Selpercatinib beim RET-Fusions–positiven NSCLC: Signifikant längeres progressionsfreies Überleben als mit platinbasierter Chemotherapie

Strukturformel Selpercatinib (Abbildung: © molekuul.be/stock.adobe.com

In der multizentrischen Phase-III-Studie LIBRETTO-431 haben Forschende die Wirksamkeit und Sicherheit von Selpercatinib beim Nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) mit genomischen Veränderungen im RET-Gen im Vergleich zu einer Kontrollbehandlung bewertet.

Die Kontrollbehandlung in der genannten Studie bestand aus einer platinbasierten Chemotherapie in Kombination mit oder ohne den Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab. Untersucht wurde die Wirksamkeit von Selpercatinib bei Patienten mit NSCLC, die genomische Veränderungen im RET-Gen aufwiesen. Die Therapie basierte auf einem RET-Hemmer, dessen Ziel es ist, die Wirkung des abnormalen Gens zu blockieren, das für die Proliferation von Krebszellen verantwortlich ist. Die Kombination einer Chemotherapie mit Pembrolizumab ist die Standardbehandlung für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die Wirksamkeit bei Patienten mit RET-Gentranslokationen sei jedoch ungewiss, erklären die Autoren der aktuellen Studie. Sie verglichen daher die beiden Therapien, um festzustellen, welche Behandlung als Erstlinientherapie wirksamer ist.

An der Studie nahmen 261 Patienten aus 23 Ländern teil, die an fortgeschrittenem NSCLC mit RET-Gentranslokation litten (Zeitraum März 2020 bis August 2022) und in eine Behandlungs- oder Kontrollgruppe randomisiert wurden.

Bei den Patienten, die Selpercatinib erhielten, war eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens zu beobachten: Sie erreichten 24,8 Monate im Vergleich zu nur 11,2 Monaten in der Kontrollgruppe.

Die Forscher bewerteten auch die Wirksamkeit der Medikamente bei intrakraniellen Läsionen. Zu Beginn der Studie wurden 42 Patienten mit Hirnmetastasen identifiziert. Mit Selpercatinib ließen sich bestehende Metastasen im Zentralnervensystem behandeln und die Bildung neuer intrakranieller Metastasen verhindern. Dieser Befund ist relevant, da die Behandlung von Hirnmetastasen aufgrund der Blut-Hirn-Schranke eine Herausforderung darstellt, die die Wirkung der meisten Krebsmedikamente auf Läsionen im Gehirn verhindert.

Ein weiterer bewerteter Punkt war die Sicherheit der Behandlung. Bei Patienten, die Selpercatinib erhielten, traten Nebenwirkungen auf, die sich von denen einer Chemotherapie unterschieden – darunter erhöhte Werte für Leberenzyme, die nach einer Dosisanpassung kontrolliert werden konnten, und Hypertonie.

„Diese Studie verdeutlicht die Bedeutung der geeigneten Auswahl der Behandlung für Lungenkrebspatienten entsprechend den molekularen Eigenschaften des Tumors“, unterstreicht Co-Autorin Dr. Milena Perez Mak vom D’Or Institute for Research and Education und klinische Onkologin am São Paulo State Cancer Institute (Brasilien). „Durch den Einsatz von Präzisionsmedizin ist es möglich, bessere Ergebnisse zu erzielen, wie diese Studie zeigt.“