Schwerer Rucksack für Jens Spahns Nachfolger25. November 2021 Andrea Buzzi, CEO und Gründerin von The Medical Network, ist überzeugt, dass der ambitionierte Kurs von Jens Spahn weitergeführt werden muss. Foto: Klaus Knuffmann Der künftige Bundesminister für Gesundheit wird einiges zu schultern haben – so etwa im Bereich Digitalisierung. Die Hamburger Kommunikationsberatung The Medical Network (TMN) hat dazu Top-Entscheider aus der digitalen Gesundheitsbranche befragt. Es gibt gute Noten für Spahn und viele Wünsche an den Nachfolger. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP ist unterschrieben. Die Benennung und Vereidigung des neuen Kabinetts steht damit unmittelbar bevor. Das heißt: Es wird ein neues Gesicht an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums geben – nach mehr als dreieinhalb Jahren, in denen Jens Spahn (CDU) die Gesundheitspolitik bestimmt hat. Und auf die Neue oder den Neuen kommen viele Herausforderungen zu, nicht nur in der Pandemie-Bekämpfung, sondern auch im Bereich Digitalisierung. Zum 1. Januar 2022 soll das E-Rezept bundesweit eingeführt werden, digitale Pflegeanwendungen (DiPA) kommen im nächsten Jahr und die elektronische Patientenakte (ePA) steht ebenfalls auf der Agenda. Gutes Abschlusszeugnis für Jens Spahn “Gerade im Bereich Digitalisierung hat Jens Spahn einiges angestoßen und hat aus meiner Sicht viele und richtige Weichen für eine Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft gestellt. Ich hoffe, dass sein Nachfolger diesen ambitionierten Kurs weiterführt”, meint Andrea Buzzi, Gründerin und CEO von TMN und ehemalige Krankenschwester. Die Kommunikationsexperten von TMN haben deswegen eine Trend-Umfrage unter Spitzenkräften der digitalen Gesundheitswirtschaft durchgeführt. Für das Spitzenkräfte-Panel hat TNM 22 Entscheider der digitalen Gesundheitswirtschaft im November 2021 per Online-Survey befragt. TMN führt als Agentur regelmäßig Umfragen unter den führenden Köpfen der E-Health-Branche zu aktuellen Themen durch. Als erstes wollten sie wissen, wie die Teilnehmer die digitale Gesundheitspolitik von Jens Spahn bewerten – als eine Art Abschlusszeugnis. Spahn erreicht eine Durchschnittsschulnote von 2,43. Von den Top-Entscheidern der E-Health-Branche wird er also deutlich positiver beurteilt als beispielsweise von Krankenhaus-Angestellten. Die haben ihm in einer aktuellen Umfrage von f&w (führen&wirtschaften im Krankenhaus) die Durchschnittsnote 4,35 ausgestellt. To Do-Liste für den Nachfolger “Probleme und offene Enden in der digitalen Gesundheitswirtschaft gibt es reichlich, aber wir stehen auch erst am Anfang einer digitalen Evolution. Daher ist es wichtig, Schwerpunkte zu setzen und etwa den Trend zu Telemonitoring nicht auszubremsen und digitale Technologie auch in der Pflege massiv zu fördern, da haben wir große Probleme zu lösen”, erklärt Buzzi. Die befragten E-Health-Experten forderten mit jeweils 25 Prozent der Stimmen die Erleichterung des Zugangs zu DiGAs und die Förderung der Digitalisierung durch konkrete Anreize. Sebastian Mansow-Model, Managing Director von Motognosis, einem Unternehmen, das eine automatisierte Ganzkörper-Bewegungsanalyse entwickelt hat, vertritt dazu eine klare Meinung: “Der neue Gesundheitsminister oder die neue Gesundheitsministerin sollte keinesfalls mit einer ‘not invented here’-Einstellung an die Digitalisierungsinitiativen der scheidenden Regierung herangehen, sondern konstruktiv darauf aufbauen. Viele Ecken und Kanten von DiGAs, DiPAs und ePA müssen glattgeschliffen werden.” Wunschzettel der E-Health-Spitzenkräfte Zum Abschluss der Befragung konnten die Teilnehmer:innen Jens Spahns Nachfolger noch – passend zur Adventszeit – einen digitalen Wunschzettel in den Rucksack packen. Manche haben ihre Wünsche eher als politische Grundsätze formuliert, wie etwa Lisanna Quintes, Communications Manager bei Nordic Netcare, einem Healthcare-Unternehmen im Bereich Physiotherapie: “Digitalisierung braucht menschliche Interaktion.” Andere wünschen sich wiederum sehr konkrete Dinge. Dazu gehört Torsten Christann, Partner bei Digital Oxygen, einer Consulting Agentur, die im Bereich E-Health sehr aktiv ist: Der oder die Neue sollte “neben der Digitalisierung in der Pflege weiter einen Fokus auf die Einführung des E-Rezepts und die Modernisierung unserer Krankenhäuser haben.” Für Ulrike Jäger, Gründerin und CEO von vimum, einem Online-Anbieter von Schwangerschaftskursen, steht das Thema DiGAs im Vordergrund: Sie wünscht sich eine “kluge Weiterentwicklung des schon bestehenden DiGA-Fundaments.” Christian Draws, Head of Technology von Teladoc Health Germany , einem Telemedizin-Unternehmen, setzt den Schwerpunkt dagegen bei der elektronischen Patientenakte: “Die Berechtigungen für die sichere Datenweitergabe per ePA muss auf Opt-out geändert werden.” Hannes Klöpper, CEO von HelloBetter, einem DiGA-Hersteller aus Hamburg und Berlin, geht es vor allem um eine Weiterführung der Arbeit von Spahn: “Ich würde mir wünschen, dass der oder die neue Bundesminister:in mit demselben Elan und dem Mut zur Veränderung ans Werk geht, der das Bundesgesundheitsministerium in der vergangenen Legislaturperiode ausgezeichnet hat.” David Boutellier, Head of Europe von Kaia Health, einem Anbieter für digitale multimodale Schmerztherapien, sieht das sehr ähnlich: Er erwartet “eine Weiterführung des Kurses hin zur Digitalisierung und eine klare und offene Kommunikation über die langfristige Agenda, wo sich das Gesundheitswesen hin entwickeln sollte.” Mehr Innovationsanreize und auch eine größere finanzielle Stabilität in Gesundheitswesen wünscht sich Dr. Raphaël Murswieck, Director Research & Development TheOneMedical, einem Hersteller von Medizinprodukten. Auf seinen Wunschzettel schreibt er außerdem: “Die Kooperation mit innovativen Medtech-Startups sollte gezielt gefördert werden, zum Beispiel mit der Fortführung des Industrie-in-Klinik-Programms.” “Insgesamt ist damit der Rucksack für die Nachfolgerin oder den Nachfolger ganz schön vollgepackt”, sagt TMN-CEO Buzzi . “Die Umfrage hat deutlich gemacht, dass Jens Spahn einen Weg in der Digitalisierung vorgegeben hat, der jetzt konsequent weitergeführt werden sollte. Darin sehen wir auch die Hauptaufgabe im Bereich E-Health und daran wird sich die neue Bundesgesundheitsministerin oder der Minister messen lassen müssen.” (TMN/ms)
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