Schnelle EUnetHTA-Bewertung zur Corona-Diagnostik26. Juni 2020 Foto: © Victor Moussa – Adobe Stock Antikörper-Tests können eine zurückliegende Infektion mit SARS-CoV-2 erkennen. Das Testergebnis reicht aber nicht aus, um Immunität nachzuweisen oder Infektiosität auszuschließen. Als Gründungsmitglied beteiligt sich das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seit 2006 an EUnetHTA, einem europäischen Netzwerk zur Gesundheitstechnologie-Bewertung (HTA=Health Technology Assessment). Die Europäische Union fördert das Netzwerk. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hat das EU-Gesundheitsdirektorat die EUnetHTA-Partner dazu aufgefordert, sich wissenschaftlich bei der Bekämpfung der Pandemie zu engagieren. Vor diesem Hintergrund unterstützte das IQWiG nun die Gesundheitsagentur der Region Emilia Romagna in Bologna bei einer ersten Bewertung zur Corona-Diagnostik. Initiator des HTA-Berichts war die italienische Partnerorganisation, die auch das Thema festlegte. Neben dem IQWiG beteiligte sich auch ein walisischer Partner als Co-Autor an der Berichterstellung. Antikörper-Tests messen die Immunantwort des Körpers. Hierbei werden die vom Körper produzierten Antikörper erfasst – zumeist über die Messung der Immunglobuline M und G. Weil der Körper mehrere Tage braucht, um eine messbare Immunantwort zu produzieren, schlagen Antikörper-Tests nach einer Infektion erst stark verzögert an. Antikörper-Tests auf das Corona-Virus sind daher zu langsam, um bei Auftreten fraglicher Symptome akut eine Infektion nachweisen oder ausschließen zu können. Man kann aber mit Antikörper-Tests in Feldstudien erfassen, welcher Anteil der Bevölkerung eine Corona-Infektion durchgemacht hat (Seroprävalenz). Weder Immunität noch Nicht-Infektiosität sicher nachweisbar Nach Auswertung von weltweit insgesamt 40 Studien schlussfolgern die Autorinnen und Autoren des EUnetHTA-Berichts, dass die Antikörper-Tests eine zurückliegende Infektion mit dem SARS-Corona-Virus 2 nachweisen können. Jedoch ist die Genauigkeit der Tests bislang nicht ausreichend. Vor allem aber ist noch fraglich, ob ein positives Testergebnis als Zeichen einer Immunität gegen eine erneute Infektion gewertet werden kann. Auch ist ein positives Testergebnis nach überstandener Infektion kein sicherer Nachweis dafür, dass die Person das Virus nicht mehr an andere Personen übertragen kann. Die Corona-Diagnostik richtig einsetzen Wegen der Dringlichkeit ist der nun vorliegende EUnetHTA-Bericht ungewöhnlich schnell erstellt worden (binnen 6 Wochen). Da nahezu wöchentlich neue Studienergebnisse zu erwarten sind, wird die Bewertung der Antikörper-Tests voraussichtlich in etwa 3 Monaten aktualisiert – wieder unter Federführung der Gesundheitsagentur in Bologna und mit Unterstützung des IQWiG. Die Berichtsergebnisse sollen helfen, dass die Corona-Diagnostik in Europa und weltweit richtig eingesetzt wird und sich weiterentwickelt. Der jetzige EUnetHTA-Bericht hat jedoch keine direkten Folgen für die Frage, ob Corona-Antikörper-Tests in Deutschland von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt werden. Derzeit stehen die Tests als GKV-Leistung zur Verfügung, jedoch muss die Notwendigkeit der Testung im Einzelfall begründet werden. Ein positives Testergebnis ist meldepflichtig.
Mehr erfahren zu: "Sichelzellmerkmal könnte Diabetes-Diagnostik verfälschen" Sichelzellmerkmal könnte Diabetes-Diagnostik verfälschen Menschen mit einem Sichelzellmerkmal könnten häufiger unerkannt an Prädiabetes oder Diabetes leiden. Eine Studie aus Ghana zeigt, dass die Immunturbidimetrie den HbA1c-Wert bei diesen Personen deutlich unterschätzt. Die Forschenden plädieren […]
Mehr erfahren zu: "Cyberangriff auf die Praxis: BSI unterstützt bei Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie" Cyberangriff auf die Praxis: BSI unterstützt bei Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie Was tun bei einem Cyberangriff auf die eigene Praxis? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstützt Praxen dabei, aktuelle Anforderungen an die Cybersicherheit umzusetzen und dauerhaft zu verankern.
Mehr erfahren zu: "Ependymome: Metabolomische Analyse identifiziert neue Therapieziele" Ependymome: Metabolomische Analyse identifiziert neue Therapieziele Ependymome stellen eine der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems bei Kindern dar. Eine neue Studie liefert eine systematische Charakterisierung der Stoffwechselprogramme dieser Tumoren und deutet auf potenzielle Angriffspunkte für […]