Schädliche Wirkung von Stresshormonen bei akutem Nierenversagen entdeckt4. Oktober 2024 Foto: © filins/stock.adobe.com Marburger Pharmakologen haben nach eigenen Angaben in einer Studie den Effekt von Glukokortikoiden auf den Stoffwechsel geschädigter Nieren entschlüsselt. Eine Schlüsselrolle beim akuten Nierenversagen spielen Tubulusepithelzellen, deren Resilienz und Reparatur entscheidend für die Wiederherstellung der Nierenfunktion und die Genesung der Patienten ist. Forschende der Philipps-Universität Marburg um Prof. Thomas Worzfeld vom Pharmakologischen Institut und internationale Kollegen haben nun herausgefunden, dass bestimmte Stresshormone, die auch als Medikamente eingesetzt werden, Tubulusepithelzellen schädigen und dadurch ein akutes Nierenversagen verschlimmern können. Sie veröffentlichen ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Science Translational Medicine“. Ausgangspunkt der Studie war die Entdeckung, dass es bei schweren Covid-19-Erkrankungen häufig zu einem Absterben von Tubulusepithelzellen und einem akuten Nierenversagen kommt. Die Forschenden fragten sich, wie die Standardtherapie bei schwer kranken Covid-19-Patienten auf die Niere wirkt. Zu dieser Standardtherapie gehört die Verabreichung von Medikamenten aus der Gruppe der Glukokortikoide. Die Forschenden fanden heraus, dass diese in der Niere den Stoffwechsel der Tubulusepithelzellen hemmen, genauer gesagt, die Energiegewinnung der Zellen in den Mitochondrien unterdrücken. Dadurch sterben vermehrt Tubulusepithelzellen ab und das akute Nierenversagen verschlechtert sich. Körpereigne Glukokortikoide Die Forschenden sind noch auf einen weiteren Befund gestoßen: Der menschliche Körper produziert auch auf natürliche Weise Glukokortikoide. Zu diesen körpereignen Glukokortikoiden gehört das Stresshormon Cortisol. Bei einem akuten Nierenversagen baut die Niere dieses Cortisol weniger gut ab. „Cortisol kann dann dem eigenen Körper schaden“, sagt Thomas Worzfeld. Medikamente aus der Gruppe der Glukokortikoide sollten Worzfeld zufolge bei akutem Nierenversagen daher mit Augenmaß eingesetzt werden. Ob und wie genau zukünftig Therapien anzupassen sind, müssten allerdings klinische Studien zeigen.
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