Rolle der Thrombozyten bei Alzheimer weiter aufgeklärt14. August 2020 Foto: ©SciePro – stock.adobe.com Gemeinsam mit WissenschaftlerInnen aus Großbritannien und Chile haben ForscherInnen aus Düsseldorf einen weiteren Rezeptor identifiziert, der an der Verklumpung von Aβ-Proteinen in Hirngefäßen beteiligt ist. Weltweit leiden mehr als 47 Millionen Menschen an Demenzerkrankungen. Die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer Krankheit. Charakterisiert ist diese Krankheit durch Amyloid-β(Aβ)-Ablagerungen im Gehirn. Diese treten im Gewebe sowie in den Gefäßen des Gehirns auf. Im Gehirngewebe führen sie zu Schädigungen von Nervenzellen und somit zu kognitiven Störungen. In den Gefäßen beeinflussen die Aβ-Ablagerungen – als zerebrale Amyloid-Angiopathie/ZAA bezeichnet – den Blutfluss und beschleunigen so das Fortschreiten der Alzheimer‘schen Demenz. Bereits in früheren Studien konnte die Arbeitsgruppe für Experimentelle Vaskuläre Medizin von Prof. Margitta Elvers, Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf, zeigen, dass Thrombozyten direkt an der Verklumpung des Aβ-Proteins in Hirngefäßen beteiligt sind. Das Aβ-Protein bindet an den Fibrinogenrezeptor, einem für die Thrombozyten-Aggregation wichtigen Rezeptor auf der Oberfläche von Thrombozyten. Die Behandlung von transgenen Alzheimer-Mäusen mit dem Blutverdünner Clopidogrel führte zur Reduktion der Ablagerungen von Aβ-Proteinen in Hirngefäßen. Nun konnte die Arbeitsgruppe gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Großbritannien und Chile einen weiteren Rezeptor identifizieren, der an dieser krankhaften Proteinverklumpung beteiligt ist. Dabei handelt es sich um den Kollagenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI), der eine wichtige Rolle bei der Aktivierung und Aggregation der Thrombozyten spielt. Durch das Blockieren oder das Fehlen des GPVI-Rezeptors auf Thrombozyten von Patienten und transgenen Mäusen konnte die Verklumpung des Aβ-Proteins sowie das Aβ-induzierte Anhaften von Thrombozyten an der Gefäßwand reduziert werden. Auf Grundlage dieser Ergebnisse gehen die Wissenschaftler derzeit davon aus, dass Aβ an Thrombozyten über den GPVI- sowie den Fibrinogenrezeptor bindet und über die Vernetzung mit Fibrinogen die Verklumpung des Aβ-Proteins auslöst bzw. fördert. Da im Gegensatz zu dem Blutverdünner Clopidogrel die Blockierung von GPVI auf den Thrombozyten kein oder nur ein geringeres Blutungsrisiko mit sich bringt, legen die Ergebnisse der aktuellen Studie nahe, dass GPVI ein potenzielles therapeutisches Ziel zur Verbesserung der ZAA bei Patienten mit Alzheimer-Demenz sein könnte. Originalpublikation: Donner L et al. The collagen receptor glycoprotein VI promotes platelet-mediated aggregation of β-amyloid. Science Signaling 2020;13(643):eaba9872.
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