Sättigungshormon Ghrelin – Was Felsenpinguine hungern lässt2. September 2024 Die Frisur sitzt: Felsenpinguine (Symbolbild) Foto: © Erni – stock.adobe.com Eine Vielzahl von Tierarten durchläuft längere Fastenzeiten. Während solcher Perioden des Nahrungsentzugs müssen die Tiere ihren Appetit unterdrücken. Das Sättigungssignal-Darmhormon Ghrelin hat in diesem Zusammenhang in Studien über Säugetiersysteme viel Aufmerksamkeit erhalten. Bei Wildvögeln hingegen war das Wissen über das Ghrelin-System und seine Rolle während längerer Fastenzeiten bisher spärlich. Eine internationale Studie unter Leitung des Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien (KLIVV) untersuchte dieses Hormon in einer soeben erschienenen Studie anhand von Felsenpinguinen. Die Forscher liefern damit einen wichtigen Beitrag, um das Ghrelin-System von Vögeln besser zu verstehen. Gemeinsam mit Leptin und Insulin ist Ghrelin eines von drei wichtigen Stoffwechselhormonen. Bei Säugetieren wie dem Menschen ist es ein appetitanregendes Peptid, das in der Magenschleimhaut und der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Zusätzlich hat das Hormon eine Reihe anderer Wirkungen. Auch die meisten Vogelarten weisen ein Gen auf, das für Ghrelin codiert. Im Gegensatz zu den Säugetieren hemmt Ghrelin bei Vögeln jedoch die Nahrungsaufnahme. Die soeben im Fachjournal „Hormones and Behavior“ erschienene Studie nahm deshalb die Wirkung von Ghrelin während länger dauernder Fastenzeiten von Vögeln genauer unter die Lupe. Im Fokus: Ghrelin-Konzentration während der Mauser von Felsenpinguinen In ihrer Studie sammelte das vom KLIVV geleitete Forschungsteam Plasmaproben für Messungen der zirkulierenden Ghrelin-Konzentrationen von erwachsenen Felsenpinguinen (Eudyptes chrysocome chrysocome) während der drei- bis vierwöchigen Mauser, welche die Pinguine jährlich zum Austausch ihres Federkleids wiederholen. „Wir nahmen außerdem Proben von Küken vor und nach der Fütterung sowie von nicht mausernden Erwachsenen“, erklärt Julia Slezacek vom KLIVV der Vetmeduni. Mauser und Küken: Signifikant unterschiedliche Ghrelin-Werte Die Ghrelin-Spiegel unterschieden sich nicht signifikant zwischen gefütterten und nicht gefütterten Küken, aber die Vogeljungen hatten im Vergleich zu erwachsenen Tieren signifikant niedrigere Plasmaghrelin-Spiegel. Darüber hinaus wiesen Pinguine in der späten Mauser – also Individuen am Ende der verlängerten Fastenzeit – höhere Ghrelin-Werte auf als nicht mausernde Erwachsene. Daraus zieht Julia Slezacek vom KLIVV der Vetmeduni folgenden Schluss: „Bei Pinguinen scheint Ghrelin in verschiedenen Entwicklungsstadien und in verschiedenen Phasen des Jahreszyklus unterschiedlich reguliert zu werden. Die Kontrolle des Hungers durch Ghrelin während der späteren Stadien der Mauser ist sehr plausibel und könnte eine Art Stoppsignal darstellen welches Pinguine davon abhält zu früh in das Meer zurückzukehren wenn ihr Federkleid noch nicht vollständig erneuert ist und eine effiziente Wärmeregulierung noch nicht möglich ist.“ Laut den Forschern tragen die Studienergebnisse angesichts des geringen bzw. fehlenden Wissens über die Funktion von Ghrelin bei Seevögeln und bei fastenden Vögeln im Allgemeinen wesentlich zum Verständnis des Ghrelin-Systems bei Vögeln bei.
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