Sind E-Zigaretten für Jugendliche ein Einstieg ins Rauchen?

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Laut einer neuen Studie ist bei jungen Menschen, die E-Zigaretten konsumieren, aber noch nie zuvor geraucht haben, die Wahrscheinlichkeit für einen späteren herkömmlichen Nikotinkonsum fast fünfmal höher.

Die Ergebnisse stützen jedoch laut den Autoren nicht eindeutig die Behauptung, dass E-Zigaretten einen Einstieg in den Konsum traditioneller Zigaretten darstellen und somit einen „Gateway-Effekt“ haben.

Forscher der Tobacco and Alcohol Research Group (TARG) der Universität Bristol (Großbritannien) haben mit Unterstützung der MRC Integrative Epidemiology Unit (IEU) und des NIHR Bristol Biomedical Research Centre (BRC) die Ergebnisse von 17 Studien zusammengefasst und untersucht, ob der Konsum von E-Zigaretten im Vergleich zu keinem solchen Konsum bei jungen Nichtrauchern mit nachfolgendem Zigarettenrauchen verbunden ist.

Jasmine Khouja, Doktorandin in der TARG, erklärt: „Politische Entscheidungsträger haben die Ergebnisse von Studien – einschließlich derjenigen, die wir in dieser Studie überprüft haben – dazu verwendet, eine strikte Regulierung des Konsums von E-Zigaretten durchzusetzen, einschließlich Einschränkungen bestimmte Geschmacksrichtung [der verwendeten Liquids] und sogar vollständiger Verbote. Die Evidenz dafür, dass der Konsum von E-Zigaretten junge Menschen zum [herkömmlichen] Rauchen verleiten kann, ist aber nicht so stark, wie es scheint.“

Die Studie ergab, dass junge Menschen, die noch nie zuvor geraucht, aber E-Zigaretten konsumiert hatten, viereinhalbmal häufiger weiterhin E-Zigaretten konsumierten. Das Forschungsteam identifizierte jedoch auch eine Reihe von Problemen mit denen die in dieser Analyse enthaltenen Studien behaftet waren. Diese ließen sie bei der Schlussfolgerung zum „Gateway-Effect“ von E-Zigaretten vorsichtig sein.

Zwar scheine der Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von E-Zigaretten durch Nichtraucher und nachfolgendem Zigarettenrauchen stark zu sein, doch beschränke sich die verfügbare Evidenz auf Angaben der Nutzer selbst ihren Konsum betreffend und sei biochemisch nicht überprüft. Keine der Studien, so berichten die Wissenschaftler, umfasste Negativkontrollen, die einen stärkeren Beweis dafür liefern würden, ob es sich um einen kausale Zusammenhang handeln könnte. Ein Großteil der Evidenz habe auch auch nicht den Nikotingehalt der von Nichtrauchern verwendeten E-Liquids berücksichtigt, fahren die Verfasser der aktuellen Arbeit fort. Das erschwere Schlussfolgerungen darüber, ob Nikotin der Mechanismus ist, der diese Assoziation antreibt.

Die Forscher empfehlen, dass in zukünftigen Studien beispielsweise bessere Tests genutzt werden sollten, um zu bestätigen, ob junge Menschen rauchen oder E-Zigaretten konsumieren. Zudem sollten unterschiedliche statistische Analyse durchgeführt und geprüft werden, ob verwendete E-Zigaretten Nikotin enthalten oder nicht.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 kombinierte die Ergebnisse von neun Studien, in denen untersucht wurde, ob der Gebrauch von E-Zigaretten bei nicht rauchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit späterem herkömmlichen Rauchen zusammenhängt. Die Analyse zeigte, dass junge E-Zigaretten-Nutzer fast viermal häufiger mit dem Rauchen anfingen, als Gleichaltrige, die niemals E-Zigaretten ausprobiert hatten.