Spezifische Immunantwort gegen Epstein-Barr-Virus entdeckt19. Januar 2023 Foto: © jarun011 – stock.adobe.com Warum das Epstein-Barr-Virus bei einem Teil der erstmals Infizierten Pfeiffersches Drüsenfieber auslöst und bei einem anderen nicht, konnte von der Wissenschaft bislang nicht erklärt werden. Ein Team um Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie der MedUni Wien, hat nun als Ursache eine spezifische Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus und somit ein neues mögliches Ziel für die Entwicklung von Impfstoffen entdeckt. Die Vermehrung des Epstein-Barr-Virus (EBV) im Körper wird durch eine antivirale Immunantwort vor allem mittels T-Zellen bekämpft. Neben den klassischen T-Zellmechanismen gibt es auch eine „nicht klassische“ T-Zellantwort, die zur Zerstörung virusinfizierter Zellen führt. Hier werden den T-Zellen bestimmte EBV-Bestandteile (Peptide) durch ein spezifisches Molekül (HLA-E) präsentiert, das sich auf der Oberfläche EBV-infizierter Zellen befindet. Aufgrund einer Gen-Variation (HLA-E0103/0103) sind in etwa einem Drittel der Bevölkerung natürlicherweise mehr HLA-E Moleküle auf Zellen vorhanden. Dass das Risiko für die Entwicklung des Pfeifferschen Drüsenfiebers nach einer EBV-Infektion stark von dieser nicht klassischen EBV-spezifischen Immunantwort abhängt, hat das Forschungsteam um Puchhammer-Stöckl in Kooperation mit Kollegen der Universitätskliniken für Thoraxchirurgie sowie für Innere Medizin III der MedUni Wien und des Erasmus University Medical Centers in Rotterdam in einer aktuell publizierten Studie gezeigt. „Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass Personen mit der HLA-E0103/0103 Gen-Variante viel seltener Pfeiffersches Drüsenfieber entwickeln als Menschen, die eine andere HLA-E Variante tragen. Wie unsere Laborexperimente ergaben, war diese Gen-Variante auch mit einer stark ausgeprägten EBV-spezifischen Immunantwort verbunden“, erläutert Erstautor Dr. Hannes Vietzen vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien. Präventive und diagnostische Möglichkeiten EBV-Infektionen gehören zu den häufigsten Virusinfektionen des Menschen. Die Erstinfektion mit dem Virus verursacht in einem Teil der Kinder und jungen Erwachsenen Pfeiffersches Drüsenfieber (Infektiöse Mononukleose), welches von unspezifischen Symptomen wie Fieber, Lymphknotenschwellungen und einer teils monatelangen Erschöpfung gekennzeichnet ist. Warum eine erstmalige EBV-Infektion nur in einer Minderheit der Personen zu Pfeifferschem Drüsenfieber führt und bei den meisten gänzlich ohne Symptome verläuft, war bisher unklar. Mit der EBV-spezifischen Immunantwort haben die Forschenden nicht nur die Ursache für dieses Phänomen identifiziert, sondern auch ein mögliches Ziel für die Erforschung präventiver Maßnahmen: „Da diese Immunantwort auch noch Jahre nach der ersten EBV-Infektion messbar war und einen langanhaltenden Schutz vor einer erneuten EBV-Infektion bietet, könnte es sich lohnen, diesen Mechanismus für die Entwicklung zukünftiger Impfstoffe ins Visier zu nehmen“, blickt Vietzen in die Zukunft. Chancen für künftige diagnostische Möglichkeiten könnten in einer weiteren Erkenntnis aus der Studie liegen: „Die Kombination von ungünstiger HLA-E-Gen-Variante und bestimmten EBV-Peptiden scheint auch bei der Entstehung von EBV-assoziiertem Lymphdrüsenkrebs in immunsupprimierten Patientinnen und Patienten nach einer Transplantation eine wichtige Rolle zu spielen“, sagt Vietzen. „Möglicherweise ist eine Analyse der EBV-Stämme, die bei diesen Patientinnen und Patienten nachgewiesen werden, hilfreich, um Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig identifizieren und rechtzeitig behandeln zu können.“
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