Spezifischer Kreuzschmerz: Neue Leitlinie bringt mehr Orientierung für Betroffene und Behandelnde

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Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat ihre Leitlinie zum spezifischen Kreuzschmerz überarbeitet. Die neue S2k-Leitlinie gibt Ärzten Orientierung, wie Rückenschmerzen mit klarer Ursache diagnostiziert und behandelt werden können.

Die neue Leitlinie zum spezifischen Kreuzschmerz bündelt laut DGOU den aktuellen Stand des Wissens und wurde gemeinsam mit zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften entwickelt. Sie ersetzt die Version von 2018.

Erweitertes Spektrum der Ursachen von Kreuzschmerzen

„Während oft keine eindeutige Ursache gefunden wird, steckt bei einem Teil der Betroffenen eine klare körperliche Veränderung dahinter. Die neue Leitlinie hilft, diese schneller zu erkennen und gezielt zu behandeln, damit Schmerzen nicht chronisch werden“, erläutert Dr. Jörn Dohle, stellvertretender DGOU-Präsident das Ziel der neuen Leitlinie.

Leitlinien-Koordinator PD Dr. Stefan Kroppenstedt betont: „Rückenschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel Verschleiß an Bandscheiben oder Gelenken, aber auch Muskelverspannungen oder Blockierungen. Entscheidend ist, die Ursache genau zu erkennen. Nur dann können wir Patientinnen und Patienten gezielt helfen.“ In der überarbeiteten Leitlinie sei das Spektrum der möglichen Ursachen erweitert worden. Neu aufgenommen wurden etwa Probleme an den Iliosakralgelenken.

Als Ursachen für spezifischen Kreuzschmerz sind in der Leitlinie insbesondere genannt:

Verschleißbedingte Veränderungen
– Facettengelenksarthrose
– Veränderungen an Wirbelkörpern und Bandscheiben (z. B. Osteochondrose)

Probleme im Beckenbereich
– Beschwerden im Iliosakralgelenk

Engstellen und Instabilitäten der Wirbelsäule
– Spinalkanalstenose
– Spondylolisthese
– Spondylolyse

Entzündliche Erkrankungen
– Axiale Spondyloarthritis

Weitere strukturelle Veränderungen
– Morbus Baastrup („Kissing Spines“)

Funktionelle Ursachen
– Muskelverspannungen und myofasziale Dysfunktionen
– Blockierungen einzelner Wirbelsäulenabschnitte

Ganzheitliche Diagnostik

Doch auch die Diagnostik wurde der DGOU zufolge stärker in den Mittelpunt der neuen Leitlinie gerückt. Gespräche über den Schmerz, körperliche und neurologische Untersuchungen sowie – wenn nötig – bildgebende Verfahren und gezielte Testinjektionen, würden für ein entscheidendes Gesamtbild sorgen. Auch psychische Belastungen oder berufliche Faktoren könnten körperliche Beschwerden verstärken und sollten in die Behandlung einbezogen werden. „Rückenschmerz ist selten nur ein rein körperliches Problem. Wir müssen den Menschen insgesamt betrachten, um die passende Therapie zu finden“, so Prof. Christoph-Eckhard Heyde, Leiter der DGOU-Sektion Wirbelsäule.

Klares Stufenkonzept bei der Therapie

Darauf aufbauend empfiehlt die Leitlinie ein klares Stufenkonzept: Zunächst stehen konservative Maßnahmen wie Bewegung, Physiotherapie und Schmerztherapie im Vordergrund. Ziel ist es, die stabilisierende Muskulatur rund um die Wirbelsäule zu stärken, Bewegungsabläufe zu verbessern und Fehl- oder Schonhaltungen abzubauen, die den Schmerz oft verstärken. Gleichzeitig können entzündliche Prozesse beruhigt und überreizte Nerven entlastet werden. Auch eine gezielte Schmerztherapie hilft, den Kreislauf aus Schmerz, Anspannung und eingeschränkter Bewegung zu durchbrechen.

Reichten diese Maßnahmen nicht aus, können der Leitlinie zufolge gezielte interventionelle Verfahren zum Einsatz kommen, wie entzündungs- und schmerzhemmende Injektionen. Operationen bleiben die letzte Option. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn die Ursache der Beschwerden eindeutig identifiziert ist, die Schmerzen anhalten und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden.


Ein ausführlicher Beitrag zur Leitlinie ist in der Ausgabe 2/2026 der Mitgliederzeitschrift Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten (OUMN) erschienen.

Die S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz steht im Leitlinienregister der AWMF zum Download bereit.