Roboterassistierte radikale Prostatektomie bei ausgewählten älteren Patienten nicht mit höherem Inkontinenzrisiko verbunden

Roboterassistierte Prostatektomie. Foto: RFBSIP – stock.adobe.com

Die roboterassistierte radikale Prostatektomie (RARP) erhöht bei sorgfältig ausgewählten älteren Patienten nicht das Risiko einer Harninkontinenz und sollte in einer alternden Bevölkerung mit höherer Lebenserwartung nicht außer Acht gelassen werden.

Von Markus Schmitz

Zu diesem Schluss kommen australische Urologen in einer retrospektiven Auswertung einer prospektiven multizentrischen Datenbank. Sie publizierten ihre Ergebnisse im Fachjournal “The Prostate”.

Wie Victor Yu vom Royal Prince Alfred Hospital in Camperdown (Australien) und Kollegen konstatieren, wird Patienten ab 75 Jahren mit Prostatakarzinom (PCa) selten eine kurative Operation angeboten, da dabei funktionelle Ergebnisse gegen den Überlebensvorteil abgewogen werden müssen. Die zunehmende Anwendung der RARP und die gestiegene Lebenserwartung stellen ihrer Meinung nach dieses Paradigma infrage. Daher setzten sie sich zum Ziel, die funktionellen, chirurgischen und onkologischen Ergebnisse älterer und jüngerer Patienten nach RARP zu vergleichen.

Die ausgewertete Datenbank umfasste alle RARP-Patienten zwischen Oktober 2016 und Dezember 2023. Die Patienten wurden altersabhängig in 2 Kohorten eingeteilt: ältere Patienten (≥75 Jahre) und jüngere Patienten (<75 Jahre). Zu den Variablen zählten Basisdaten wie der Body-Mass-Index (BMI), die Klassifikation nach American Society of Anaesthesiologists (ASA), der PSA-Wert und der Gleason-Score. Berücksichtigt wurden zudem operative Parameter (Technik, Komplikationen und Aufenthaltsdauer). Darüber hinaus erhoben die Wissenschaftler pathologische Daten wie Histopathologie und Resektionsränder und PSA. Zu den funktionellen Ergebnisse zählten Inkontinenz, der Internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS), der Internationale Index der erektilen Funktion (IIEF-5) und der Expanded Prostate Index Composite (EPIC).

Keine signifikanten Unterschiede bei der Kontinenz

Insgesamt nahmen Yu und Kollegen die Daten von 397 Patienten in ihre Analyse auf (<75 Jahre: n = 332; ≥75 Jahre: n = 65). Es zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Kontinenz nach einem Jahr bei den Patienten ab 75 Jahren, gemessen anhand der Anzahl benötigter Einlagen in 24 h (<75 Jahre: 0,73 [0,59–0,87]; ≥75 Jahre: 0,66 [0,37–0,95]; p = 0,8). Dies ist umso bemerkenswerter, als bei den Älteren signifikant seltener Nerven und Blasenhals erhalten blieben (<75 Jahre: 37,3 %; ≥75 Jahre: 21,5 %). Die IIEF-5-Werte waren in der Gruppe der Patienten ab 75 Jahren schlechter (1,60 ± 1,17 vs. 5,73 ± 6,93; p < 0,001), jedoch zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im IPSS. Patienten der älteren Kohorte wiesen eine schwerere Erkrankung (T3) auf (≥75: 67,7 %  vs. <75: 47,3 %; p <0,05). Die Raten positiver Resektionsränder (28,3 % vs. 30,8 % [≥75]) und PSA-Rezidiv (25 % vs. 23 % [≥75]) waren vergleichbar. Die Komplikationsraten waren in beiden Gruppen niedrig und unterschieden sich nicht signifikant (3 % vs. 6,6 % [≥75]). In der Gruppe der Patienten ab 75 Jahre waren die Komplikationen weniger schwerwiegend.

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