S3-Leitlinie Psychoonkologie aktualisiert

Die aktualisierte Leitlinie geht nun auch auf die speziellen Bedürfnisse junger Erwachsener mit Krebs ein. (Foto: © andreaobzerova – stock.adobe.com)

Die S3-Leitlinie „Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen“ wurde aktualisiert. In der überarbeiteten Fassung wurden elf Themen neu aufgenommen und weitere Kapitel inhaltlich überarbeitet.

Zu den in der überarbeiteten Fassung neu aufgenommenen Themen zählen unter anderem Besonderheiten spezieller Zielgruppen wie älteren Patienten mit Hirntumoren. Darüber hinaus wurden weitere Kapitel inhaltlich überarbeitet. Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und unter Mitwirkung von 59 Fachgesellschaften. Ziel ist es, evidenzbasierte Empfehlungen für die psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung für den gesamten Verlauf einer Krebsbehandlung aufzuzeigen und so die psychoonkologische Versorgung erwachsener Patienten mit Krebs zu verbessern.

E-Health, Krisenintervention und Interventionen in der Palliativphase

Psychologische Interventionen sind nichtmedikamentöse Behandlungen, bei denen Experten wie Psychologen, Psychotherapeuten oder Sozialarbeiter mit den Patienten zusammenarbeiten. Für diesen Bereich wurden in die Leitlinie drei Kapitel neu aufgenommen: „Psychoonkologische E-Health Interventionen“, „Spezifische psychoonkologische Interventionen in der Palliativphase“ und „Psychoonkologische Krisenintervention“.

„Patienten mit einer nichtheilbaren Krebserkrankung befinden sich in einer sehr speziellen Situation, da sie sich konkret mit ihrem Lebensende konfrontiert sehen. Im Update der Leitlinie geben wir nun erstmals gesonderte Empfehlungen für diese Betroffenen und deren Angehörige, damit sie die bestmögliche Versorgung erhalten und ihre Lebensqualität verbessert wird“, sagte Joachim Weis, Professor für Selbsthilfeforschung am Universitätsklinikum Freiburg. Gemeinsam mit Prof. Anja Mehnert-Theuerkauf, Lehrstuhlinhaberin für Medizinische Psychologie und Soziologie an der Universität Leipzig, koordinierte er die Aktualisierung der Leitlinie. „Auch E-Health-Angebote wie Gesundheits-Apps haben wir unter die Lupe genommen, weil sie in der Versorgungsrealität immer mehr ankommen – gerade in Regionen mit einer geringen Versorgungsdichte können diese eine gute Ergänzung darstellen.“ Wichtig sei bei diesen Angeboten weiterhin eine persönliche Interaktion zwischen Therapeuten und Patienten, beispielsweise über Telefon oder Videokonferenzen, betonen die Experten.

Spezielle Empfehlungen für einzelne Zielgruppen

Je nach Tumordiagnose, Beeinträchtigungen, die sich aus der Behandlung ergeben, oder der speziellen Lebenssituation, in der sich Betroffene befinden, werden in der Leitlinie spezifische Handlungsempfehlungen für die psychoonkologische Behandlung gegeben. Neu aufgenommen wurden in die Leitlinie Kapitel zu jungen, erwachsenen Krebspatienten (AYAs), geriatrischen Krebspatienten und Menschen, die mit einer Krebsdiagnose leben (Cancer Survivors).

„Bei jungen Krebspatienten ist das Thema Fertilitätserhalt und Familienplanung ein Thema, das wir im Blick behalten müssen. Bei Betroffenen, die älter als 65 Jahre sind, kommen zur Krebserkrankung häufig noch andere altersbedingte Beschwerden hinzu. In Kombination kann das zu verstärkten Ängsten und Depressionen führen“, so Mehnert-Theuerkauf. „Solche spezifischen Besonderheiten führen wir in der Leitlinie auf, damit sie in der psychoonkologischen Versorgung nicht aus dem Blick verloren werden.“

Auch im Bereich Psychopharmakotherapie wurden zwei neue Themen ergänzt: Schlafstörungen und besondere Risiken zu Neben- und Wechselwirkungen von Psychopharmaka bei Krebspatienten.