Ein neuer Ansatz zur Risikobewertung bei Prostatakrebs27. April 2026 Nicola Mabjeesh leitet die urologische Klinik am Clalit-Soroka Medical Center in Be’er-Sheva (Israel). Foto: Or Erez / Clalit Health Services Eine neue Studie des Clalit-Soroka Medical Center in Be’er-Sheva (Israel) präsentiert eine einfache Methode, um Männer mit Prostatakrebs und einem höheren Risiko für einen aggressiven Verlauf zu identifizieren. Die Mediziner nutzen dazu die Anzahl der Läsionen und die Länge der größten Läsion in der Biopsie. Prof. Nicola Mabjeesh, Studienleiter und Leiter der Urologischen Abteilung am Clalit-Soroka Medical Center, erklärt den Hintergrund der Studie, die in JU Open Plus, einem Journal der American Urological Association, veröffentlicht wurde: „Manche Patienten scheinen aufgrund von PSA-Werten, Tumorgrad oder MRT-Befunden ein geringes Risiko zu haben, weisen aber in Wirklichkeit einen fortgeschritteneren Krebsbefall auf.“ Patienten, die scheinbar für eine aktive Überwachung geeignet sind, könnten folglich unter höherem Risiko stehen. Die Studie umfasste 131 Männer mit Prostatakrebs, die sich zwischen 2020 und 2024 einer radikalen Prostatektomie unterzogen. Die Forscher untersuchten, ob die Risikobewertung über die derzeitigen Standards wie PSA-Wert, Biopsiebefund und MRT-Score hinaus verbessert werden kann. Sie konzentrierten sich auf zwei relativ einfache Indikatoren: die Anzahl der Prostataareale, in denen Krebs nachgewiesen wurde, und die Länge der größten Krebsläsion in den Fusionsbiopsieproben. „Prostatakrebs wird heutzutage meist nach einem Anstieg des PSA-Wertes diagnostiziert. In solchen Fällen wird eine MRT durchgeführt, gefolgt von einer gezielten Fusionsbiopsie, falls erforderlich. Da wir die Patienten von der Diagnose bis zur Operation begleiten, konnten wir den Zusammenhang zwischen den Biopsiebefunden und dem Operationsbefund präzise untersuchen“, erklärt Mabjeesh. Höheres Risiko als zunächst gedacht Tatsächlich stellten die Urologen bei rund 41,2 Prozent der Patienten nach der Operation einen ungünstigen pathologischen Befund fest. Darunter fielen Resektionspräparate, in denen sich der Krebs über die Prostata hinaus ausgebreitet oder die Samenbläschen erreicht hatte, aber auch solche, die positive Schnittränder aufwiesen. Nach eingehender Analyse stellten die Forscher fest, dass die beiden neuen Indikatoren ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium signifikant vorhersagten, selbst nach Berücksichtigung anderer Faktoren. Im Gegensatz dazu konnten Standardmessgrößen wie PSA-Wert, MRT-Score und selbst der Tumorgrad nicht signifikant vorhersagen, welche Patienten tatsächlich einen fortgeschrittenen Krebs aufwiesen. Per Grenzwertoptimierungskurve identifizierten die Forscher Cut-offs, welche die Behandlungsentscheidung erleichtern können: Mehr als 3 befallene Regionen und eine maximale Tumorkernlänge von >10 mm in der MRT/US-Fusionsbiopsie der Prostata gingen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für pathologische Komplikationen nach der Prostatektomie einher. Die Entscheidungskurvenanalyse zeigte einen Nettonutzen der Anwendung dieser Kriterien zur Auswahl geeigneter Behandlungen für Patienten mit Prostatakrebs. Patienten genauer stratifizieren „Heute basiert die Entscheidung zwischen Überwachung und Operation in vielen Fällen hauptsächlich auf dem Tumorgrad. Bei einem Tumorgrad von 1 wird beispielsweise häufig eine aktive Überwachung gewählt“, erklärte Mabjeesh. „Wir schlagen vor, einen weiteren Faktor hinzuzufügen: Bei mehr als drei betroffenen Bereichen sollte eine Operation anstelle einer reinen Überwachung in Betracht gezogen werden.“ Er fügte hinzu, dass die Informationen auch bei der Entscheidung zwischen Operation und Strahlentherapie hilfreich sein können, da sie darauf hindeuten können, dass die Erkrankung weiter fortgeschritten ist als zunächst angenommen. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten die Maßnahmen Ärzten helfen, besser zu entscheiden, wer für eine alleinige Überwachung geeignet ist und wer eine sofortige Behandlung benötigt. Mithilfe des neuen Beurteilungsinstruments ließen sich aber auch unnötige Behandlungen reduzieren: Laut der Analyse könnten diese Indikatoren bei etwa 4 von 100 Patienten, basierend auf der Anzahl der Läsionen, und bei etwa 10 von 100, basierend auf der Läsionslänge, eine Übertherapie vermeiden. Die Autoren betonen, dass es sich um eine retrospektive Einzelzentrumstudie mit einer relativ kleinen Patientengruppe handelte. Größere multizentrische Studien sind noch erforderlich, bevor eine breite Anwendung möglich ist. „Der nächste Schritt sind größere, vorzugsweise multizentrische Studien, welche die von uns identifizierten Kriterien überprüfen und eine strukturierte Implementierung in die tägliche Praxis ermöglichen“, so Mabjeesh. (ms/BIERMANN) Das könnte Sie auch interessieren: Stockholm3-Score hilft bei der Entdeckung von klinisch relevantem Prostatakrebs PSMA-PET/CT nach unklarem MRT-Befund könnte unnötige Prostatabiopsien reduzieren
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