Sechs Monate nach schwerem COVID-19: Deutlich erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen19. April 2023 Bild: © peterschreiber.media – stock.adobe.com Menschen, die aufgrund von schwerem COVID-19 beatmetet werden müssen, weisen im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne schwere Infektion ein 16-fach erhöhtes Risiko für Kammertachykardien in den folgenden sechs Monaten auf. Das geht aus Forschungsergebnissen hervor, die auf dem Jahreskongress der European Heart Rhythm Association (EHRA 2023) vorgestellt wurden. Auch das Risiko für andere Herzrhythmusstörungen ist demnach erhöht. „Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, nach einer schweren COVID-19-Infektion eine ventrikuläre Tachykardie oder andere Herzrhythmusstörungen zu entwickeln, ist für den einzelnen Patienten gering, aber viel höher als bei Patienten ohne schwere Infektion“, sagt Studienautor Dr. Marcus Stahlberg vom Karolinska-Institut in Stockholm (Schweden), der die Ergebnisse im Rahmen einer Postersession präsentierte. Ziel der Studie war es, das langfristige Risiko von Herzrhythmusstörungen bei von der Intensivstation entlassenen Patientinnen und Patienten zu identifizieren, die aufgrund eines schweren COVID-19-Verlaufs eine mechanische Beatmung erhalten hatten. Dafür nutzten die Forschenden das schwedische Register für Intensivstationen, um alle COVID-19-Patienten zu identifizieren, die mit mechanischer Beatmung behandelt wurden und die Intensivstation zwischen März 2020 und Juni 2021 lebend verlassen hatten. Jeder Patient wurde nach Alter, Geschlecht und Wohnort mit bis zu zehn Personen aus der Allgemeinbevölkerung abgeglichen. Um neue Diagnosen von Herzrhythmusstörungen nach der Entlassung aus der Intensivstation zu erfassen, verwendeten Stahlberg und Mitarbeiter mehrere obligatorische nationale Register. Das primäre Ergebnis war die Hospitalisierung mit ventrikulärer Tachykardie, Vorhofflimmern, anderen Tachyarrhythmien oder Bradykardie/Schrittmacherimplantation. Die schwedische Forschungsgruppe analysierte das Risiko von Personen mit schwerer COVID-19-Erkrankung (n=3023) im Vergleich zu jenen ohne schwere COVID-19-Erkrankung (n=28.463) jede einzelne Arrhythmie zu entwickeln. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 62 Jahre und 30 Prozent waren Frauen. Demnach spiegelten die Studienteilnehmer die „typische“ Patientengruppe für eine schwerere COVID-19-Infektion wieder. Die Forschenden bereinigte die Analysen um Faktoren, die mit der Wahrscheinlichkeit von Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang stehen, darunter Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfettwerte, chronische Nierenerkrankungen und sozioökonomischer Status (Bildungsstand, Familienstand und Einkommen). Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug neun Monate. Bei den Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt waren, lag die Inzidenzrate von Kammertachykardien, Vorhofflimmern, anderen Tachyarrhythmien und Bradykardie/Schrittmacherimplantation bei 15,4, 78,4, 99,3 bzw. 8,5 pro 1000 Personenjahren. Die entsprechenden Inzidenzraten in der Kontrollgruppe betrugen 0,9, 6,0, 6,7 bzw. 0,9. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten Patienten mit schwerem COVID-19, die mechanisch beatmet werden mussten, ein 16-faches Risiko für ventrikuläre Tachykardien, ein 13-faches Risiko für Vorhofflimmern, ein 14-faches Risiko für andere Tachyarrhythmien und ein 9-faches Risiko für Bradykardie/Schrittmacherimplantation. „COVID-19-Patienten, die mechanisch beatmet werden müssen, haben oft noch andere Erkrankungen, und eine zusätzliche Herzrhythmusstörung kann zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands führen. Diese Patienten sollten einen Arzt aufsuchen, wenn sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen entwickeln, damit sie auf mögliche Herzrhythmusstörungen untersucht werden können“, rät Stahlberg. „Ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen nach einer COVID-19-Behandlung wurde bereits früher bei einem Großteil der COVID-19-Patienten festgestellt, die nicht auf der Intensivstation behandelt werden mussten“, so Stahlberg. In der Gesamtschau mit den neuen Daten sollten sich Krankenhäuser seiner Ansicht nach auf eine Zunahme von Patientinnen und Patienten einstellen, die wegen neu auftretender Herzrhythmusstörungen behandelt werden müssen. (ah)
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