Risiken für sexuell übertragbare Infektionen senken – sexuelle Fragen und Probleme in frauenärztlichen Praxen ansprechen14. Juli 2022 Foto: ©Axel Bueckert – stock.adobe.com Wissenslücken zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gefährden die Gesundheit von Menschen in Deutschland, wie die aktuellen Ergebnisse der Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ (GeSiD) zeigen. Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) sieht die gynäkologische Sprechstunde als einen wichtigen Ort der Informationsvermittlung zum Thema. Ein verantwortungsvoller Umgang mit sexueller Aktivität senkt Infektionsrisiken, ebenso wie regelmäßige Testungen im Fall von Geschlechtsverkehr mit wechselnden Sexualpartnern. In Deutschland existieren zahlreiche ineinandergreifende Beratungs-, Test- und Therapieangebote. Bei niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten werden STI-Testung und Behandlung im Bedarfsfall durch die Krankenkasse erstattet. Gesetzlich krankenversicherte Frauen unter 25 Jahren haben zudem Anspruch auf einen jährlichen Test auf Chlamydien als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sexuell übertragbare Infektionen können zu schwerwiegenden Beeinträchtigung der sexuellen Gesundheit führen „Aus medizinischer Sicht ist es empfohlen, Tests auf STI mit einer ärztlichen Beratung zu verbinden, damit persönliche Risiken – auch für die Zukunft – genauer eingeschätzt werden können. Außerdem kann eine notwendige und zielführende Behandlung rasch eingeleitet werden“, betont Dr. Klaus Doubek, Präsident des BVF. Heimtests, die nicht in ein Labor gesendet werden, sind unzuverlässig und können zu falschen Ergebnissen führen. Bei Verdacht oder Problemen bieten sich Frauenärzte und Frauenärztinnen als erste Ansprechpartner für Frauen und ggf. für ihre Partner an. „Weil es für viele Menschen mit Schwierigkeiten verbunden ist, über sexuelle Fragestellungen auch mit Ärzten und Ärztinnen zu reden, können wir hier nur dazu ermutigen, Beschwerden zeitnah anzusprechen.“ ein Arztbesuch sollte hier so selbstverständlich wie bei anderen Beschwerden sein, sagt Doubek. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung nehme Beunruhigung und gebe Sicherheit, auch für die Sexualpartner und -partnerinnen. Reinfektionen sind ein großes Problem bei STI, daher sollten Sexualpartner immer gleichzeitig behandelt werden. Für Frauen unter 25 Jahren wird ein jährlicher Test auf Chlamydien angeboten Chlamydien zählen zu den häufigsten sexuell übertragenen bakteriellen Geschlechtserkrankung. Untersuchungen in Deutschland zeigen insbesondere unter den sexuell aktiven jugendlichen Frauen hohe Infektionsraten mit Chlamydien von bis zu 13 Prozent. „Chlamydien-Erkrankungen verursachen Entzündungen, sie können mit Ausfluss und Schmerzen bemerkt werden, häufig verlaufen sie bei Frauen aber symptomfrei. Infektionen bei Männern machen sich häufig als Harnröhrenentzündung mit Druckgefühl, Schmerzen und Brennen bemerkbar“, berichtet Doubek. „Eine akute Infektion ist gut und sicher mit Antibiotika zu therapieren, Folgeerkrankungen können großenteils verhindert werden. Idealerweise sollten im Fall einer diagnostizierten Infektion die Sexualpartner der letzten 60 Tage unbedingt mitbehandelt werden, um sogenannte ‚Ping-Pong-Effekte‘ gegenseitiger Ansteckung zu vermeiden.“ Die Kosten für einen Früherkennungstest bei beschwerdefreien Frauen werden einmal jährlich bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bleiben Infektionen bei Frauen unbehandelt, besteht die Gefahr schwerer Folgeerkrankungen wie Sterilität, chronischen Unterbauchschmerzen, Schwangerschaftskomplikationen und Unfruchtbarkeit. Gynäkologische Sprechstunde bietet viel Raum für Fragestellungen und sexualmedizinische Begleitung Erfüllte Sexualität trägt wesentlich zum Wohlbefinden, zur allgemeinen Gesundheit und zur Lebensqualität bei. Voraussetzung dafür ist ein positiver, selbstbestimmter und verantwortungsvoller Umgang mit der sexuellen Gesundheit, zu dem Frauenärzte und Frauenärztinnen beitragen können. „Mit speziell auf Jugendliche ausgerichteten Beratungsangeboten wie beispielsweise der Mädchensprechstunde kann durch einfühlsame und kompetente Beratung der Grundstein für Prävention in diesem Themenfeld gelegt werden. Wichtig ist aufzuzeigen, dass es durch ärztliche Betreuung immer einen Weg gibt, gynäkologische Probleme anzugehen, sei es bei Erkrankungssymptomen im Genitalbereich, bei Menstruationsbeschwerden, bei Verhütungspannen, oder auch dem Verdacht auf eine Schwangerschaft“, ergänzt der niedergelassene Frauenarzt. „Eltern raten wir, sexuellen Fragestellungen bei ihren Kindern möglichst offen sowie unaufgeregt zu begegnen und sie dabei zu unterstützen, Berührungsängste abzubauen und sich durch fachärztliche Kompetenz in all ihren Fragen begleiten zu lassen.“ Der sexualmedizinische Kenntnisstand entwickelt sich immer weiter. Vor diesem Hintergrund werden etwa auch besondere Erfordernisse bei der Ansprache von Menschen mit Migrationshintergrund stärker berücksichtigt. Sexualmedizin ist eine Zusatz-Weiterbildung von Gynäkologinnen und Gynäkologen, die unter anderem die Erkennung, Behandlung und Prävention von Störungen der sexuellen Gesundheit mit all ihren vielseitigen Aspekten umfasst.
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