Sonnenfinsternis: Wie verhalten sich Wildtiere?12. August 2026 Wildtierökologin Prof. Dr. Ilse Storch erklärt im Interview, wie Wildtiere auf eine Sonnenfinsternis reagieren. Foto: Copyright: Prof. Ilse Storch Wie reagieren Tiere in der Wildnis, wenn es mitten am Tag plötzlich dunkel wird? Wildtierökologin Prof. Ilse Storch erklärt im Interview, welches Verhalten Wildtiere bei einer Sonnenfinsternis zeigen und wie Forschende das seltene Ereignis als „natürliches Experiment“ nutzen. Frau Storch, wie reagieren Wildtiere auf eine Sonnenfinsternis? Verwirrt es sie, wenn es mitten am Tag plötzlich dunkel wird?Storch: Zunächst einmal: Eine Sonnenfinsternis bedeutet eine Abweichung im Verlauf des gewohnten äußeren Zeitgebers Tageslicht, und gegebenenfalls auch in der damit zusammenhängenden Temperatur. Im Tagesverlauf und auch zwischen Tagen gibt es große Unterschiede was die Lichtmenge betrifft, auf die Tiere ständig reagieren. Eine Sonnenfinsternis wird für Tiere daher weniger das „große Ding“ sein als für uns.In der Forschung wird als Reaktion auf eine totale Sonnenfinsternis überwiegend abendliches Verhalten beschrieben, teils auch Verunsicherung oder auch gar keine erkennbare Reaktion. Vögel können während einer Sonnenfinsternis ihre Gesangsaktivität reduzieren, tagaktive Tiere abendliches Verhalten zeigen, während nachtaktive Tiere aktiv werden können.Welche Erkenntnisse gewinnen Forschende aus dem Verhalten der Tiere während einer Sonnenfinsternis?Storch: Für Forschende sind Sonnenfinsternisse „natürliche Experimente“, die Einblicke zu Reaktionen auf Lichtreize liefern können, die man sonst allenfalls an kleineren Arten im Labor gewinnen könnte. Das bietet tolle Möglichkeiten für wissenschaftliche Untersuchungen.Im Jahr 2018 haben Forschende zum Beispiel eine Sonnenfinsternis in den USA untersucht. Anhand von Daten von 143 Wetterradarstationen erfassten sie großräumig die Flugaktivität von Vögeln und Insekten. Während der Phase der totalen Sonnenfinsternis – also der vollständigen Bedeckung der Sonne durch den Mond – nahm die normale Flugaktivität zwar deutlich ab, reduzierte also die „normale“ tägliche Aktivität. Die Sonnenfinsternis reichte aber nicht aus, um eine nächtliche Aktivität auszulösen, die mit der bei Sonnenuntergang vergleichbar wäre.Gelten die wissenschaftlichen Erkenntnisse auch für eine partielle Sonnenfinsternis, wie wir sie heute in Deutschland beobachten können?Storch: Durch die partielle Sonnenfinsternis heute wird es nicht völlig dunkel. Zudem wird sie erst kurz vor Sonnenuntergang zu beobachten sein. Das bedeutet: Es wird lediglich ein bisschen früher ein bisschen schneller dunkel. Von daher sind keine starken Wildtier-Reaktionen zu erwarten.Über Prof. Ilse StorchProf. Ilse Storch studierte Biologie an den Universitäten Aachen (RWTH) und München (LMU). Nach einem Forschungsjahr in Schweden und einer Dissertation in den Alpen arbeitete sie als Forscherin und Dozentin an der Technischen Universität München (TUM), wo sie sich in Ökologie und Naturschutzbiologie habilitierte. Sie hat auf fast allen Kontinenten geforscht und zu Wildtier-Themen beraten und gelehrt und leitete über 20 Jahre lang die Grouse Specialist Group der IUCN. Seit 2004 ist sie Professorin für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität Freiburg. Ilse Storch und ihr Team konzentrieren sich auf die Auswirkungen des Menschen auf Wildtiere und wollen zu einer wissenschaftlich fundierten Grundlage für das Wildtiermanagement und den Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen.
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