Neues Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Universitätsklinikum Dresden

Das Team des neuen “UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrums” in Dresden. Foto: UKDD/Kirsten Lassig

Ein neues Beckenbodenzentrum am Universitätsklinikum Dresden (UKD) vereint mehrere medizinische Disziplinen für die Behandlung von Kontinenzstörungen.

Mit der Gründung des „UniversitätsKontinenz- und Beckenboden Centrums“ schafft das UKD ein neues Versorgungsangebot für Betroffene von Inkontinenz. Darin arbeiten die Kliniken für Urologie, Gynäkologie sowie Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie zusammen mit den Experten aus der Physiotherapie sowie der spezialisierten Kontinenz- bzw. Uro-Therapie. Ziel sei es, Patienten eine umfassende Diagnostik und individuell abgestimmte Therapie anzubieten, heißt es in einer aktuellen UKD-Mitteilung. „Das Modell der Centren ist an der Universitätsmedizin Dresden etabliert und bietet Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Indikationen eine interdisziplinare Behandlung aus einer Hand. Dies bieten wir nun auch Betroffenen mit Inkontinenz und Erkrankungen des Beckenbodens an“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.

Risikofaktoren für Inkontinenz

Nach Angaben des Klinikums leiden bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland an Harn- und Stuhlinkontinenz, Entleerungsstörungen der Blase oder des Darms sowie an Senkungsbeschwerden und Beckenbodeninsuffizienz. Betroffen sind mehr Frauen als Männer. Viele der Betroffenen schweigen aus Scham über ihre Probleme.

Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen ein höheres Lebensalter, körperliche Belastungen und Adipositas. Gleichzeitig können auch jüngere Menschen betroffen sein, beispielsweise Frauen nach der Schwangerschaft oder Männer nach operativen Eingriffen. Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose können zu Kontinenzstörungen führen. Oftmals benötigen Betroffene einen interdisziplinären Blick auf ihre Beschwerden. Das UKB will dem nun mit dem neuen Kontinenz- und Beckenbodenzentrum eine neue Struktur geben.

Breites Spektrum von Diagnostik und Therapie

Ein besonderer Schwerpunkt des Zentrums soll auf der interdisziplinären Diagnostik komplexer Krankheitsbilder liegen. Dafür stehen am UKD spezialisierte Untersuchungsverfahren wie die Urodynamik zur Messung der Blasenfunktion oder die MRT-gestützte Defäkographie zur Analyse von Beckenboden- und Entleerungsstörungen zur Verfügung. Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Fachbereiche soll gemeinsame Fallbesprechungen und die Planung komplexer operativer Eingriffe ermöglichen.

Neben der Diagnostik setzt das Zentrum nach UKD-Angaben auf ein breites Spektrum konservativer und operativer Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Beckenboden- und Haltungstraining, Ernährungsberatung, Biofeedback-Verfahren, Kontinenzberatung, Schulungen zur Selbstkatheterisierung sowie moderne operative Therapien. Die spezialisierten Urotherapeutinnen begleiten Betroffene dabei ergänzend zur ärztlichen Behandlung und unterstützen sie im Umgang mit den Auswirkungen der Erkrankung im Alltag.

„Viele Betroffene leiden über Jahre hinweg still, obwohl heute zahlreiche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Mit dem neuen Centrum schaffen wir klare Strukturen und kurze Wege, damit Patientinnen und Patienten frühzeitig die passende Unterstützung erhalten können“, erklärt PD Dr. Martin Baunacke, Urologe im neuen Kontinenz- und Beckenbodenzentrum.

Zertifizierung angestrebt

Perspektivisch strebt das UKD eine Zertifizierung des Zentrums nach den Qualitätsstandards der Deutschen Kontinenz Gesellschaft an. Darüber hinaus sollen niedrigschwellige Beratungsangebote, Patientenveranstaltungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen auf dem Campus etabliert werden.

„Komplexe Beckenbodenerkrankungen betreffen häufig mehrere Organsysteme. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum können wir Diagnostik und Therapie optimal aufeinander abstimmen und unseren Patientinnen und Patienten eine Versorgung auf höchstem Niveau bieten“, betont die Viszeralchirurgin PD Dr. Olga Radulova-Mauersberger. „Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit Kontinenz- und Beckenbodenerkrankungen in der Region nachhaltig zu verbessern und das Thema stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken“, ergänzt Dr. Anna Gasser, Gynäkologin in dem neuen Dresdner Zentrum.

Aktion zur Welt-Kontinenz-Woche

Die 18. Welt Kontinenz Woche findet vom 15. bis 21. Juni 2026 unter dem Motto „10 Millionen! Du auch?“ statt und rückt eine der oft unterschätzten Volkskrankheiten in den Fokus. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft nutzt in diesem Jahr die Welt-Kontinenz-Woche, um über moderne Therapiemöglichkeiten zu informieren. Das Dresdner Kontinenz- und Beckenbodenzentrum beteiligt sich an der Aktionswoche mit dem Online-Patientenseminar „Aktiv gegen Inkontinenz!“ am 17. Juni 2026 von 15 – 17 Uhr.

(ms/BIERMANN)

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