Sonnenbaden kann das Mikrobiom der Haut stören

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Die Haut beherbergt eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und Viren. Diese mikrobiellen Populationen, die in komplexen Gemeinschaftsstrukturen organisiert sind, schützen unter anderem vor Krankheitserregern. Forschende haben nun gezeigt, dass sich zu viel Sonneneinstrahlung kurzfristig negativ auf die Vielfalt und das Hautmikrobiom auswirkt.

Längere UV-Bestrahlung wird mit DNA-Schäden in den Hautzellen, Entzündungen und vorzeitiger Hautalterung in Verbindung gebracht, und dennoch wird die Sonne nach wie vor häufig absichtlich aufgesucht. Da es an Studien mangelt, die sich damit befassen, wie individuelles Verhalten die mit UV-Strahlung verbundenen Veränderungen der Mikrobiota beeinflusst und wie sich dies auf die Hautgesundheit auswirken kann, haben britische Forschende die Auswirkungen von Sonnenbaden auf die Zusammensetzung der Mikrobiota von Urlaubern untersucht.

„Hier zeigen wir an einer Kohorte von Urlaubern, dass ihr Sonnenexpositionsverhalten die Vielfalt und Zusammensetzung ihrer Hautmikrobiota signifikant beeinflusst“, sagte Dr. Abigail Langton, Studienleiterin an der University of Manchester, Großbritannien, und korrespondierende Autorin der Studie.

„Wir haben gezeigt, dass die Entwicklung einer Bräune mit einer geringeren Proteobakterienhäufigkeit unmittelbar nach dem Urlaub einhergeht. Allerdings erholte sich die Mikrobiota aller Urlauber einige Wochen, nachdem sie sich nicht mehr längere Zeit in der Sonne aufgehalten hatten.“

Sonnenhunger schadet Hautbakterien

Vor einem mindestens siebentägigen Urlaub an sonnigen Reisezielen untersuchten die Forschenden die Haut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Mikrobiota der Haut setzt sich im Wesentlichen aus drei Bakteriengemeinschaften auf der Oberfläche zusammen: Actinobacteria, Proteobacteria und Firmicutes, auch Bacillota genannt. Am 1., 28. und 84. Tag nach dem Urlaub wurde die Hautmikrobiota der Teilnehmer erneut untersucht.

Zusätzlich wurde jeder Urlauber anhand seiner individuellen Bräunungsreaktion einer Gruppe zugeordnet. 8 der 21 Teilnehmenden, die im Urlaub braun geworden waren, wurden als „Suchende“ eingestuft. Die Gruppe der „Gebräunten“ bestand aus 7 Personen, die bereits bei der Abreise braun waren und diese Bräune während des gesamten Urlaubs beibehielten. Diese beiden Gruppen wurden als „Sonnenanbeter“ eingestuft. Die übrigen 6 Teilnehmer galten als „Vermeider“; ihr Hautton war vor und nach dem Urlaub gleich.

„Diese Studie wurde an echten Urlaubern durchgeführt und liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie eine Sonnenexposition, die zu einer Bräunungsreaktion führt – selbst über einen relativ kurzen sonnigen Zeitraum – zu einer akuten Verringerung der Proteobakterienhäufigkeit führen kann, was die Vielfalt der Hautmikrobiota verringert“, erklärte Dr. Thomas Willmott, Erstautor der Studie und Forscher an der Universität Manchester.

Trotz des raschen Rückgangs der Proteobakterien und der damit einhergehenden Veränderung der Vielfalt der Hautmikrobiota hatte sich die Struktur der Bakteriengemeinschaft 28 Tage nach der Rückkehr aus dem Urlaub wieder erholt. „Dies deutet darauf hin, dass die UV-Exposition im Urlaub eine akute Auswirkung auf die Hautmikrobiota hat, sich aber relativ schnell erholt, sobald die Person in ein weniger sonniges Klima zurückkehrt“, so Willmott weiter.

Gestörte Mikrobiota kann gesundheitliche Probleme verursachen

„Proteobakterien dominieren die Hautmikrobiota. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Mikrobiota schnell erholt, um die optimalen Funktionsbedingungen für die Haut wiederherzustellen“, so Langton. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die rasche Veränderung der Mikrobiota-Diversität, die mit Krankheiten in Verbindung gebracht wird, besorgniserregender sein könnte. Eine Abnahme der Bakterienvielfalt in der Haut wurde zum Beispiel früher mit Dermatitis assoziiert. Schwankungen in der Vielfalt der Proteobakterien wurden speziell mit Hautproblemen wie Ekzemen und Psoriasis in Verbindung gebracht.

Künftige Studien sollten untersuchen, warum Proteobakterien besonders empfindlich auf UV-Strahlung zu reagieren scheinen und wie sich diese Veränderung der Vielfalt längerfristig auf die Hautgesundheit auswirkt, so die Forschenden.