Single-Port: Die neue Revolution bei der roboterassistierten Prostatektomie?13. Mai 2022 Multiport-Klassiker: Steuereinheit einer DaVinci-Konsole. Foto: Schmitz “Schlacht der Roboter” hatten die Programmgestalter des diesjährigen Jahreskongresses der American Urological Association (AUA) eine Plenarsitzung am ersten Kongresstag, dem 13.05.2022, benannt. Es ging darum, ob für die roboterassistierte radikale Prostatektomie (RARP) Robotersysteme mit nur einem Zugang (single-port, SP-RARP) den inzwischen schon klassischen mit mehreren Trokaren (multi-port, MP-RARP) überlegen sind. Prof. Jeffrey Cadeddu vom University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas (USA) betonte, dass der Multi-port-Ansatz Standard in der Versorgung sei und für eine konkurrierende Technik eine hohe Hürde darstelle. Die MP-RARP habe in den vergangenen zwei Dekaden hervorragende onkologische Ergebnisse erzielt, die sich als gleichwertig zu denen des offenen Verfahrens erwiesen hätten. Im funktionellen Outcome sei sie den offenen Verfahren möglicherweise überlegen und führe zu geringerem Blutverlust und Schmerz. Cadeddu zufolge existieren bereits RARP-Protokolle, bei denen der Klinikaufenthalt stark verkürzt werden kann – bis hin zum Entlass am Operationstag. Auch opioidfreie Protokolle würden zunehmend eingesetzt. Kosmetische Aspekte ließ der Urologe als Argument für SP nicht gelten, denn Untersuchungen zufolge habe die Anzahl der Narben für die Prostatakrebspatienten, meist ältere Männer, keine hohe Relevanz. “Um weiter das Outcome des Patienten zu verbessern, braucht es technische Introspektion und Verfeinerung, nicht einen neuen Roboter”, betonte Cadeddu. Für Prof. Jihad Kaouk von der Cleveland Clinic in Ohio hat die neue Technik jedoch zahlreiche Vorteile über das bisherige roboterassistierte Arbeiten hinaus. Er betonte, dass es gar nicht um eine “Schlacht der Roboter” gehe, sondern um eine weitere Verbesserung für bestimmte Patienten, insbesondere solche mit Voroperationen. er erinnerte daran, dass es bei Einführung der laparoskopischen wie auch der roboterassistierten Chirurgie stets Widerstände gegeben habe. Wie er herausstellte, handelt es sich bei SP nicht nur um einen weiteren Innovationsschritt der RARP, sondern vor allem aber um ein anderes chirurgisches Prinzip: einen maßgeschneiderten Zugang, der sich auf die Körperregion von Interesse beschränkt. Ziel soll eine noch geringere Morbidität sein. Der Experte stellte mehrere SP-Zugangswege vor, von denen er den transvesikalen bevorzugt. Damit geht man Kaouk zufolge “in der Zeit zurück”: weg von transperitonealem Zugang und Trendelenburg-Position mit der Gefahr von Adhäsionen und Darmkomplikationen hin zu einer flachen Position ohne Pneumoperitoneum. “Wir möchten eine weitere Option für die Patienten haben”, betonte der Urologe. (ms)
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