Schnarchende Fahrer: Warnung vor Verkehrsunfällen durch Schlafapnoe15. Februar 2018 Symbolbild: © Superingo – Fotolia.com Fast 1900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden im Jahr 2016 durch Übermüdung verursacht. Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf sind häufig die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe. Für die Betroffenen ist der Schlaf nicht erholsam, sie wachen morgens unerholt auf. Im Straßenverkehr haben sie ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko Unfälle zu verursachen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. Im Vorfeld ihres 59. Kongresses warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen unbehandelter Schlafstörungen. Wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann, verdeutlichen zwei Zugunglücke, die sich in New York und New Jersey ereigneten, weil die jeweiligen Lokführer am Steuerpult eingenickt waren. Wie sich herausstellte, litten beide an einer obstruktiven Schlafapnoe. In Deutschland und der EU dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden. Ähnliches gilt auch für Menschen, die gefährliche Arbeitsgeräte bedienen. Eine Schlafapnoe kann sich oft – aber nicht immer – durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar machen. „Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome“, betont Prof. Dr. Winfried Randerath, Kongresspräsident der DGP 2018. „Die Anzahl der Menschen die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden ist immer noch hoch.“ Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen betroffen sind. Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. Dies kann von 10 Sekunden bis zu 2 Minuten dauern sowie die Atmung und die Sauerstoffversorgung unterbrechen. Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr. „Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen“, rät Randerath, der als Chefarzt am Krankenhaus Bethanien in Solingen tätig ist. Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall. Durch die große Zahl der Betroffenen, Arbeitsausfallzeiten, Unfälle und Folgeerkrankungen wird die Schlafapnoe zu einem gesundheitlichen wie auch gesellschaftlichen Problem. Die ambulante Versorgung deckt nur einen Teil der Diagnostik und Therapie des nicht erholsamen Schlafs ab. Das Versorgungsangebot für Patienten wird hierzulande immer knapper, so Randerath. „Weil die Krankenkassen immer weniger stationäre Behandlungen bezahlen und ambulante Möglichkeiten unter-finanziert werden, stehen schlafmedizinische Angebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Die Wartezeiten für einen Termin im Schlaflabor liegen in der Regel bei mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr.“ Die Schulung und Begleitung der Patienten in der Therapie leidet darunter, auch würden Kosten für alternative Verfahren oft nicht übernommen – selbst wenn sie sich schon wissenschaftlich bewährt haben.
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