Schlaganfall-Genetik: Verschiedene Mechanismen erhöhen das Risiko28. Mai 2024 DNA–Profil und eine größere Gruppe von Menschen. (Foto: © gopixa – stock.adobe.com) LMU-Forschende haben zwei unabhängige Wege ausfindig gemacht, wie bestimmte Genvarianten die Wahrscheinlichkeit kardiovaskulärer Erkrankungen erhöhen. Kardiovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfall oder koronare Herzkrankheit stehen ganz oben auf der Weltrangliste der häufigsten Todesursachen. Mögliche Risikofaktoren umfassen das Alter, die persönliche Lebensweise und Vorerkrankungen, aber auch die Genetik spielt eine Rolle. „Großangelegte genomweite Assoziationsstudien haben mehrere Gene identifiziert, die das Risiko für Schlaganfall und kardiovaskuläre Erkrankungen beeinflussen“, erklärt LMU-Professor Martin Dichgans. „Sie haben außerdem gezeigt, dass man genetische Informationen dazu nutzen kann, mögliche Angriffspunkte für eine medikamentöse Behandlung ausfindig zu machen.“ Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung am LMU Klinikum und Wissenschaftler im Exzellenzcluster SyNergy, ist Leiter einer jetzt im Fachmagazin „Nature Cardiovascular Research“ erschienenen Studie, die das Gen HTRA1 besonders genau unter die Lupe genommen hat. Es kodiert für eine Protease – ein Enzym, das einen regulierenden Einfluss auf die extrazelluläre Matrix hat. „HTRA1 hat sich als Risikogen für verschiedene Krankheitsbilder erwiesen, darunter Schlaganfall und Erkrankungen der kleinen Hirngefäße“, erklärt der Schlaganfall- und Demenzforscher. Menschen, die bestimmte Varianten des Gens vererbt bekommen, sind also signifikant häufiger davon betroffen. Die Mechanismen, die diesem erhöhten Risiko zugrunde liegen, seien bislang jedoch nur unzureichend bekannt. Funktionsverlust oder verringerte Konzentration In der neuen Studie konnten die Forschenden nun einen wichtigen Teil dieser Wissenslücke schließen. Dazu nutzten sie umfassende genetische Datenbanken und untersuchten in biochemischen Experimenten die Auswirkungen von 78 bekannten Protease-Domänenvarianten auf die enzymatische Funktion der Protease. „Wir konnten zwei unabhängige Mechanismen nachweisen, durch die seltene und häufige Varianten des Gens das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen“, fasst Postdoktorandin Nathalie Beaufort, eine der Hauptautorinnen, die Erkenntnisse zusammen. So würden bestimmte seltene Ausprägungen von HTRA1 die Aktivität der Protease verringern, während andere, in der Gesellschaft häufiger auftretende Formen zu einer verringerten Konzentration des Enzyms im Blut führen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei künftigen klinischen Anwendungen sowohl die HTRA1-Aktivität als auch die HTRA1-Konzentrationen berücksichtigt werden müssen“, meint Beaufort. „Beide Mechanismen erhöhen in der Konsequenz die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls und koronarer Arterienerkrankungen“, erklärt Postdoktorand Rainer Malik, ebenfalls Hauptautor der Studie. „Sie sind jedoch unabhängig voneinander und wirken sich unterschiedlich auf andere Merkmale aus.“ So seien die seltenen Genvarianten, welche zu einem Verlust der Protease-Aktivität führen, zusätzlich mit bestimmten Skelettveränderungen assoziiert. Die häufigen – den Proteingehalt betreffenden – Varianten senken hingegen das Risiko für Migräne und bestimmte degenerative Augenerkrankungen. Nicht nur das Schlaganfallrisiko wird beeinflusst Das habe auch Auswirkungen auf künftige therapeutische Strategien. Im Prinzip könnte das kardiovaskuläre Risiko entweder durch die Wiederherstellung der HTRA1-Aktivität oder durch die Erhöhung der HTRA1-Konzentration gesenkt werden. „Wie unsere Studie jedoch zeigt, führt eine Erhöhung der HTRA1-Konzentration zu einem erhöhten Risiko für altersbedingte Makuladegeneration und andere Netzhauterkrankungen“, berichtet Malik. Das unterstreiche die Notwendigkeit, organspezifische oder zelltypspezifische Therapeutika zu entwickeln. „Bislang wurde die Beziehung zwischen HTRA1 und Krankheit als binäres Merkmal betrachtet“, kommentiert Dichgans. „Unsere Ergebnisse zeigen nun, wie wichtig es ist, die Ausprägung von HTRA1 als einen kontinuierlichen und vielfältigen Phänotyp zu betrachten.“ In Zukunft wollen die Forschenden herausfinden, wie sich die Genvarianten in verschiedenen Zelltypen und Geweben auswirken.
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten" Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten Zum Weltmännertag am 3. November weist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf das Problem hin, dass Männer oftmals nicht genug auf sich selbst achten – mit Folgen für Gesundheit […]
Mehr erfahren zu: "Mehr Bildung verringert das Demenzrisiko Jahrzehnte später" Mehr Bildung verringert das Demenzrisiko Jahrzehnte später Eine britische Schulreform aus dem Jahr 1972 scheint Jahrzehnte später zu weniger Demenzdiagnosen geführt zu haben. Eine Studie deutet darauf hin, dass mehr Bildung das Demenzrisiko senken könnte, selbst bei […]