RS-Virus infiziert auch Nervenzellen11. Januar 2024 Foto: © Peter Hansen – stock.adobe.com Lange Zeit ging man davon aus, dass das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) nur die Atemwege infiziert, doch eine neue Studie zeigt nun, dass RSV auch Nervenzellen befallen, Nervenschäden verursachen und in das Rückenmark eindringen kann, wodurch es möglicherweise Zugang zum zentralen Nervensystem erhält. Eine Infektion mit RSV kann leichte Symptome wie Husten, Niesen und Fieber verursachen oder zu schwereren Erkrankungen wie Lungenentzündung oder Bronchiolitis führen. Seit der ersten Entdeckung der Krankheit im Jahr 1956 ging man jedoch davon aus, dass sie nur die Atemwege befällt. Eine aktuelle Studie, die im „Journal of Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass RSV in Nervenzellen eindringen kann, und stellt möglicherweise den Zusammenhang zwischen RSV und neurologischen Symptomen bei infizierten Kindern her. RSV wurde bereits früher in der Rückenmarksflüssigkeit von Kindern mit Krampfanfällen nachgewiesen. Außerdem wiesen 40 Prozent der RSV-positiven Kinder unter zwei Jahren eine akute Enzephalopathie auf. Die Forscher untersuchten das Virus anhand von 3D-Kulturen peripherer Nerven, die aus Stammzellen und Rattenembryonen gezüchtet wurden. Nachdem sie herausgefunden hatten, dass diese mit RSV infiziert werden können, stellten die Forscher fest, dass RSV die Freisetzung von Chemokinen auslöst und erhebliche Entzündungen verursacht. Bei einer geringen RSV-Infektion reagierten die Nerven hyperreaktiv auf Stimulation. Bei höheren Werten beobachteten sie eine fortschreitende Degeneration des Nervs und eine erhöhte Neurotoxizität aufgrund der übermäßigen Entzündung. „Bislang lautete die Theorie, dass die Entzündungsreaktion die Nerven indirekt aktiviert“, erklärte Dr. Giovanni Piedimonte, Vizepräsident für Forschung an der Tulane University in New Orleans, USA, und Professor für Pädiatrie, Biochemie und Molekularbiologie. „Diese Studie zeigt, dass nicht nur dies der Fall ist, sondern dass das Virus direkt in die Nerven eindringen kann.“ Die Hyperreaktivität der Nerven könnte erklären, warum Kinder, die an RSV erkrankt sind, später mit größerer Wahrscheinlichkeit asthmatische Symptome haben, erklärte Piedimonte. Die Studie ergab auch, dass RSV über periphere Nerven in das Rückenmark eindringen kann, obwohl es nicht in der Lage ist, direkt in die spinalen Neuronen einzudringen. Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um diesen Mechanismus zu erforschen. Piedimonte stellt allerdings die Hypothese auf, dass RSV über die peripheren Nerven in das Rückenmark eindringen, die Blut-Hirn-Schranke umgehen, in das zentrale Nervensystem eindringen und das Gehirn infizieren kann. Sollte sich diese Theorie bestätigen, könnte dies ein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen RSV und anderen neurologischen oder Entwicklungsstörungen sein, erklärte Piedimonte und fuhr fort: „Wenn sich in künftigen Studien tatsächlich bestätigt, dass Viren wie dieses in das zentrale Nervensystem eindringen können, öffnet sich eine riesige Büchse der Pandora.“ Dies verleihe der Bedeutung von RSV-Impfstoffen sowohl für ältere Menschen als auch für Mütter zum Schutz ihrer Babys eine neue Dimension.
Mehr erfahren zu: "Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen" Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen US-Forscher berichten, dass höhere Blutwerte zweier häufiger Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) die Wahrscheinlichkeit für eine früh im Leben beginnende Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) steigen lassen.
Mehr erfahren zu: "Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter" Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter Kinder, die pränatal mehr negativen Einflüssen (APE) ausgesetzt waren, zeigen häufiger Verhaltensprobleme, eine schnellere Ausdünnung der Hirnrinde und mehr depressive Symptome. Das berichten Forschende des Mass General Brigham (USA) in […]
Mehr erfahren zu: "Sachsens Kultusminister drängt auf Daten zum kindlichen Entwicklungsstand" Sachsens Kultusminister drängt auf Daten zum kindlichen Entwicklungsstand Angesichts schlechter Ergebnisse bei Schuleingangsuntersuchungen fordert der sächsische Kultusminister Conrad Clemens (CDU) eine verbindliche Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands bei Vierjährigen.