Smartphones und Wearables verhelfen Herz-Kreislauf-Erkrankten zu mehr Bewegung

Laut den Ergebnissen einer aktuellen Metaanalyse kann die Nutzung von Smartphones und Wearables Menschen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu vermehrter körperlicher Aktivität motivieren. (Symbolfoto: ©Liubomir/stock.adobe.com)

Smartphones und Wearables helfen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dabei, sich im Alltag körperlich mehr zu betätigen. Das zeigt eine aktuelle Studie im „Journal of the American Heart Association“.

Körperliche Aktivität ist entscheidend für die Prävention weiterer kardiovaskulärer Ereignisse bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings „können viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund von Zeit-, Entfernungs- oder finanziellen Hindernissen nicht an üblichen kardiologischen Rehabilitationsprogrammen teilnehmen“, sagt Studienerstautor Dr. Ajith Vemuri von der Abteilung für Neurologie am Penn State Health Milton S. Hershey Medical Center (USA). „Smartphones und Wearables befinden sich bereits in den Taschen und an den Handgelenken der Menschen. Wenn wir zeigen, dass diese Geräte die Routineversorgung wirksam unterstützen können, können wir damit beginnen, kosteneffiziente, personalisierte digitale Interventionen zu entwickeln, die eine viel breitere Bevölkerungsgruppe erreichen“, meint Vemuri.

Metaanalyse zur Steigerung der körperlichen Aktivität durch Smartphones und Wearables

Genau hier setzten die Forschenden um Vemuri an. Anhand einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse wollten sie klären, ob der Einsatz von Smartphones und Wearables wirksam dazu beitragen kann, die körperliche Aktivität von Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen zu steigern. Über eine Suche in drei elektronischen Datenbanken (PubMed, das Cochrane Central Register of Controlled Trials und Web of Science) identifizierten sie 14 relevante Studien, die zwischen Januar 2000 und Februar 2025 veröffentlicht wurden. Die Studien umfassten insgesamt 1057 Herz-Kreislauf-Patienten und konzentrierten sich auf Wearables und Apps, die die körperliche Aktivität fördern.

Dreizehn Studien inkludierten Erwachsene ab 18 Jahren, während eine Studie die Effekte bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren mit angeborenem Herzfehler untersuchte. Bei allen in der Analyse berücksichtigten Teilnehmern lag eine diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankung vor, wie beispielsweise eine Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder eine Vorgeschichte von Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Zur Steigerung der körperlichen Aktivität boten die digitalen Geräte der aufgenommenen Studien verschiedene Optionen. Beispielsweise ließen sich damit personalisierte tägliche Schrittziele festlegen, sie generierten Erinnerungen oder motivierende Nachrichten, gaben Feedback zum Fortschritt oder verknüpften häusliche Rehabilitationsprogramme mit medizinischem Fachpersonal, um die Behandlung zu begleiten und zu überwachen. Einige Anwendungen umfassten zudem Gamification-Elemente wie Quizfragen oder Belohnungen, ein Coaching und eine Zielüberprüfung, sodass die Menschen ihre Fortschritte verfolgen und ihre Aktivitätsziele anpassen konnten.

Digitale Hilfsmittel motivieren zu mehr körperlicher Aktivität

In ihrer Analyse konzentrierten sich die Forschenden vor allem auf Veränderungen des körperlichen Aktivitätsniveaus. Dazu zählten die tägliche Anzahl der Schritte und die Dauer moderater bis intensiver körperlicher Aktivität sowie die zurückgelegte Strecke und der VO2-Spitzenwert. Sie konnten zeigen, dass Menschen, die Smartphone-Apps oder Wearables nutzten, im Vergleich zu Gleichaltrigen, die keine digitalen Hilfsmittel einsetzten, täglich fast 1100 Schritte mehr gingen. Außerdem bewegten sie sich täglich etwa 4 Minuten länger moderat bis intensiv. Der maximale Sauerstoffverbrauch und die zurückgelegte Gehstrecke verbesserten sich jedoch nicht signifikant.

„Das bedeutet, dass digitale Anwendungen Patienten zwar zu mehr Aktivität motivieren können. Jedoch sind längere Studien erforderlich, um zu prüfen, ob diese Veränderungen zu einer dauerhaften Verbesserung der Fitness und der allgemeinen Gesundheitsergebnisse führen“, erläutert Studienleiter Dr. Ramin Zand, Professor für Neurologie und öffentliche Gesundheit am Penn State College of Medicine. Denn zu den Einschränkungen der Analyse gehört das Fehlen eines klaren Bildes hinsichtlich der Nachhaltigkeit gesunder Gewohnheiten. Außerdem litten die meisten Personen in den Studien an einer koronaren Herzkrankheit. Damit sind die Ergebnisse möglicherweise nicht auf alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertragbar.

Unterstützung der Routineversorgung zur Senkung des kardiovaskulären Risikos

Dennoch ziehen die Studienautoren ein positives Fazit: „Diese Geräte sind nicht nur Spielereien“, betont Zand. „Wenn sie in einen Behandlungsplan integriert werden, können sie die Routineversorgung unterstützen und Patienten dabei helfen, kleine, aber wichtige Schritte in Richtung einer besseren kardiovaskulären Gesundheit zu unternehmen.“

Auch von der American Heart Association werden die Studienergebnisse begrüßt. In einer Mitteilung zur Studie wird der ehemalige Vorsitzende des Lifestyle Physical Activity Committee der American Heart Association und außerordentlicher Professor für Kinesiologie an der University of Virginia, Dr. Damon L. Swift, zitiert: „Untersuchungen haben gezeigt, dass weniger als ein Drittel der Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen körperlich aktiv ist. Die Kombination von mobilen und tragbaren Technologien mit herkömmlichen Präventionsmaßnahmen bietet eine einzigartige Möglichkeit, das Risiko für fortgeschrittene Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ein zweites bzw. drittes kardiovaskuläres Ereignis potenziell weiter zu senken.“

In einer wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association vom April 2021 wurde bereits festgestellt, dass mobile Gesundheitstechnologie bei Erwachsenen mit bestehenden Herzerkrankungen und bei Personen ab 60 Jahren zu Veränderungen des Lebensstils und einer besseren Einhaltung der Medikamenteneinnahme beitragen kann. Swift ergänzt: „Der Übergang von inaktiv zu einigermaßen aktiv bringt einen gesundheitlichen Nutzen mit sich, und bereits bei etwa 7000 Schritten pro Tag sinkt das Sterberisiko. Daher kann tragbare Technologie einen positiven Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, indem sie Menschen dazu ermutigt, etwas aktiver zu sein.“

(ah/Biermann)

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