Sepsis: Neue Handlungsempfehlung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit15. Juli 2020 Foto: © shane/Adobe Stock 75.000 Deutsche sterben jährlich an einer Sepsis. Viele Betroffene könnten gerettet werden, doch oft werden die Symptome zu spät erkannt. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) hat nun eine Handlungsempfehlung für Ärzt und medizinisches Personal sowie eine Patienteninformation herausgegeben. Sie sollen die Früherkennung und Behandlung von Sepsis verbessern und so dazu beitragen, Leben zu retten. Etwa 15.000 bis 20.000 durch Sepsis bedingte Todesfälle pro Jahr in Deutschland gelten als vermeidbar. Ziel der aktuellen Handlungsempfehlung und Patienteninformation ist es, die Sepsissterblichkeit in Deutschland zu verringern. „Sepsis ist nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland“, so Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende im APS. „Dennoch ist die Erkrankung nach wie vor kaum bekannt. Noch immer gibt es das falsche Bild der Blutvergiftung mit dem roten Strich, der Richtung Herz wandert. Das muss sich endlich ändern, damit weniger Patienten an Sepsis sterben oder schwere Langzeitfolgen erleiden.“ „Eine Sepsis ist immer ein Notfall und muss als solcher behandelt werden, wie ein akuter Herzinfarkt oder akuter Schlaganfall“, erklärt Prof. Rainer Petzina vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, einer der Hauptautoren der Handlungsempfehlung und der Patienteninformation. „Die Erkrankung wird jedoch häufig nicht rechtzeitig erkannt; somit werden die notwendigen Maßnahmen oft zu spät eingeleitet“, so der Leiter der AG Sepsis im APS. Die Autoren klären über das Krankheitsbild der Sepsis, seine Ursachen, Symptome, Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten auf. Während sich die Handlungsempfehlung primär an Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige weiterer Gesundheitsberufe richtet, soll die Patienteninformation vor allem das Bewusstsein für Sepsis in der Bevölkerung stärken, denn ein Großteil der Sepsis-Fälle entsteht – ganz entgegen der landläufigen Meinung – nicht im Krankenhaus, sondern zuhause. „Auch wenn eine Sepsis manchmal schwer von anderen Erkrankungen wie einem grippalen Infekt zu unterscheiden ist, gibt es doch bestimmte Warnhinweise“, betont Dr. Antje Erler von der Sepsis-Stiftung, stellvertretende Leiterin der AG Sepsis und ebenfalls Hauptautorin der veröffentlichten Broschüren. „Dazu gehören unter anderem Fieber und Schüttelfrost, Kurzatmigkeit, Herzrasen, extremes Krankheitsgefühl und Verwirrtheit. Wenn mindestens zwei dieser Symptome vorhanden sind, sollten Betroffene und Angehörige an eine Sepsis denken.“ Bestätigt sich der Verdacht, muss mit der Behandlung sofort – möglichst innerhalb der ersten Stunde – begonnen werden. Studien zeigen, dass mit jeder Stunde, die ohne Behandlung vergeht, die Überlebenschance signifikant sinkt. In der Handlungsempfehlung wird Schritt für Schritt beschrieben, wie medizinisches Personal bei der Diagnostik und Therapie einer Sepsis vorgehen sollte. Zudem enthält sie eine Kitteltaschenkarten zur Diagnose und Behandlung von Sepsis. In der Patienteninformation zur Sepsis werden vor allem die Erkrankung und ihre Ursachen erklärt sowie Risikogruppen genannt. Hierzu gehören beispielsweise Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, chronisch Erkrankte, ältere Menschen über 60 Jahre und Kinder unter einem Jahr. Die Broschüre klärt auch darüber auf, wie einer Sepsis am besten vorzubeugen ist. Hier sind neben allgemeinen Hygienemaßnahmen vor allem Impfungen zu nennen, die vor Infektionen schützen, wie die Pneumokokken-Impfung, die Grippe-Impfung sowie alle weiteren von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) empfohlenen Impfungen. Die Notwendigkeit der Aufklärung über Sepsis zeigt sich besonders dann, wenn neuartige Erreger wie SARS-CoV-2, Ebola oder MERS auftreten, die grundsätzlich auch zu einer „Blutvergiftung“ führen können. Doch unabhängig von Pandemien durch neue Erreger ist bei allen kritischen Krankheitsverläufen immer die Frage zu stellen: „Kann es Sepsis sein?“
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