Salz als Auslöser für Autoimmunerkrankungen: Möglicher Mechanismus identifiziert13. Februar 2023 Salz stört die Funktion von immunregulatorischen T-Zellen: Ihre Mitochondrien produzieren vorübergehend weniger Energie und verändern so den Zellstoffwechsel. Bild: ©Felix Petermann/Max Delbrück Center Wer zu viel Salz isst, schwächt die mitochondriale Energieversorgung von regulatorischen T-Zellen. Das kann sich auf Autoimmunität auswirken, berichtet ein internationales Team in „Cell Metabolism“. Denn wenn sie lahm gelegt sind, können Immunreaktionen aus dem Ruder laufen. Eine salzreiche Ernährung, wie sie in vielen westlichen Gesellschaften üblich ist, beeinträchtigt nicht nur den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System. Sie kann auch negative Auswirkungen auf die Regulation des Immunsystems haben. Denn Salz bremst regulatorische T-Zellen (Tregs) aus, indem es ihren Energie-Metabolismus verschlechtert. Das berichtet ein internationales Forschungsteam, koordiniert von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des VIB Center für Entzündungsforschung und der Universität Hasselt in Belgien und dem Max Delbrück Center in Berlin im Fachmagazin „Cell Metabolism“. Die Ergebnisse könnten die Erforschung von Autoimmun- und kardiovaskulären Erkrankungen voranbringen. Bereits vor einigen Jahren hat das belgisch-deutsche Team gezeigt, dass zu viel Salz in unserer Ernährung den Stoffwechsel und die Energiebilanz bestimmter Zellen des angeborenen Immunsystem negativ beeinflussen kann. Monozyten oder Makrophagen funktionieren dann nicht mehr richtig, weil das Salz ihre Mitochondrien schwächt. Beteiligt an den Studien waren die Arbeitsgruppen um Prof. Dominik Müller vom Max Delbrück Center und Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung von Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max Delbrück Center, sowie um Prof. Markus Kleinewietfeld vom VIB Center für Entzündungsforschung und der Universität Hasselt in Belgien. Nun fragten sich die Forschungsgruppen, ob übermäßiger Salzkonsum bei Zellen des adaptiven Immunsystems wie den Tregs ein ähnliches Problem auslösen könnte. Wichtige Immunregulatoren Tregs sind ein wesentlicher Bestandteil des adaptiven Immunsystems. Sie erhalten das Gleichgewicht zwischen normaler Funktion und überschießender Entzündung. Sie halten fehlgeleitete Immunzellen in Schach, die sich gegen den eigenen Körper richten, und sorgen dafür, dass Immunreaktionen kontrolliert ablaufen ohne den Organismus zu schädigen. Eine Fehlfunktion der Tregs könnte dazu führen, dass sich Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose entwickeln. Erst kürzlich konnten Forschende zeigen, dass die Mitochondrien der Tregs bei betroffenen Patientinnen und Patienten schlechter arbeiten. Die Ursachen blieben jedoch unklar. „Die Beobachtungen bei Autoimmunpatientinnen und -patienten und unsere Ergebnisse, dass Salz die Funktion der Mitochondrien bei Monozyten und Makrophagen einschränkt, waren unser Ausgangspunkt. Wir haben wir uns gefragt, ob ähnliche Probleme in den Tregs gesunder Probandinnen und Probanden auftreten können“, sagt Müller, Leiter der Arbeitsgruppe „Hypertonie-vermittelter Endorganschaden“ am Max Delbrück Center und am ECRC. Aus früheren Untersuchungen geht zudem hervor, dass zu viel Salz die Treg-Funktion beeinträchtigen könnte, indem es einen autoimmunähnlichen Phänotyp hervorruft. Mit anderen Worten: Zu viel Salz lässt die Treg-Zellen eher wie diejenigen aussehen, die an Autoimmunerkrankungen beteiligt sind. Wie genau Salz die Treg-Funktionen beeinträchtigt, war jedoch noch nicht bekannt. Salz stört die Mitochondrien der Tregs Die aktuelle Studie unter der Leitung von Kleinewietfeld und Müller mit der Erstautorin Dr. Beatriz Côrte-Real und dem Erstautor Dr. Ibrahim Hamad – beide Teil der belgischen Arbeitsgruppe – hat nun nachgewiesen: Salz stört die Treg-Funktion, indem es die Energieerzeugung in Mitochondrien hemmt und den zellulären Stoffwechsel verändert. Der Mechanismus besteht darin, dass eine hohe extrazelluläre Salzkonzentration die intrazelluläre Na+-Konzentration erhöht und die mitochondriale Respiration durch Beeinträchtigung der Elektronentransportkette (ETC) stört. Dies wiederum führt rasch zu einer pro-inflammatorischen Genexpression und einer Herunterregulierung von FOXP3, was in vitro und in vivo die Funktion der Tregs langfristig beeinträchtigt – ähnlich wie bei dysfunktionalen Tregs bei Autoimmunerkrankungen. Selbst wenn die Forschenden die Mitochondrienfunktion nur kurz unterbrachen, hatte dies in verschiedenen Versuchsmodellen langanhaltende Folgen für die Leistungsfähigkeit und die immunregulierende Kapazität der Tregs. Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Salz möglicherweise zu Fehlfunktionen der Tregs bei verschiedenen Krankheiten beiträgt. Das muss allerdings in weiteren Studien bestätigt werden. „Die Faktoren und die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die zur Fehlfunktion der Tregs bei Autoimmunität beitragen, ist eine zentrale Frage auf diesem Gebiet. Da Tregs auch bei Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen, könnte die Aufklärung solcher durch Salz ausgelösten Effekte neuartige Ansätze eröffnen, um die Treg-Funktion bei verschiedenen Krankheiten zu verändern“, sagt Kleinewietfeld. „Es sind jedoch noch weitere Studien erforderlich, um die molekularen Mechanismen genauer zu verstehen und ihre potenziellen Zusammenhänge mit Krankheiten zu ergründen.“
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