Schlaganfall: Strategien für die Postakutphase gesucht27. Februar 2020 Foto: ©Orawan – stock.adobe.com Auf der Suche nach Wirkstoffkandidaten, die die Neuroplastizität in der Postakutphase des ischämischen Schlaganfalls fördern, haben Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen Parameter identifiziert, die die Erfolgswahrscheinlichkeit künftiger Postakutstudien beeinflussen. Die Schlaganfall-Forschung hat sich in den vergangenen 30 Jahre vor allem auf Therapien in der Akutphase konzentriert, die ein Zeitfenster von wenigen Stunden bis Tagen nach einer Durchblutungsstörung im Gehirn meint. „Dort steckt man aber in einer Sackgasse“, sagt Prof. Hermann, Lehrstuhlinhaber für Vaskuläre Neurologie, Demenz und Altersforschung an der Universität Duisburg-Essen. In der Studie richtet sich der Fokus deshalb auf die Wochen und Monate nach einem Schlaganfall, die Postakutphase. „Trotz der Fortschritte in der Akuttherapie leidet die Mehrzahl aller Schlaganfall-Patienten langfristig an neurologischen Defiziten wie Lähmungserscheinungen, Koordinations- und Sprachstörungen“, betont Hermann von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Die Schlaganfall-Forscher richten ihr Augenmerk daher verstärkt auf die Entwicklung plastizitätsfördernder Therapien in der Postakutphase. „Gesucht werden Mittel, die nach einem Schlaganfall Nervenzellen im gesundgebliebenen Hirngewebe stimulieren, damit diese auswachsen können und neue Nervenzellverbindungen schaffen.“ Zellen sind lernfähig, sie können ein Leben lang neue Zuständigkeiten übernehmen. Die Forscher suchen nach einem Medikament, das Neurone unterstützt, zukünftig die Aufgaben abgestorbener Zellen wahrzunehmen, wodurch die Schlaganfall-Erholung begünstigt würde. In einer aktuellen Studie untersuchte Hermann über drei Jahre hinweg die Wirksamkeit des vielversprechenden GABAA-α5-Rezeptor-Hemmstoffs S44819. Der erhoffte erholungsfördernde Effekt konnte zwar nicht bestätigt werden; aber anhand der Studie können Forschende jetzt Wesentliches über die Faktoren lernen, die die Erfolgswahrscheinlichkeit künftiger Postakutstudien beeinflussen. „Patienten müssen über Monate hinweg betreut und nachuntersucht werden. Dies bringt für die Erforschung neuer Medikamente beträchtliche Herausforderungen mit. Wir werden in Zukunft Studienprotokolle verwenden, die Funktionsverbesserungen feiner graduiert erfassen“, sagt der Schlaganfall-Spezialist. Die Autoren sind zuversichtlich, dass es dank der Erkenntnisse gelingen wird, wirksame Therapien in die klinische Schlaganfall-Versorgung zu bringen. Originalpublikation: Chabriat H et al.: Safety and efficacy of GABAA α5 antagonist S44819 in patients with ischaemic stroke: a multicentre, double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet Neurology 2020;1(3):226-233.
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