Risikofaktoren für SARS-CoV-2-Infektion nach Impfung

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Über Durchbruchinfektionen nach COVID-19-Impfungen berichtete jüngst eine britische Arbeitsgruppe in „The Lancet Infectious Diseases“. Darin ermittelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Risikofaktoren für eine SARS-CoV-2-Infektion nach der Impfung und beschrieben, wie eine COVID-19-Erkrankung nach einer Impfung verläuft.

Die Forschenden griffen für ihre prospektive, bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie auf Daten aus der Smartphone-App COVID Symptom Study zurück. Über diese Anwendung machen Nutzer demografische Angaben zur eigenen Person und teilen ihre geografische Position, ihre gesundheitlichen Risikofaktoren und COVID-19-Testergebnissen sowie -Symptome und Impfungen mit. Alle Nutzer leben in Großbritannien und sind ≥18 Jahre alt.

In die Risikofaktoranalyse wurden schließlich an COVID-19 Erkrankte eingeschlossen, die im Zeitraum 08.12.2020–04.07.2021 erstmals oder zum 2. Mal eine COVID-19-Impfung erhalten, entweder einen positiven COVID-19-Test mindestens 14 Tage nach ihrer 1. Impfung (aber vor ihrer 2. Impfung; Fälle 1) oder einen positiven Test ≥7 Tage nach ihrer 2. Impfung (Fälle 2) sowie keinen positiven COVID-19-Test vor der Impfung hatten.

Die Forschenden nahmen auch 2 Kontrollgruppen in ihre Studie auf, die vor der Impfung ebenfalls nicht positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren: Nutzer der App, die ≥14 Tage nach ihrer 1. Impfung, aber vor ihrer 2. einen negativen COVID-19-Test angaben (Kontrollen 1) und solche, bei denen ein COVID-19-Test ≥7 Tage nach ihrer 2. Impfung negativ ausgefallen war (Kontrollen 2).

Personen aus den Gruppen Kontrollen 1 und Kontrollen 2 wurden im Verhältnis 1:1 mit den Gruppen Fällen 1 bzw. Fällen 2 gematcht. Dies geschah nach dem Datum des Tests nach der Impfung sowie danach, ob die Personen im Gesundheitswesen arbeiteten oder nicht und nach dem Geschlecht.

In einer Krankheitsprofilanalyse wurden Teilnehmende aus den Gruppen Fälle 1 und Fälle 2 weiter selektiert nach Personen, die die App für ≥14 aufeinanderfolgende Tage nach positivem COVID-19-Test verwendet hatten (Fälle 3 bzw. Fälle 4). Bei den Gruppen Kontrollen 3 und Kontrollen 4 handelte es sich um ungeimpfte Personen, die nach eigenen Angaben einen positiven COVID-19-Test hatten, die die App an ≥14 aufeinanderfolgenden Tagen nach dem Test verwendeten hatten. Diese wurden gematcht mit Personen aus den Gruppen Fälle 3 bzw. Fälle 4, je nach Datum des positiven Tests, Tätigkeit im Gesundheitswesen, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) und Alter.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verwendeten univariate logistische Regressionsmodelle (bereinigt um Alter, BMI und Geschlecht), um die Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Durchbruchinfektionen sowie die Zusammenhänge zwischen individuellen Symptomen, Gesamtdauer und Schweregrad der COVID-19-Erkrankung mit dem Impfstatus zu analysieren.

Im genannten Untersuchungszeitraum vermeldeten 1.240.009 Nutzer der App den Erhalt einer 1. Impfdosis. Von diesen wurden anschließend 6030 (0,5%) positiv auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet (Fälle 1). Insgesamt 971.504 Personen gaben an, eine 2. Impfdosis erhalten zu haben. Von diesen wurden in der Folge 2370 (0,2%) positiv auf COVID-19 getestet (Fälle 2).

In der Risikofaktoranalyse war bei älteren Erwachsenen (≥60 Jahre) Gebrechlichkeit mit einer SARS-CoV-2-Infektion nach der 1. Impfdosis assoziiert (OR 1,93; 95%-KI 1,50–2,48; p<0,0001). Auch hatten Personen, die in Gegenden mit hoher Armutsrate lebten, nach ihrer 1. Impfung ein erhöhtes Risiko für eine Durchbruchinfektion (OR 1,11; 95%-KI 1,01–1,23; p=0,039). Nichtadipöse Personen (BMI <30 kg/m2) besaßen ein geringeres Risiko für eine Infektion nach der 1. Impfdosis (OR 0,84; 95%-KI 0,75–0,94; p=0,0030).

Für die Analyse des Krankheitsprofils wurden 3825 Nutzer der App aus der Gruppe Fälle 1 in die Gruppe Fälle 3 sowie 906 Nutzer aus der Gruppe Fälle 2 in die Gruppe Fälle 4 eingeschlossen. Eine Impfung war im Vergleich zu keiner Impfung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine Hospitalisierung oder >5 Symptome in der 1. Krankheitswoche nach 1. oder 2. Impfung assoziiert und stand mit langanhaltenden (≥28 Tage) Symptomen nach der 2. Impfung in Zusammenhang.

Fast alle Symptome wurden von geimpften Personen mit Durchbruchinfektion seltener angegeben als von infizierten Ungeimpften. Zudem berichten die Autorinnen und Autoren, dass geimpfte Nutzer der App im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion mit höherer Wahrscheinlichkeit völlig asymptomatisch blieben, insbesondere wenn sie 60 Jahre oder älter waren.

Fazit
Um die SARS-CoV-2-Infektion zu minimieren, müssen Risikogruppen gezielt adressiert werden, um die Wirksamkeit von Impfstoffen und Maßnahmen zur Infektionskontrolle zu verbessern. Die Arbeitsgruppe hält fest, dass ihre Ergebnisse für eine gewisse Vorsicht bei der Lockerung von Kontaktbeschränkungen und anderen persönlichen Schutzmaßnahmen in der Zeit nach einer COVID-19-Impfung sprechen, insbesondere, wenn es um gebrechliche Senioren und Personen aus Gegenden mit hoher Armutsrate geht – und selbst, wenn diese Personen geimpft sind. (ac)

Autoren: Antonelli M et al.
Korrespondenz: Claire J. Steves; [email protected]
Studie: Risk factors and disease profile of post-vaccination SARS-CoV-2 infection in UK users of the COVID Symptom Study app: a prospective, community-based, nested, case-control study
Quelle: Lancet Infect Dis 2022;22(1):43–55.
Web: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(21)00460-6