Schwangerschaftskomplikationen mit deutlich höherem kardiometabolisch-renalen Risiko verbunden

Bild: KI-generiert mit Gemini

Frauen, bei denen es während der einer Schwangerschaft zu Komplikationen gekommen ist, haben in den Folgejahren ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiometabolisch-renale (CKM) Erkrankungen. Darauf deutet eine Beobachtungsstudie an rund 1,4 Millionen britischen Frauen hin.

Wie die Studie zeigt, waren insbesondere Gestationsdiabetes, Schwangerschaftshypertonie und postnatale Depression mit einem erhöhten Risiko für vier kardiometabolisch-renale (CKM) Erkrankungen assoziiert: kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD), Typ-2-Diabetes, Hypertonie und chronische Nierenerkrankungen (CKD).

Auch eine Frühgeburt, Fehlgeburt, Totgeburt, vorzeitige Plazentaablösung sowie ein für das Gestationsalter zu kleines oder zu großes Neugeborenes gingen mit einem erhöhten Risiko für mindestens eine kardiometabolisch-renale Erkrankung einher. Die Ergebnisse sind im Open-Access-Journal „BMJ Medicine“ veröffentlicht

Deutlich höheres Risiko nach Gestationsdiabetes und Schwangerschaftshypertonie

Der Zusammenhang zwischen Gestationsdiabetes beziehungsweise Schwangerschaftshypertonie und der späteren Entwicklung von Typ-2-Diabetes, CVD und CKD ist bereits aus früheren Untersuchungen bekannt. Für andere Schwangerschaftskomplikationen liegen dagegen bislang nur begrenzt Daten vor. Zudem wurde in den meisten früheren Studien ausschließlich die jeweils letzte Schwangerschaft berücksichtigt und nur wenige Untersuchungen hatten die Entwicklung einer CKD als Endpunkt betrachtet.

Um diese Evidenzlücke zu schließen, werteten die Forschenden eine große britische Primärversorgungsdatenbank aus. Eingeschlossen wurden Frauen, die zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31. Dezember 2022 schwanger gewesen und bei einer Hausarztpraxis im Vereinigten Königreich registriert waren. Die Daten wurden mit Krankenhausdaten verknüpft, um Schwangerschaftskomplikationen zu erfassen. Insgesamt identifizierten die Forschenden mehr als 1,4 Millionen Frauen mit Schwangerschaften, mit oder ohne Komplikationen. Die Frauen wurden im Durchschnitt vier Jahre lang nachbeobachtet.

Bei Gestationshypertonie und Präeklampsie war die Rate späterer Hypertonieerkrankungen mehr als dreimal so hoch. Das Risiko für eine CKD war etwa verdoppelt. Auch für CVD und Typ-2-Diabetes zeigten sich – wenn auch geringere – Risikoerhöhungen. Ein Gestationsdiabetes war mit einer etwa siebenfach erhöhten Rate von Typ-2-Diabetes verbunden. Darüber hinaus traten auch Hypertonie und CVD häufiger auf. Diese Ergebnisse decken sich mit denen aus vorherigen Untersuchungen (wir berichteten).

Auch weniger gut untersuchte Komplikationen relevant

Die Analyse zeigte zudem Zusammenhänge, die bislang weniger gut untersucht waren. Eine postnatale Depression nach der letzten Schwangerschaft war mit einer um 35 bis 56 Prozent erhöhten Rate aller vier untersuchten kardiometabolisch-renalen Endpunkte verbunden. Auch eine Fehlgeburt, Totgeburt, vorzeitige Plazentaablösung und Frühgeburt in der letzten oder einer früheren Schwangerschaft gingen mit moderat erhöhten Raten eines oder mehrerer dieser Erkrankungen einher.

Nach Einschätzung der Autoren sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die den Zusammenhängen zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen. Außerdem sollte geprüft werden, ob die Berücksichtigung der reproduktionsmedizinischen beziehungsweise geburtshilflichen Anamnese in bestehenden Risikomodellen die Vorhersage der späteren kardialen, renalen und metabolischen Gesundheit von Frauen verbessert.

Beobachtungsstudie erlaubt keine Kausalaussage

Als Stärke der Studie sehen die Forschenden die Verwendung einer großen hausärztlichen Datenbank. Diese bilde die britische Bevölkerung hinsichtlich geografischer Verteilung, sozioökonomischer Benachteiligung und Altersstruktur vergleichsweise gut ab. Zu den Limitationen der Untersuchung zählen fehlende Angaben zu Ernährungsgewohnheiten und körperlicher Aktivität. Für etwa ein Fünftel der Studienteilnehmerinnen lagen keine Angaben zur ethnischen Zugehörigkeit vor.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, dass die jeweiligen Schwangerschaftskomplikationen die späteren Erkrankungen unmittelbar verursachen. Vielmehr könnten die Komplikationen als klinische Marker für ein bereits zugrunde liegendes erhöhtes Risiko dienen, betonen die Autoren. Sie appellieren daher für die Erhebung einer vollständigen reproduktionsmedizinischen Anamnese. Auch könne die Zeit nach der Geburt eine günstige Gelegenheit für eine individuelle Risikobewertung und präventive kardioprotektive Maßnahmen darstellen.

(mkl/BIERMANN)