Schlaganfall: Aggressive Blutzuckerkontrolle verbessert Outcome nicht7. August 2019 Foto: ©boygostockphoto – stock.adobe.com Hyperglykämie ist bei Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall häufig und führt im Vergleich zu normalen Blutzuckerwerten zu schlechteren Outcomes. Entsprechend diskutieren Schlaganfall-Experten seit Langem darüber, ob ein intensives Glukosemanagement nach akutem ischämischen Schlaganfall zu besseren Outcomes führt. Nun zeigt eine Studie jedoch, dass aggressive Methoden des Blutzuckermanagements nicht besser sind als Standardansätze. “Nach jahrzehntelanger Unsicherheit darüber, wie man den Blutzucker bei akuten Schlaganfallpatienten steuert, haben wir endlich deutliche klinische Beweise dafür, dass eine aggressive Senkung das Outcome des Patienten nicht verbessert”, sagte Dr. Walter Koroshetz, Direktor des National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS). Die Stroke Hyperglycemia Insulin Network Effort (SHINE)-Studie verglich zwei häufig verwendete Strategien zur Glukosekontrolle bei ischämischen Schlaganfallpatienten. Mehr als 1100 Patienten unterzogen sich einem intensiven Glukosemanagement, bei dem die intravenöse Verabreichung von Insulin erforderlich war, um den Blutzuckerspiegel auf 80-130 mg/dl zu senken, oder einer Standard-Glukosekontrolle mit Insulininjektionen, die darauf abzielte, den Blutzucker für bis zu 72 Stunden unter 180 mg/dl zu senken. Nach 90 Tagen wurden die Patienten hinsichtlich ihres Outcomes, einschließlich Behinderung, neurologischer Funktion und Lebensqualität, untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Patienten unter beiden Regimen vergleichbar von ihren Schlaganfällen erholten. Nach 90 Tagen zeigten etwa 20 Prozent der Patienten positive Outcomes, unabhängig davon, ob sie eine Intensiv- oder Standardbehandlung erhielten. Die intensive Glukosetherapie erhöhte allerdings das Risiko eines sehr niedrigen Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie) und erforderte im Vergleich zur Standardbehandlung ein höheres Versorgungsniveau, wie z.B. eine verstärkte Überwachung durch das Pflegepersonal. Die Studie wurde frühzeitig abgebrochen, als eine Zwischenanalyse ergab, dass eine intensive Glukosekontrolle die Ergebnisse im Vergleich zur Standardbehandlung nicht verbesserte. “Wir haben festgestellt, dass sich die zusätzlichen Risiken, die mit einer aggressiven Behandlung verbunden sind, nicht lohnen”, sagte Studienleiterin Prof. Karen C. Johnston, Associate Vice President of Clinical & Translational Research an der University of Virginia, Charlottesville. Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um die Rolle der Glukose bei der Schlaganfallbehandlung besser zu verstehen und zusätzliche Strategien zu entwickeln, die das Outcoem von Schlaganfall-Patienten mit Hyperglykämie verbessern. Zukünftige Studien werden auch untersuchen, ob hohe Blutzuckerwerte eine Ursache oder die Folge eines ungünstigen Schlaganfall-Outcomes ist. Originalpublikation: Johnston KJ et al.: Intensive vs Standard Treatment of Hyperglycemia and Functional Outcome in Patients With Acute Ischemic StrokeThe SHINE Randomized Clinical Trial. JAMA 2019;322(4):326-335.
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