SARS-CoV-2: Azelastin-Nasenspray verringert Infektions-Risiko3. September 2025 Laut Studienleiter Robert Bals könnte Azelastin-Nasenspray eine einfache Maßnahme zur Infektionsprophylaxe gegen SARS-CoV-2 für Risiko-Gruppen sein. Foto: Laura Glücklich/UKS Infektionsprophylaxe mit Nasenspray? Ein saarländisches Forschungsteam konnte in einer klinischen Studie zeigen, dass antiallergisches Azelastin-Nasenspray das Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen signifikant senkt. Insgesamt wurden 450 gesunde Studienteilnehmer in die kürzlich in „JAMA Internal Medicine“ veröffentlichte Studie eingeschlossen. Das Team um Studienleiter Prof. Robert Bals, Direktor der Klinik für Innere Medizin V am Universitätsklinikum und Professor für Innere Medizin an der Universität des Saarlandes, hat die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe, 227 Personen, erhielt dreimal täglich ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Azelastin (0,1 %) für insgesamt 56 Tage. 223 Personen der Kontrollgruppe sprühten sich im selben Zeitraum ebenfalls dreimal täglich ein Placebo in die Nase. „2,2 Prozent der Azelastin-Gruppe hat sich im Beobachtungszeitraum mit SARS-CoV-2 infiziert, in der Kontrollgruppe, die das Placebo erhielt, war der Anteil mit 6,7 Prozent infizierter Personen dreimal so hoch“, fasst Bals das zentrale Ergebnis zusammen. Bestätigt wurden die Infektionen mit einem PCR-Test. Getestet wurde zweimal pro Woche. Weniger symptomatische SARS-CoV-2-Verläufe Neben dem Rückgang an Corona-Infektionen zeigten sich in der Azelastin-Gruppe auch weniger symptomatische SARS-CoV-2-Verläufe, eine insgesamt geringere Anzahl an nachgewiesenen Atemwegsinfektionen und hierbei überraschenderweise auch eine niedrigere Rate an Rhinovirus-Infektionen. Von den 227 Personen, die das Azelastin-Nasenspray erhielten, entwickelten 1,8 Prozent eine Rhinovirus-Infektion. „In der Kontrollgruppe lag der Anteil der Infizierten mit 6,3 Prozent ähnlich hoch wie bei SARS-CoV-2“, so Robert Bals. Azelastin-Nasenspray wird seit Jahrzehnten als rezeptfreies Medikament zur Behandlung von allergischem Schnupfen eingesetzt. Bereits zuvor haben In-vitro-Studien antivirale Effekte gegenüber SARS-CoV-2 und anderen respiratorischen Viren gezeigt. „Die aktuelle klinische Studie ist nun die erste, die eine präventive Schutzwirkung in einem realen Anwendungsszenario belegt“, erläutert der Direktor der Klinik für Innere Medizin V des Universitätsklinikums. Leicht zugängliche Schutzmaßnahme für Risiko-Gruppen Für den Mediziner leiten sich daraus praktische Hinweise ab: „Insbesondere für Risikogruppen, in Hochinzidenzphasen oder bei bevorstehenden Reisen könnte das Nasenspray eine einfach zugängliche Ergänzung zu bestehenden Schutzmaßnahmen darstellen“, erklärt Bals, der für Folgestudien großes Potenzial sieht: „Die Studienergebnisse bekräftigen die Notwendigkeit größerer, multizentrischer Studien, um den Einsatz von Azelastin-Nasenspray als ‚On-Demand‘-Prophylaxe weiter zu untersuchen und das Potenzial auch gegenüber anderen Atemwegserregern zu prüfen.“ Neben Bals als Studienleiter waren an der randomisierten, doppelblinden Phase-II-Studie CONTAIN zudem das Institut für Klinische Pharmazie (Prof. Thorsten Lehr, Dr. Dominik Selzer), das Institut für Virologie (Prof. Sigrun Smola) und die Saarbrücker URSAPHARM Arzneimittel GmbH beteiligt, Sponsor der klinischen Studie und Hersteller des Prüfpräparats. Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) war bei der Studie über die Arbeitsgruppen von Smola und Bals eingebunden.
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