Signalstoff Apelin: Wie sich Blutgefäße im Gewebe unterhalten10. Juli 2024 Prof. Christian Helker und seine Arbeitsgruppe untersuchen im Fachbereich Biologie die Entwicklungsschritte des Gefäßwachstums.Foto.©Christian Stein / Universität Marburg Die Marburger Forscher um Julian Malchow und Prof. Christian Helker vom Fachbereich Biologie der Philipps-Universität haben einen neuen Signalweg entdeckt, mit dessen Hilfe Nervenzellen im zentralen Nervensystem mit Blutgefäßen kommunizieren. Diese Kommunikation ist entscheidend für gesundes Gewebe- und Organwachstum. Die Ergebnisse sind auch außerhalb des zentralen Nervensystems interessant für Therapien, bei denen aufzubauende oder zu eliminierende Gefäße entscheidend sind. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht. „Die Forschung zeigt, dass Zellen nicht isoliert voneinander zu betrachten sind, sondern in komplexen Netzwerken im Gewebe miteinander kommunizieren. In diesem Fall wird das Wachstum von Blutgefäßen entscheidend von der Kommunikation mit den Nervenzellen geprägt. Ergebnisse und Publikation unterstreichen die herausragende Forschungstätigkeit in unserem universitären Profilbereich „Geist, Gehirn und Verhalten““, erläutert Prof. Gert Bange, Vizepräsident für Forschung der Uni Marburg. Die Wissenschaftler haben in ihren Experimenten insbesondere untersucht, wie Nervenzellen den Signalstoff Apelin produzieren, der das Wachstum von Blutgefäßen steuert. Die Gefäße sprießen aus und wandern dann Richtung Nervenzelle. Damit das gelingt, verfügen die Gefäßzellen über bestimmte Rezeptoren auf ihrer Zellmembran. Diese für Apelin spezifischen Rezeptoren gehören in eine große Rezeptorenklasse namens G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), die zur erfolgreichsten Klasse medikamentöser Ziele im menschlichen Genom zählen und in der Medizinforschung gut bekannt sind. Als Modellsystem betrachten die Forscher Larven des Zebrafischs. „Die eignen sich gut für die Forschung an Organen und Zellen, da sich die Organe schnell entwickeln und viele Entwicklungsschritte dem Menschen ähnlich, wenn nicht gar identisch sind“, erklärt Helker. Unter dem Laserscanning-Mikroskop können die Wissenschaftler das Wachstum von Gefäßen ins Neuralrohr im Detail beobachten. „Wir sehen live, wie die Signale in den Zellen eingeschaltet werden und die Zelle auf das Signal reagiert“, erzählt der Arbeitsgruppenleiter. Dazu müssen die Forscher bestimmte Bestandteile in den Zellen genetisch und farblich markieren. Sie sprechen von sogenannten Biosensoren, die dann rot, grün oder gelb aufleuchten, wann immer ein Signalweg in der Zelle angeschaltet wird. „Wir können am Monitor verfolgen, wie die Gefäße in das Neuralrohr einwandern und welche Signalwege dafür erforderlich sind“, erläutert Helker. Mit gentechnischen Methoden können die Biologen die Signalwege manipulieren. Ist beispielsweise ein Rezeptor defekt oder blockiert, so kommt das Wachstum ins Stocken. „Wenn ein Schritt fehlt, geht alles schief“, kommentiert Helker. Für die therapeutische Anwendung bedeute dies, dass sich über das Verständnis der Signalwege des Gefäß-Organ-Wachstums Erkrankungen womöglich beeinflussen lassen. Ist Gewebe etwa nach einem Herzinfarkt geschädigt, so könnte medikamentös der Neuaufbau unterstützt werden. Im sogenannten Tissue Engineering, bei dem Ersatzgewebe oder -organe im Labor gezüchtet werden, wäre das Einleiten und Steuern von Gefäßwachstum ein wichtiger Schritt nach vorn. Andererseits ist es bei der Tumortherapie wünschenswert, die Gefäßbildung zum Tumor zu stören, etwa indem Signalkaskaden unterbunden werden. „Das grundlegende Verständnis der Kommunikation zwischen Gefäßen und Organen gibt uns viele Ansatzpunkte und Ideen für therapeutische Interventionen“, fügt Helker abschließend hinzu.
Mehr erfahren zu: "International und hochkarätig: Die General Session der DOC" Weiterlesen nach Anmeldung International und hochkarätig: Die General Session der DOC Von Dieter Kaulard Sie ist traditionell die Hauptsitzung der DOC im jährlichen Kongressprogramm: die General Session. In diesem Jahr umfasste die Sitzung vier Ehrungen und fünf Ehrenvorlesungen.
Mehr erfahren zu: "DOC 2026: Myopie – Gute Aussichten für Kinderaugen" Weiterlesen nach Anmeldung DOC 2026: Myopie – Gute Aussichten für Kinderaugen Die veränderte digitale Lebensweise hat Folgen: Myopie tritt immer häufiger und bereits in sehr jungen Jahren auf. Dr. Gernot Petzold (Kulmbach) informierte auf der Pressekonferenz des 38. Internationalen Kongresses der […]
Mehr erfahren zu: "Bernd Bertram in die Hall of Fame aufgenommen" Weiterlesen nach Anmeldung Bernd Bertram in die Hall of Fame aufgenommen Prof. Bernd Bertram ist das neue Mitglied der Hall of Fame Ophthalmologie. Erstmals seit der Gründung der Ruhmeshalle im Jahr 2014 ehrte die DOC nur eine Persönlichkeit „für ihr herausragendes […]