Sollten Kinder auf Gene für Hypercholesterinämie untersucht werden?21. November 2025 Forschende zeigen, dass ein frühzeitiges Screening von Kindern und jungen Erwachsenen helfen könnte, Herzinfarkte und Schlaganfälle im Alter zu verhindern. (Bild: © syahrir/stock.adobe.com) Familiäre Hypercholesterinämie bleibt bei den meisten Betroffenen unentdeckt. Forschende zeigen, dass ein frühzeitiges Screening von Kindern und jungen Erwachsenen helfen könnte, Herzinfarkte und Schlaganfälle im Alter zu verhindern. In den Vereinigten Staaten trägt eine von 250 Personen eine vererbte genetische Variante, die familiäre Hypercholesterinämie (FH) auslöst. Diese genetische Erkrankung führt von Geburt an zu gefährlich hohen Cholesterinwerten. Wird ein hoher Cholesterinspiegel nicht frühzeitig gesenkt, besteht für Betroffene ein hohes Risiko, bereits im Alter von 30 oder 40 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Doch nur etwa eine von zehn Personen mit FH (1,5 Millionen Amerikaner) ist sich ihrer Erkrankung bewusst. Das könnte daran liegen, dass aktuelle Richtlinien die meisten Menschen mit FH nicht erfassen (wir berichteten). Eine neue Modellierungsstudie von Forschenden der Columbia University und der Harvard University zeigt, dass ein Screening von Kindern und jungen Erwachsenen sowohl auf hohe Cholesterinwerte als auch auf FH-Gene eine beträchtliche Anzahl vorzeitiger Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern könnte. Allerdings sind solche Tests derzeit zu teuer, um flächendeckend umgesetzt zu werden. Stattdessen legt die Studie nahe: Wenn ein universelles Cholesterin-Screening dazu führen würde, dass alle Kinder und jungen Erwachsenen mit hohem Cholesterin intensiver betreut würden – also auch diejenigen ohne FH-Gene –, wäre es kosteneffektiv. Warum frühes Erkennen entscheidend ist „Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von hohem Cholesterinspiegel, selbst im Kindesalter, kann Herzinfarkte, Schlaganfälle und möglicherweise sogar Demenz im späteren Leben verhindern oder verzögern“, erklärt Prof. Andrew Moran, einer der Hauptautoren der Studie. „Das Screening auf FH ist wichtig für Kinder und junge Erwachsene – und deren Familienangehörige. Daher müssen wir eine kosteneffektive Methode für die Früherkennung von FH finden. Auch für junge Menschen mit stark erhöhtem Cholesterinspiegel ohne bekannte genetische Ursache kann eine frühzeitige Cholesterinmessung und -behandlung präventiv wirken.“ Bei jedem fünften Jugendlichen werden im Rahmen der routinemäßigen Lipiduntersuchung Auffälligkeiten festgestellt. Die American Academy of Pediatrics und die American Heart Association empfehlen, eine Messung des Cholesterinspiegels bei allen Kindern im Alter zwischen neun und elf Jahren, um Cholesterinstörungen zu erkennen. Allerdings erhalten weniger als 20 Prozent der Kinder diese Untersuchung. Wie das Screening-Modell funktioniert Die Forschenden testeten in ihrem Modell verschiedene Szenarien einer zweistufigen Screening-Strategie. Zunächst würde der Cholesterinspiegel (LDL-C) von Kindern gemessen werden. Anschließend würde ein Gentest FH-Gene bei Personen mit hohen Cholesterinwerten identifizieren. Die Studie untersuchte, wie sich ein Screening von Kindern im Alter von zehn oder 18 Jahren auswirken würde. Außerdem wurde analysiert, wie das Screening und darauf folgende Behandlungen Herzerkrankungen Jahrzehnte später verhindern können würden. „Obwohl FH zu den häufigsten und schwerwiegendsten genetischen Erkrankungen zählt, ist sie dennoch relativ selten“, erklärt Moran. Ein Screening von Millionen von Menschen habe hohe Vorlaufkosten, um eine geringe Anzahl an Personen mit FH zu identifizieren. Daher ergab die Modellierung, dass keine der kombinierten Strategien aus Cholesterin- und Gen-Screening im Vergleich zur Standardversorgung kosteneffektiv sei. Das Modell zeigte jedoch, dass, wenn das Cholesterin-Screening zu intensiverer Cholesterin-Kontrolle bei allen Personen mit hohem Cholesterin (LDL ≥130 mg/dL) unabhängig vom Gentestergebnis führt, ein Screening im jungen Erwachsenenalter (etwa im Alter von 18 Jahren) die kosteneffektivste Strategie wäre. Neugeborenen-Screening als Zukunftsoption Zukünftig könnte das FH-Screening kosteneffektiv sein, wenn man es mit anderen etablierten Screening-Programmen für Kinder, einschließlich des Neugeborenen-Screenings, kombiniert. Eine aktuelle Studie führte gepaarte Cholesterin- und Gentests auf FH anhand von Blutproben aus dem Neugeborenen-Screening durch. Sie kommt zu dem Schluss, dass das FH-Screening bei Neugeborenen in großem Umfang durchführbar sein könnte. Die Teams der Columbia University und der Harvard University arbeiten mit diesen Forschern zusammen, um die besten Ansätze für das FH-Screening von Neugeborenen und Säuglingen zu entwickeln. Ein weiterer Vorteil der genetischen Untersuchung auf FH im Kindesalter wäre die Möglichkeit, das Screening auf andere Familienmitglieder auszuweiten. Diese leiden möglicherweise ebenfalls an einer unentdeckten FH – ein Aspekt, den das aktuelle Modell nicht berücksichtigt. „Wir haben noch nicht die beste Methode für ein frühes Screening auf FH gefunden. Mit unserer Modellierung nutzen wir aber die besten Erkenntnisse und effiziente Computermodellierungsmethoden, um die vielversprechendsten Ansätzen zu ermitteln, die wir in realen klinischen Screening-Studien testen können“, ist sich Moran sicher. (lj/BIERMANN)
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