Septischer Schock bei Kindern: Kristalloide und Kochsalzlösung gleichwertig8. Juni 2026 In der multizentrischen Studie PRoMPT BOLUS wurden Sicherheit und Wirksamkeit einer balancierten Kristalloidlösung mit der einer 0,9-prozentigen Kochsalzlösung zur Behandlung von Kindern mit septischem Schock direkt verglichen. (Symbolfoto: ©AgFang/stock.adobe.com) Balancierte Kristalloide oder Kochsalzlösung bei septischem Schock im Kindesalter? Eine Studie mit fast 8500 Patienten zeigt: Beide Strategien sind gleich sicher und wirksam. Unterschiede zeigen sich nur in Laborwerten mit begrenzter klinischer Relevanz. Der septische Schock ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Zur Volumentherapie werden in der Regel eine intravenöse Infusion mit entweder balancierter Kristalloidlösung oder 0,9-prozentiger Kochsalzlösung eingesetzt. Frühere kleinere Studien lieferten uneinheitliche Ergebnisse hinsichtlich der Frage, ob die balancierte Kristalloidlösung insbesondere für die Nieren vorteilhafter ist als die Kochsalzlösung. Die kürzlich im „New England Journal of Medicine“ publizierte, randomisierte klinische Studie PRoMPT BOLUS fand, dass die beiden Infusionslösungen bei Kindern mit septischem Schock gleichermaßen sicher und wirksam sind. Direkter Vergleich in großangelegter Studie Die multizentrische Studie wurde an fünf Ländern und 47 pädiatrischen Notaufnahmen durchgeführt. Sie inkludierte fast 8500 Patienten im Alter von zwei Monaten bis 17 Jahren mit Verdacht auf septischen Schock. Die Kinder erhielten für bis zu 48 Stunden randomisiert eine Flüssigkeitstherapie mit entweder einer balancierten Kristalloidlösung oder einer 0,9-prozentigen Kochsalzlösung. Der primäre Endpunkt war ein schwerwiegendes Nierenereignis (ein zusammengesetzter Endpunkt aus Tod, neu aufgetretener Nierenersatztherapie oder persistierender Nierenfunktionsstörung) innerhalb von 30 Tagen bzw. bis zur Entlassung – je nachdem, welches Ereignis zuerst eintrat. Infusionslösungen gleichermaßen sicher und wirksam Ein solches Ereignis trat bei 137 Patienten (3,4 %) in der Gruppe mit balancierter Flüssigkeitstherapie und bei 124 Patienten (3,0 %) in der Gruppe mit Kochsalzlösung auf – und unterschied sich somit nicht signifikant zwischen den Gruppen (p=0,85). Auch die mediane Anzahl an Tagen ohne Krankenhausaufenthalt innerhalb von 28 Tagen nach Studieneinschluss war mit 23 Tagen in beiden Gruppen gleich (Interquartilsabstand 19–25). Unterschiede zeigten sich lediglich in Laborparametern: So kam es unter der balancierten Flüssigkeitstherapie seltener zu einer Hyperchlorämie (31,4 % vs. 49,0 %) und Hypernatriämie (1,8 % vs. 3,1 %) als unter Kochsalzlösung. Mit letzterer wurde hingegen seltener eine Hyperlaktatämie beobachtet als mit der Kristalloidlösung (16,7 % vs.19,8 %). Hinsichtlich anderer Sicherheitsendpunkte oder unerwünschter Ereignisse stellten die verantwortlichen Forschenden ebenfalls keine Unterschiede fest. Praxisrelevanz: Gleichwertige Optionen im septischen Schock „Unsere Studie liefert die eindeutige Antwort, dass die Verwendung einer bestimmten Infusionslösung gegenüber einer anderen bei der Behandlung eines septischen Schocks bei Kindern weder zusätzliche Vorteile noch Nachteile mit sich bringt“, resümert Koautorin Dr. Elizabeth Alpern. Alpern ist Leiterin der Notfallmedizin am Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital in Chicago, eines der teilnehmenden Studienzentren. „Wir fanden keine Unterschiede hinsichtlich der Behandlungsergebnisse, wie beispielsweise schwerwiegender Nierenkomplikationen oder persistierender Nierenfunktionsstörungen nach 30 Tagen. Das ist eine hervorragende Nachricht, da Kliniken weltweit nun bedenkenlos die jeweils verfügbare Infusionslösung verwenden können.“ (ah/BIERMANN)
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