Schonende Therapie bei Achalasie genauso erfolgreich wie eine Operation5. Dezember 2019 Grafik: © Sebastian Kaulitzki/Adobe Stock Eine Achalasie kann neuesten Erkenntnissen zufolge sehr erfolgreich mit einer schonenden endoskopischen Behandlung durchgeführt werden. Die Methode ist genauso erfolgreich wie ein chirurgischer Eingriff, der bislang als Standardverfahren galt. Das hat eine multizentrische klinische Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ergeben. Die Achalasie ist eine seltene Erkrankung der Speiseröhre, die erhebliche Schluckbeschwerden hervorrufen kann. „Ursache ist eine dauerhafte Verkrampfung des am unteren Ende der Speiseröhre gelegenen Schließmuskels, sodass Nahrung nicht oder nur unvollständig in den Magen gelangt“, erläutert Prof. Thomas Rösch, Direktor der Klinik für Interdisziplinäre Endoskopie des UKE. Herkömmliche Behandlungsverfahren sind entweder wiederholte Ballonaufdehnungen, die unter Röntgenkontrolle während einer Endoskopie durchgeführt werden, oder aber eine Operation mittels Schlüssellochchirurgie, bei der der Schließmuskel der Speiseröhre durchtrennt wird. Endoskopisches Verfahren verbessert Speiseröhrenfunktion und Lebensqualität „Die Perorale Endoskopische Myotomie, POEM genannt, ist eine neu entwickelte Behandlungsform, die die Durchtrennung des Speiseröhren-Schließmuskels ausschließlich während einer Endoskopie, also ohne chirurgischen Eingriff, ermöglicht“, erklärt Studienleiterin Dr. Yuki Werner. Außergewöhnlich bei diesem neuen Verfahren sei, dass trotz der Durchtrennung der muskulären Barriere kaum Bakterien von der Speiseröhre in die Bauchhöhle gelangen, sodass schwere und lebensbedrohliche Entzündungen ausblieben. In einer klinischen Studie, die an acht Behandlungszentren in sechs europäischen Ländern durchgeführt wurde, wurden Endoskopie und Chirurgie bei 221 Patienten miteinander verglichen. Der Verlauf wurde zwei Jahre lang beobachtet. Ergebnis: Beide Verfahren waren nahezu gleich erfolgreich (Endoskopie 83,0 Prozent versus Chirurgie 81,7 Prozent), was sich in annähernd identischen Verbesserungen der Speiseröhrenfunktion und der Lebensqualität niederschlug. Akute Komplikationen traten bei der endoskopischen Behandlung (2,7%) seltener auf als bei dem chirurgischen Verfahren (7,3%). Werner: „Allerdings war nach zwei Jahren die Refluxrate bei endoskopisch behandelten Patienten höher. Dies müssen wir in Zukunft weiter untersuchen.“ Rösch fasst zusammen: „Die Einführung der endoskopischen Arbeitstechnik POEM hat weltweit einen Innovationsschub in den gastroenterologischen und viszeralchirurgischen Bereichen ausgelöst. Vergleichende Studien mit etablierten Therapieverfahren sind von großer Bedeutung für die klinische Praxis und damit für die behandelten Patientinnen und Patienten.“ Die internationale, vom UKE geleitete Studie wurde durch mehrere, vor allem Hamburger Stiftungen gefördert.
Mehr erfahren zu: "Tumorzelleigenes „Alarmsystem“ verbessert Wirksamkeit der CAR-T-Zell-Therapie" Tumorzelleigenes „Alarmsystem“ verbessert Wirksamkeit der CAR-T-Zell-Therapie Münchener Wissenschaftler haben mit einer Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung in Höhe von 146.000 Euro zentrale Resistenzmechanismen von Tumorzellen gegenüber CAR-T-Zellen aufgedeckt.
Mehr erfahren zu: "Strategischer Einsatz von KI als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Kliniken" Strategischer Einsatz von KI als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Kliniken Wie können Krankenhäuser Künstliche Intelligenz (KI) so einsetzen, dass sie medizinisches Personal nachhaltig entlastet, die Versorgungsqualität verbessert und gleichzeitig regulatorischen Anforderungen gerecht wird? Antworten liefert das neue Whitepaper „Künstliche Intelligenz […]
Mehr erfahren zu: "Knochenbrüche nach Eisenmangel: Wahl des Eisenpräparates beeinflusst Frakturrisiko" Weiterlesen nach Anmeldung Knochenbrüche nach Eisenmangel: Wahl des Eisenpräparates beeinflusst Frakturrisiko Eisenmangel betrifft allein in Europa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter. Moderne intravenöse Eisentherapien können den Mangel zwar schnell und effektiv beheben, doch nun warnen Forschende aus Innsbruck, Österreich, dass […]