Risikofaktoren für Malignität bei Endometriumpolypen

Endometriumpolypen (Bild: © Peakstock/stock.adobe.com)

Endometriumpolypen sind meist harmlos, doch bei älteren Frauen steigt das Risiko für Krebs. Entscheidend für die Beurteilung ist das Alter und der Zustand des umliegenden Endometriums – Größe und Wiederauftreten der Polypen spielen dagegen kaum eine Rolle.

Endometriumpolypen gehören zu den häufigsten Diagnosen bei der Abklärung von Frauen mit abnormalen uterinen Blutungen. Die Kenntnis des damit verbundenen Malignitätsrisikos und der entsprechenden Risikofaktoren ist entscheidend für die pathologische Beurteilung und das klinische Management. Ziel der Studie, die kürzlich im „Journal of Clinical and Translational Pathology“ veröffentlicht wurde, war es daher, Risikofaktoren für Malignität bei Endometriumpolypen zu untersuchen.

Hierzu wurde eine Pathologiedatenbank nach Frauen durchsucht, bei denen zwischen 2021 und 2022 ein Endometriumpolyp diagnostiziert worden war. Erfasst wurden das Alter der Patientinnen, die Größe des Polypen, die Beschaffenheit des umgebenden Endometriums sowie Rezidive und gegebenenfalls die Art der Krebserkrankung. In ausgewählten Fällen wurde zusätzlich eine immunhistochemische Untersuchung auf p53 und p16 durchgeführt. Die Analyse der Risikofaktoren erfolgte mithilfe von Chi-Quadrat-Tests und Varianzanalysen.

Maligne Veränderungen selten, seröses Karzinom häufigste Tumorform

Von den insgesamt 740 analysierten Endometriumpolypen waren 94 Prozent gutartig, 2 Prozent prämaligne und 4 Prozent malign. Das mediane Alter der Patientinnen betrug 54 Jahre und reichte von 19 bis 92 Jahren. Das minimal seröse Karzinom war mit 2 Prozent die häufigste maligne Tumorform.

Bei 52 Fällen wurde eine p53-Immunhistochemie durchgeführt. Davon wurden 38 Fälle anhand eines Wildtyp-p53-Musters als gutartig eingestuft, während 14 Fälle aufgrund eines mutierten p53-Musters als seröse Karzinome diagnostiziert wurden.

Maligne Polypen waren signifikant mit einem höheren Alter sowie mit malignen Veränderungen im umgebenden Endometrium assoziiert (p < 0,001). Dagegen konnten weder die Größe der Polypen noch deren Wiederauftreten als signifikante Risikofaktoren für Malignität identifiziert werden.

Bedeutung für Diagnostik und klinisches Management

Die Ergebnisse zeigen, dass Endometriumpolypen insgesamt ein geringes Malignitätsrisiko aufweisen, dieses Risiko jedoch bei älteren Patientinnen deutlich erhöht ist. Entgegen möglichen Erwartungen erwiesen sich weder die Größe der Polypen noch deren Rezidiv als zuverlässige Prädiktoren für ein erhöhtes Krebsrisiko.

Die Studienautoren betonen daher die Bedeutung einer routinemäßigen Untersuchung des umgebenden Endometriums im Rahmen einer Polypektomie, insbesondere bei postmenopausalen Patientinnen, um verborgene prämaligne Veränderungen zu erkennen. Bei Patientinnen über 65 Jahren, bei denen ein erhöhtes Risiko für Malignität besteht, empfehlen sie zusätzlich eine p53-Immunhistochemie und gegebenenfalls weitere endometriale Probenentnahmen, um ein seröses Karzinom frühzeitig zu diagnostizieren.

Eine sorgfältige Untersuchung des umgebenden Endometriums kann somit die diagnostische Aussagekraft verbessern und zu einer optimierten klinischen Betreuung der betroffenen Patientinnen beitragen.

(lj/BIERMANN)