So lernen Schüler, Stress zu bewältigen

Einfach Yoga-Übungen können Schülerinnen und Schülern helfen, besser mit Stress umzugehen. (Foto: © NatBud stock.adobe.com)

Ein bayerisches Gymnasium veranstaltete im Jahr 2023 für Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis zehn einen Aktionstag zur Stressresilienz. Dieser wurde vom Institut für Praxisforschung und Evaluation (IPE) an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) wissenschaftlich ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild.

Schülerinnen und Schüler stehen weiterhin unter hoher Stressbelastung: Studien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigen, dass die wahrgenommene Belastung während der COVID-19-Pandemie deutlich angestiegen ist und bis heute auf einem erhöhten Niveau verbleibt. Zu den wichtigsten Ursachen zählen ein hoher schulischer Leistungsdruck sowie hohe eigene Leistungserwartungen.

Die Auswertung des Aktionstages zur Stressresilienz zeigt: Besonders häufig nutzten diejenigen Schülerinnen und Schüler die Angebote, die sich im Schulalltag stärker belastet fühlten. Damit erreichte der Aktionstag vor allem Jugendliche mit dem größten Unterstützungsbedarf: Schülerinnen und Schüler mit geringerem schulbezogenen Wohlbefinden nahmen deutlich häufiger an mehreren Angeboten zur Stressbewältigung teil. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Geschlecht und Jahrgangsstufe.

Beim Aktionstag konnten die 13- bis 16-Jährigen freiwillig bis zu drei Angebote auswählen und in jeweils 90-minütigen Einheiten verschiedene Methoden zur Stressbewältigung ausprobieren. Dazu gehörten unter anderem Yoga, eine Einführung in Achtsamkeit, Progressive Muskelentspannung sowie weitere praxisorientierte Übungen.

Einfach und im Alltag erlebbar

Entscheidend ist jedoch, ob die im Rahmen schulischer Aktionstage vermittelten Methoden auch im Alltag der Jugendlichen Anwendung finden. Genau hier setzt eine weitere Auswertung der Studie an und zeigt, welche Faktoren den Transfer der erlernten Strategien in den Schul- und Freizeitalltag besonders fördern:

1. Die Übungen sollten Spaß machen. Methoden, die den Jugendlichen Freude bereiteten – etwa Übungen aus dem Action-Yoga – wurden häufig schon kurz nach dem Aktionstag zu Hause erneut ausprobiert, beispielsweise gemeinsam mit Geschwistern oder Freunden.

2. Die Methoden müssen schnell erlernbar sein. Strategien und Methoden wie Yoga-übungen, die im Schulangebot direkt praktisch eingeübt wurden und sofort anwendbar waren, wurden deutlich häufiger im Alltag genutzt als Inhalte, die nur theoretisch vermittelt wurden.

3. Die Anwendung sollte im Alltag einfach möglich sein. Besonders positiv bewertet wurden von Schülern Methoden wie die Progressive Muskelentspannung, die ohne Materialaufwand und bereits innerhalb weniger Minuten – etwa in Pausen – umgesetzt werden können.

4. Der Nutzen sollte unmittelbar erlebbar sein. Wenn die Jugendlichen bereits während des Kurses spürten, dass eine Übung tatsächlich entspannt, nutzten sie diese später eher erneut, beispielsweise Atemübungen oder kurze Entspannungstechniken.

Den Forschenden zufolge lassen sich die Studienergebnisse auch auf andere weiterführende Schulen übertragen und zeigen, dass gezielte Schulaktionstage ein wirkungsvolles Instrument sein können, um Schüler beim Aufbau nachhaltiger Kompetenzen zur Stressbewältigung zu unterstützen.