Schutz vor Demenz durch Kaffee

Laut neuer Beobachtungsstudie ist ein höherer Kaffeekonsum mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert. (Bild: © Jenny Sturm/stock.adobe.com)

Wie eine große prospektive Kohortenstudie zeigte, könnte der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee und Tee das Risiko für Demenz senken. Dafür waren nur 2,5-4,5 Tassen Kaffee täglich erforderlich. Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie gibt es durchaus plausible Erklärungen für diesen beobachteten Effekt, auch wenn es sich nur um eine Beobachtungstudie handelt.

Die zugrundeliegende Hypothese der aktuellen Studie war, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee mit einem geringeren Demenzrisiko und einer besseren kognitiven Funktion einhergeht. Ausgewertet wurden Daten der „Nurses’ Health Study“ (NHS) und der „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS), in denen prospektiv die Teilnehmenden bislang über 43 Jahre nachbeobachtet wurden. In diesem Zeitraum fanden wiederholt Erhebungen der Ernährungsgewohnheiten und des kognitiven Status (subjektiv und objektiv) statt, auch Untersuchungen auf Demenz. „Allein schon dadurch hebt sich die neue Studie positiv von anderen ab, in denen die Ernährungsgewohnheiten nur zu Beginn erhoben wurden und die oft nur einen kurzen Nachbeobachtungszeitraum hatten“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Peter Berlit. Auch die Patientenselektion erfolgte mit der notwendigen Sorgfalt: es wurden nicht nur vorerkrankte Personen mit Tumorleiden, Parkinson oder Demenz ausgeschlossen, sondern auch diejenigen, die unplausible Angaben zu ihrer täglichen Kalorienzufuhr machten und sich somit als nicht zuverlässig bei der Dokumentation ihrer Ernährungsgewohnheiten auf den Fragebögen erwiesen.

Beobachtungsstudie zu Kaffeekonsum und Demenz

Insgesamt wurden 86.606 Teilnehmerinnen aus der NHS-Kohorte und 45.215 Teilnehmer der HPFS-Kohorte in die Analyse einbezogen. Von den 131.821 Personen entwickelten 11.033 während des Follow-ups eine Demenz. Die Studienteilnehmenden waren je nach ihrem Kaffeekonsum in Quartile eingeteilt worden, anschließend wurde statistisch ausgewertet, welches Quartil mit der geringsten Demenzinzidenz einherging. Um die Datenrobustheit sicherzustellen, wurden zwei multivariate Modelle genutzt. In Modell 1 wurde der Einfluss von demografischen Merkmalen, Familienanamnese und Gesamtenergiezufuhr herausgerechnet (letzteres unter anderem, um Unterschiede in Körpergröße und Stoffwechseleffizienz zu berücksichtigen). Modell 2 bereinigte für Lebensstilfaktoren, Ernährungsqualität, soziale Faktoren und klinische Komorbiditäten.

Im obersten Quartil nahmen Frauen durchschnittlich 4,5 Tassen pro Tag zu sich (eine Tasse wurde definiert als 237 ml koffeinhaltiger Kaffee oder Tee), Männer 2,5 Tassen pro Tag. Im untersten Quartil wurde keinerlei Kaffee oder Tee konsumiert, im zweiten Quartil 0,43 Tassen (Frauen und Männer) und im dritten Quartil 2,5 Tassen (Frauen) und 1,25 Tassen (Männern).

Im Ergebnis zeigte sich, dass ein höherer Kaffeekonsum mit einem signifikant geringeren Demenzrisiko verbunden war (141 vs. 330 Fälle pro 100.000 Personenjahre beim Vergleich des höchsten Quartils mit dem niedrigsten Quartil). Es zeigte sich auch eine geringere Prävalenz subjektiver kognitiver Beeinträchtigungen (7,8 Prozent gegenüber 9,5 Prozent). „Das heißt, wer koffeinhaltigen Kaffee trank, konnte sein Demenzrisiko um 18 Prozent senken, was durchaus ein nennenswerter Effekt wäre“, hebt Berlit hervor. Koffeinfreie Getränke (Kaffee oder Tee) hatten hingegen keinen schützenden Effekt.

Mögliche Erklärungsansätze

Doch ist ein solcher Effekt plausibel? Welche Erklärungsansätze gibt es für einen möglichen demenzprotektiven Effekt von Kaffee? Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren könnte dieser auf verschiedene Mechanismen zurückzuführen sein:

  • Koffein reduziert Beta-Amyloid (Aβ)-Ablagerungen im Gehirn. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Koffein Aβ-Spiegel senkt, die β- und γ-Sekretase-Aktivität unterdrückt, die neuronale Plastizität verbessert und die Mitochondrienfunktion sowie andere Signalwege stimuliert.
  • Darüber hinaus kann Koffein proinflammatorischen Zytokine im Gehirn senken und Neuroinflammation als Treiber von kognitivem Verfall reduzieren. Neben Koffein enthalten Kaffee und Tee auch bioaktive Verbindungen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine, die oxidativen Stress reduzieren und die zerebrovaskuläre Funktion verbessern.
  • Auch die Fähigkeit von Koffein, die Insulinsensitivität zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, könnte zu seiner schützenden Wirkung auf die kognitive Gesundheit beitragen.

Die Ergebnisse der Studie seien somit physiologisch plausibel, betont Berlit. „Allerdings handelt es sich nur um Beobachtungsdaten, auch wenn die Studie qualitativ sehr hochwertig gemacht ist.“

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