Seltene Erythrodermie mittels Immunphänotypisierung diagnostiziert27. Februar 2025 © New Africa – stock.adobe.com (Symbolbild) Mithilfe eines neuen Diagnosetests für die Immunphänotypisierung von peripherem Blut konnten Forschende aus den USA eine Erythrodermie identifizieren und die Symptome mit gezielten Behandlungen rückgängig machen. Eine beträchtliche Anzahl von Amerikanern leidet unter chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen, für die es keine eindeutige Ursache und oft auch keine wirksamen Behandlungen gibt, die über eine Symptombehandlung hinausgehen. Nun könnte eine neue Studie den Weg für präzisionsmedizinische Diagnosetests und gezielte Behandlungen ebnen. In der kürzlich in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlichten Artikel beschreiben Forschende der University of Maryland School of Medicine, USA, eine neue Hauterkrankung bei einem männlichen Patienten mit Erythrodermie. Bei dem Betroffenen waren 80% seiner Haut mit roten, abblätternden Hautläsionen bedeckt, die juckten und brannten. Auch nach monatelanger Behandlung mit herkömmlichen Therapien, zu denen Prednison, juckreizstillende Cremes und immunsuppressive Medikamente gehörten, erfuhr der Patient kaum Linderung. „Wir haben einzelne zirkulierende Blutzellen isoliert und mithilfe der Durchflusszytometrie einen neuen Bluttest entwickelt, um spezifische Zytokin-Signaturen zu identifizieren“, sagte der korrespondierende Autor der Studie, Dr. Shawn Kwatra, Leiter der Abteilung Dermatologie am University of Maryland Medical Center (UMMC). Die Autoren erhielten ein Patent für diese neue Methode, bei der die Immunphänotypisierung mittels Durchflusszytometrie des peripheren Blutes es ermöglicht, eine neuartige Form einer schweren und potenziell lebensbedrohlichen Hauterkrankung zu identifizieren. Bei der Erythrodermie handelt es sich um eine seltene, aber schwere und potenziell lebensbedrohliche Entzündung, die an den meisten Hautstellen des Körpers auftritt. Sie verursacht eine Rötung und Schuppung der Haut, die sich über den ganzen Körper ausbreitet und dazu führt, dass sich die Haut ablöst. Dies kann zu Problemen bei der Temperaturregulierung des Körpers und zu Protein- und Flüssigkeitsverlusten führen, was wiederum schwere Komplikationen zur Folge hat. Um herauszufinden, welche Komponenten des Immunsystems für die entzündliche Erkrankung verantwortlich sind, verwendeten Kwatra und sein Team eine neue Durchflusszytometrie-Plattformtechnik, um Hautkrankheiten zu immunphänotypisieren. Sie fanden heraus, dass zwei dieser Zytokine, Interleukin(IL)-13 und IL-17, bei diesem Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen und auch im Vergleich zu Patienten mit anderen bekannten Ursachen für Erythrodermie erhöht waren. Eine gezielte Behandlung mit Inhibitoren von IL-13 und IL-17 führte zur Rückbildung der Krankheit bei dem Patienten. „Wir haben in den Blutproben dieses Patienten eine neue Rolle für Interleukin-13 und Interleukin-17 gefunden, was den Einsatz dieser beiden speziellen Medikamente rechtfertigt“, sagte die Erstautorin der Studie, Hannah Cornman, angehende Dermatologin an der University of North Carolina. „Diese Zytokine schienen die Schlüsselzytokine bei der Definition der Krankheit zu sein“. Als der Patient mit einer dualen Therapie aus zwei monoklonalen Antikörpern, Dupilumab und Secukinumab, behandelt wurde, gingen seine Symptome stark zurück und verschwanden schließlich, sodass er im Wesentlichen von seiner Erythrodermie geheilt wurde. Die Autoren identifizierten auch die Zellquellen dieser pathologischen Zytokine und überwachten den Rückgang der Anzahl der immunpathogenen Zellen sowie den Rückgang der IL-13- und IL-17-Spiegel im Blut des Patienten während des gesamten Behandlungsverlaufs. „Wir haben einen neuen diagnostischen Test entwickelt, um eine bisher unbeschriebene Hautkrankheit zu entdecken und eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Wir untersuchen jetzt die Entwicklung unseres diagnostischen Tests für eine Reihe anderer entzündlicher Hauterkrankungen“, so Kwatra. „Diese Forschungsarbeit ist ein vielversprechender erster Schritt auf dem Weg zur Entwicklung hochentwickelter Diagnoseinstrumente, die die Immunphänotypisierung nutzen, um die Ursachen unspezifischer Entzündungszustände zu ermitteln. Patienten mit diesen Erkrankungen benötigen dringend Zugang zu präzisionsbasierten Therapien, damit sie ihre Symptome besser in den Griff bekommen und ein produktives Leben führen können“, sagte Mark T. Gladwin, Dekan der University of Maryland School of Medicine.
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