arthritis sollte möglichst früh mit einer medikamentösen, bei Bedarf sogar mit einer operativen Behandlung begonnen werden“, betonte Arbogast, Leiter des Zentrums für Rheumatologie, Orthopädie und Schmerztherapie sowie Chefarzt der Abteilung für Rheumaorthopädie und Handchirurgie an der Waldburg-Zeil Klinik Oberammergau auf der virtuellen Pressekonfernz. Denn durch die Entzündung würden Gelenkstrukturen geschädigt, die irreversibel verlorengehen. Je früher interveniert werde, desto effektiver können bleibende Schäden verhindert werden. „Hit hard and early“ ist der Wahlspruch im Zeitalter der „Biologika“. Unter dem Einfluss der Biologika haben sich auch die Verlaufsformen entzündlichrheumatischer Erkrankungen verändert. Entzündlich geschwollener Reihenbefall der Gelenke an der Hand, verbunden mit Schmerz und dauerhafter Steifigkeit und Kraftlosigkeit, gehören der Vergangenheit an und sind abgelöst worden durch sogenannte nicht beeinflussbare „Spots“, die medikamentös nicht so gut ansprechen. Diese sogenannten „Non-Responder“ sollten früh erkannt und einer radikalen operativen Therapie zugeführt werden, wenn ein medikamentöses Ansprechen inkomplett ist. ” ‘Hit hard and early’ kann sozusagen als Leitspruch in Zeiten der Biologika gelten”, erklärte Arbogast. Möglich sei dies jedoch nur dann, wenn die Erkrankung auch rechtzeitig erkannt werde. „Die Möglichkeiten, eine Rheumatoide Arthritis bereits in einem frühen Stadium sicher zu diagnostizieren, haben sich seit der Jahrtausendwende deutlich verbessert“, so Arbogast weiter. Als wesentlicher diagnostischer Marker gelten heute Antikörper gegen citrullinierte Peptide (ACPA), die bereits sehr früh im Blut von Betroffenen nachweisbar seien und sehr spezifisch eine RA anzeigten. Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT arbeiteten heute mit Auflösungen, die bereits geringfügige Gelenkveränderungen erkennbar machen, erklärte der Experte. Die Behandlung wiederum sei durch die Einführung der Biologika revolutioniert worden. “Entzündlich geschwollener Reihenbefall der Gelenke an der Hand, verbunden mit Schmerz und dauerhafter Steifigkeit und Kraftlosigkeit, gehören der Vergangenheit an und sind abgelöst worden durch nicht beeinflussbare ‘Spots’ bzw. einzelne Gelenke, die medikamentös aus noch ungeklärter Ursache nicht so gut ansprechen”, erklärte Arbogast. Diese „Non-Responder“ sollten laut Arbogast früh erkannt und einer radikalen operativen Therapie zugeführt werden, wenn ein medikamentöses Ansprechen nach sechs bis acht Wochen inkomplett ist. “Die gelenkerhaltende Synovialektomie ist auch nur in den frühen Stadien gelenkerhaltend, bevor die entzündlichen Veränderungsprozesse in einem Gelenk die Binnenstrukturen in eine Helix der Degeneration gebracht haben”, erklärte Arbogast weiter. Dieses „window of opportunity“ gebe es nicht nur für die medikamentöse Strategie, sondern auch für gelenkerhaltende Operationen sei dieses Zeitfenster entscheidend. “Außerdem ist die Entfernung der entzündlichen Endstrukturen in einem Gelenk oder einer Sehne mit einer Neuformierung einer zunächst normalen gesunden Innenauskleidung verbunden, somit mit einer wieder verbesserten medikamentösen Zugänglichkeit”, ergänzte der Experte. Das sei wie ein „Reset-Tastenphänomen“ zu verstehen und eröffne neue Möglichkeiten in Dosierung und Zusammensetzung der medikamentösen Therapie im Anschluss an eine OP. Auch wenn der Gelenkerhalt zunächst oberste Priorität hat und heute in vielen Fällen möglich ist – wenn ein Gelenk zu stark beeinträchtigt ist, müsse es durch eine Prothese ersetzt werden, führte Arbogast weiter aus. „Wichtigste Richtschnur bei der Entscheidung für eine prothetische Versorgung muss es sein, die Beweglichkeit des Patienten, seine Selbstständigkeit und damit seine Lebensqualität zu erhalten“, betonte er. Auch beim Gelenkersatz sei die Zeit nicht stehen geblieben, sondern arbeite für die Patienten. So sei die Beweglichkeit der künstlichen Gelenke heute deutlich besser, auch die Standzeiten der Prothesen seien länger und müssten daher seltener ersetzt werden. Nicht zuletzt bleibe heute auch deutlich mehr Knochensubstanz erhalten, sodass Implantatwechsel auch in höherem Alter noch besser möglich seien, erklärte der Orthopädische Rheumatologe. Die Lebensplanung von Rheumapatienten werde damit immer weniger von ihrer Krankheit bestimmt. (hr)
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