Rhythmuserhaltende Therapie bei akutem Schlaganfall in der klinischen Prüfung21. November 2024 Die kardiale Ablation ist eine Form der rhythmuserhaltenden Therapie bei Vorhofflimmern. (Foto: © Damian – stock.adobe.com) Patienten mit einem akuten Schlaganfall und gleichzeitig bestehendem Vorhofflimmern haben ein besonders hohes Risiko für einen erneuten Schlaganfall und andere schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse. Eine europaweite klinische Studie prüft nun, ob eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung Schlaganfälle effektiv und sicher verhindern kann. In der internationalen Studie EAST-STROKE („Early treatment of Atrial fibrillation for Stroke prevention Trial in acute STROKE”) erhalten Patienten mit einem akuten ischämischen Schlaganfall und Vorhofflimmern zusätzlich zur üblichen Schlaganfall- und Vorhofflimmerbehandlung frühzeitig eine rhythmuserhaltende Therapie. Dabei handelt es sich um eine Behandlung mit Antiarrhytmika, einer Kardioversion und in Einzelfällen einer Vorhofflimmerablation. Mit diesen Maßnahmen kann der unregelmäßige Herzschlag der Betroffenen normalisiert werden. Vorbefunde legen nahe, dass dies Schlaganfälle und weitere kardiovaskuläre Ereignisse verhindern kann. Die bereits in der Vorhofflimmertherapie etablierte Behandlung wird bislang aufgrund möglicher Risiken und Nebenwirkungen bei akuten Schlaganfallpatienten allerdings selten eingesetzt. „Wenn die Studie die Ergebnisse unserer umfassenden Voruntersuchungen bestätigt, kann sie die klinische Praxis der Behandlung von Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern weltweit verändern und helfen, Tausende erneute Schlaganfälle zu verhindern“, erklärt Projektkoordinator Prof. Götz Thomalla, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Keine erhöhte Komplikationsrate nach zurückliegendem Schlaganfall Die Studie basiert vor allem auf Vorarbeiten von UKE-Wissenschaftlern. In der EAST-AFNET-4-Studie unter Leitung von Prof. Paulus Kirchhof, Klinik und Poliklinik für Kardiologie des UKE, konnte vor vier Jahren der Nutzen der frühen rhythmuserhaltenden Therapie bei Patienten mit Vorhofflimmern belegt werden. Dr. Märit Jensen, Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKE, hat drei Jahre später zeigen können, dass diese Behandlung auch in der Subgruppe von Vorhofflimmerpatienten mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte einen besonders hohen Nutzen hat und sicher ist. In der jetzt anlaufenden Studie soll nun die rhythmuserhaltende Therapie bereits kurz nach dem akuten Schlaganfall begonnen werden. „Die Studie ist ein hervorragendes Beispiel für die Kooperation von Kardiologie und Neurologie bei der innovativen Behandlung von Patienten mit Schlaganfall“, erklärt Kirchhof, Co-Koordinator der Studie. EAST-STROKE wird im Rahmen von „Horizon Europe“ von der EU in den kommenden fünf Jahren mit sieben Millionen Euro gefördert und zunächst in 42 Kliniken in Deutschland, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden gestartet; die Teilnahme weiterer Länder ist im Verlauf geplant. Insgesamt sollen 1746 Patienten in die Studie eingeschlossen werden, der Studienstart ist für Anfang 2025 vorgesehen. „Der Plan für EAST-STROKE ist bereits auf große Resonanz gestoßen. Aktuell werden in einer internationalen Kooperation Partnerstudien unter anderem in Australien, Brasilien und den USA vorbereitet“, berichtet Studienkoordinatorin Jensen.
Mehr erfahren zu: "Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen" Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen Nach einer Infektion kann das Ebola-Virus monate- bis jahrelang unbemerkt im menschlichen Körper überleben, unter anderem im Zentralen Nervensystem. Mithilfe von Hirnorganoiden haben Forschende nun wertvolle Einblicke in die Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen" Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson gezeigt, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, patientenrelevante Therapieerfolge wie verbesserte Alltagsfunktionen besser vorherzusagen.
Mehr erfahren zu: "Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie" Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.