Schmerzdiagnostik: zu viele Bilder, zu wenig Nutzen11. Mai 2026 Nicole Lindner bespricht mit einer Patientin mit Beschwerden am Bewegungsapparat die verschiedenen Optionen von Diagnose und Therapie. (Foto: Ole Fischer) Eine neue Studie zeigt Wege aus der Überdiagnostik bei Schmerzen am Bewegungsapparat. Das Projekt „Betti“ setzt dabei auf bessere Entscheidungen in der ärztlichen Versorgung. Bildgebung ist aus der modernen Medizin nicht wegzudenken – doch bei Schmerzen des Bewegungsapparats wird sie häufig zu oft und nicht zielgerichtet eingesetzt. Gerade bei Rückenschmerzen oder anderen Schmerzen am Bewegungsapparat führen Röntgen- oder MRT-Untersuchungen nicht immer zu besseren Diagnosen, sondern können Patienten verunsichern, unnötige Folgebehandlungen auslösen und erhebliche Kosten verursachen. Forschende der Universität Marburg um Dr. Nicole Lindner und Prof. Annika Viniol sprechen daher von einer strukturellen Überversorgung, die eine präzisere und evidenzbasierte Entscheidungsfindung dringend erforderlich macht. Besser mit „Betti“ Im jetzt im Fachblatt „Implementation Science Communications“ veröffentlichten Paper stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Programm „Betti“ („Better Imaging“) vor (DOI: 10.1186/s43058-026-00949-4). Programm und Intervention wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und nach den Leitlinien des britischen Medical Research Council für komplexe Interventionen entwickelt. Grundlage waren eine umfassende Literaturauswertung, qualitative Interviews mit Patienten sowie Feedback von Experten. Herausgekommen ist ein mehrstufiges Konzept: ein multimediales Training für Hausärzte, ein leitlinienbasiertes Entscheidungssystem sowie verständlich aufbereitete Informationsmaterialien für Patienten, zum Beispiel über die Webseite https://entscheidung-bildgebung.de. Erste Tests zeigen eine hohe Akzeptanz – machen aber auch deutlich, dass die Integration in die ärztliche Beratung entscheidend für den Erfolg ist. Bessere Kommunikation Wie die Uni Marburg betont liefert das Projekt damit wichtige Impulse über die konkrete Anwendung hinaus. „Betti“ zeige exemplarisch, wie sich sogenannte „low-value care“, also medizinische Leistungen ohne oder mit nur wenig Nutzen, gezielt reduzieren lässt – nicht durch Verbote, sondern durch bessere Kommunikation, gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient sowie strukturelle Unterstützung im Praxisalltag. „Angesichts des häufigen Auftretens solcher Schmerzen am Bewegungsapparat eröffnet der Ansatz das Potenzial, die allgemeinärztliche Versorgung nachhaltiger, patientenzentrierter und effizienter zu gestalten“, folgert Erstautorin Dr. Nicole Lindner aus den Studienergebnissen.
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