RNU2-2-Mutationen verursachen schwere Entwicklungsstörungen6. April 2026 Ein internationales Forschungsteam hat eine bisher unterschätzte Ursache für schwere neurologische Erkrankungen identifiziert: Mutationen im Gen RNU2-2. Die Studie zeigt, dass Veränderungen in diesem Gen zu schweren Entwicklungsverzögerungen, geistiger Behinderung und früh einsetzenden, oft therapieresistenten Epilepsien führen können. „RNU2-2 ist nicht nur ein „Pseudo-Gen“, wie lange angenommen wurde, sondern ein funktionell wichtiger Baustein der Zelle“, so Prof. Christel Depienne, Professorin für Molekulargenetik neurogenetischer Entwicklungsstörungen im Institut für Humangenetik an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. RNU2-2 kodiert für eine kleine, aber lebenswichtige RNA, die Teil des Spliceosoms ist. Bevor Proteine gebildet werden können, müssen unerwünschte Abschnitte aus der RNA entfernt werden. RNU2-2 spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ist dieses Gen mutiert, geht die RNA-Verarbeitung schief und wirkt sich negativ auf die Entwicklung des Gehirns aus. Die betroffenen Kinder zeigen ähnliche Symptome, vor allem starke Entwicklungsverzögerungen, autistische Verhaltensweisen und Epilepsien, die oft schon vor dem dritten Lebensjahr auftreten und auf Medikamente schlecht ansprechen.Die Forschenden analysierten Daten von über 34.000 Menschen mit seltenen Erkrankungen und fanden bei 141 Betroffenen RNU2-2-Veränderungen. Dabei zeigte sich: Die rezessive Form, bei der zwei veränderte Kopien des Gens nötig sind, ist sogar doppelt so häufig wie die dominante. Häufig tritt eine neu entstandene Mutation zusammen mit einer vererbten Kopie auf. Diese Kombination reicht aus, um eine schwere Erkrankung auszulösen.RNU2-2 reiht sich damit in eine wachsende Liste von Spliceosom-snRNA-Genen ein, bei denen menschliche Variationen primäre neurologische Entwicklungsstörungen verursachen, ähnlich wie beim RNU4-2/ReNU-Syndrom und RNU5B-1. „Die Erkenntnis, dass auch nicht-kodierende Gene wie RNU2-2 so gravierende Auswirkungen haben können, verändert unser Verständnis genetischer Erkrankungen“, erklärt Prof. Christel Depienne, Wissenschaftlerin am Institut für Humangenetik der Universitätsmedizin Essen.
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